Bin ich ein Third Culture Kid?

Third culture Kid

Third culture Kid

Ich bin aus Bayern. Als Kind habe ich nur bayrisch gesprochen, ja, so ist das hier auf dem Land – auch heute noch. Als ich mit 12 Jahren mit meiner Familie nach Rom (A bella!) zog und dort in die Deutsche Schule kam, erlitt ich zunächst einen Kulturschock – Third Culture Kid hin oder her. Alle fragten mich: „Kommst du aus Österreich?“ Das fand ich so doof, dass ich so schnell wie möglich hochdeutsch lernte. Das war lange bevor ich begann, italienisch zu sprechen. Das wollte ich zuerst nämlich nicht. Perfektionistische Kinder reden erst in einer neuen Sprache, wenn sie gut genug sind, um möglichst keine Fehler zu machen. So eines war ich.

Generell heißt es, bis zum Ende der Grundschule würden sich Kinder sehr leicht tun, sich an eine fremde Kultur und Sprache zu gewöhnen. Mit dem Beginn der Pubertät fällt es ihnen schwerer. So war es bei mir auch, während mein jüngerer Bruder das Italienische spielerischer anging. (Er lernte auch nie hochdeutsch.) Mehr dazu hier.

Über den Begriff Third Culture Kid dachte damals bei uns keiner nach! Doch die Theorie von zwei verschiedenen Kulturen und der daraus entstehenden, originären Schnittmenge passt wunderbar. Die Kinder unserer Schule – in meinem Jahrgang kamen sie zu über zwei Dritteln aus italienischen Familien – kreierten ihre eigene Sprache. Worte, die einen Sachverhalt im Deutschen besser trafen, wurden auf deutsch benannt und italienische eben italienisch. Lustige Beispiele unserer Alltagssprache waren: Das ist eine Creme (das ist toll), ich rosikiere (mehr als ärgern), eine kühle Blonde (= ein Helles oder ein kühles Bier), und viele mehr, die natürlich nur für zweisprachig aufgewachsene Menschen Sinn ergeben.

Das merkte ich dann in meiner Zeit in Deutschland, wohin ich nach dem Abi zog, auch recht schnell! Mein Humor, meine Redewendungen wurden nicht selbstverständlich verstanden! Mir fehlte eine fast zehnjährige Lücke deutscher Alltagskultur. (Deutsches Fernsehen hatten wir zuhause nicht, nur deutsche Presse wie Spiegel oder Süddeutsche vom Kiosk). Dafür kannten wir die römische Szene, die italienischen Bands, Stars und Sternchen. Und im Rückblick sehe ich noch wesentlich viel mehr Vorteile durch meine Teenie-Zeit im Ausland. Danke Eltern, dass ihr mich gerade noch rechtzeitig in eine aufregende Großstadt gebracht habt!

Ich redete zwar deutsch, zuhause in Rom war ich ja auch immer eine von den „Deutschen“, aber hier in Deutschland war ich plötzlich nicht mehr wie die „Deutschen“, sondern anders. Ich lachte lauter, redete mit Händen und meine Vorlieben beim Essen – kannste Vergessen, bis heute, nach fast 20 Jahren deutscher Kulturkreis! Pasta, Pasta e Basta!

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