Generation beziehungsunfähig soll ich jetzt geil finden?!

Generation beziehungsunfähig
- Generation beziehungsunfähig

Diese Frau, altersmäßig aus dem Zentrum der „Generation beziehungsunfähig“ lebt in einer glücklichen Beziehung, hat vor Kurzem ihr Kind geboren und führt trotzdem ein selbst bestimmtes „voll gepacktes“ und erfülltes Leben.

 

Wer heute um die dreißig ist, gehört neuerdings zur Generation beziehungsunfähig? Was soll das überhaupt, eine ganze Generation über einen Kamm zu scheren? Ich finde das fragwürdig. Ich stoße gerade auf viele Artikel zum Thema und habe vor einiger Zeit den Artikel „Dumm ist, wer sich ewig bindet“ von Lennart Boscher auf Edition F gelesen, der in mir rumorte. Sehr rumort, seit einigen Wochen rumort und dessen Titel ich schon so hinterfotzig finde, dass ich nach der Lektüre sofort meine Replik dazu aufschreiben musste.

 

Generation beziehungsunfähig ist eine billige Ausrede

Der Autor Lennart Boscher behauptet, dass unsere Generation – ich bin 38, darf ich mich da überhaupt noch dazu zählen, oder bin ich für den dann schon ein Methusalem aus einer gestrigen Generation? Ich fühle mich aber nicht so – kein Interesse mehr an festen Beziehungen hätten. Ja, dass Beziehungen die persönliche Freiheit kaputt machen würden und ihn an seinem Glück hinderten. Persönliche Meinung, ja gerne, aber das einer ganzen Generation als Lebensgefühl unter zu jubeln? Wieso höre ich da nur vereinzelte Protestschreie? Denkt ihr auch alle so? Fühlt ihr Euch auch als Generation beziehungsunfähig?

Hier gibt es übrigens eine erfrischend positive Auseinandersetzung von der Edition F-Autorin Julia von Pidoll mit dem gleichnamigen Ursprungstext des 40-jährigen (!) Michael Nast, der mit der Schöpfung des Begriffs „Generation beziehungsunfähig“ zum fragwürdigen Sprachrohr einer Generation wurde.

 

Liebe IST Freiheit

Für mich ist Liebe Freiheit. Liebe ist loslassen können, Liebe ist füreinander dasein und sich dennoch das Zugeständnis machen können, allein sein zu dürfen. Liebe ist Achtsamkeit und Respekt.

Ich würde es sehr traurig finden, wenn eine ganze Generation denkt, sie sei beziehungsunfähig. Und gleichzeitig weiß ich, dass das nicht sein kann. Ob ich mich nun hier in meiner ländlichen Umgebung umschaue oder in der Elternblogger-Szene: Ich sehe, wie viele entzückende Paare und Familien das Land bevölkern. Liebe ist wundervoll und zu großem fähig. Egal ob sie kurz dauert oder lang. Ich persönlich bin ganz zufrieden, dass sie andauert und betrachte das als großes Glück. Großes Glück ist vor allem, dass wir beide gewillt sind, an uns zu arbeiten und die Schuld für Fehlentwicklungen nicht immer nur dem anderen zuschieben.

Allerdings gibt es in jeder Liebe Krisenzeiten. Zeiten, in denen das Fundament in Frage gestellt wird. Trägt das Haus, das wir gemeinsam gebaut haben uns beide? Ist es stark genug, um Zimmer für alle unsere Wünsche, Vorstellungen und Pläne zu tragen? Gibt es uns genug Raum zur Entfaltung? Trägt der Garten, den wir angelegt haben, auch Früchte? Nicht immer ist klar, wie es weitergehen soll.

Bei vielen aus Liebe erbauten Häusern war und ist der tragende Gedanke die Familie, die zum gemeinsamen Lebensziel wird. Diese Familie gestalten und aufzubauen, hilft Schwierigkeiten und Stürme zu meistern und sein Hausboot in ruhigere Gewässer zu steuern.

Was mich besonders geärgert hat, an dem Artikel ist, die unterschwellige Unterstellung, meine Lebenswahl sei damit langweilig und es sei mir nicht gelungen, mein Leben ausreichend voll zu packen mit immer neuen Abenteuern. Brauche ich denn andauernd neue Thrills, neue Kicks? Ausreichend voll packen wird ganz schnell zu Überfrachtung.

Außerdem kann ich auch mit einer Familie und immer den gleichen Leuten viel Abwechslung und Abenteuer in meinem Leben haben. Klar, ich habe diese Zeiten, bei mir zwischen 18 und 30, auch richtig genossen. Allein umherziehen, nichts und niemandem verpflichtet, auf keinen Rücksicht nehmen müssen.

 

Aber für immer?

Auf Dauer? Schon Mitte Ende zwanzig hat mich dieses Leben ernsthaft angeödet. Ich habe einfach keinen richtigen Sinn mehr gesehen, so für mich alleine vor mich hin wurstelnd. Auch in den Zwanzigern hatte ich eine längere Beziehung ohne Kinder. Und ich wusste damals, das diese Verbindung irgendwann gelöst werden wird. Das war so ähnlich, wie der Autor das beschreibt. Aber richtig glücklich gemacht, so erfüllend glücklich, hat mich diese Zeit nicht. Nicht im Vergleich zu meinem heutigen Leben. Ich fühle mich so angekommen.

Damals war alles wahnsinnig cool. Ich gehörte zu den Coolen. Oder wir hielten uns zumindest dafür. Das tut wahrscheinlich jeder. Doch eines Tages war der Zeitpunkt gekommen, mein Leben zu verändern. Eine Familie zu gründen, war für mich auch eine große Herausforderung, ein spannendes Abenteuer und das ist es bis heute geblieben. Klar, hätte ich nun nicht gedacht, dass ich innerhalb von 2 Jahren gleich drei Kinder bekomme. Aber wie heißt es so schön?

No risk, no fun

Und Spaß haben wir sehr viel miteinander, auch wenn es manchmal ganz schön anstrengend ist. Und wisst ihr was das tollste ist: Auch wenn ich nach der Devise „Es muss nicht alles Sinn machen, Hauptsache es macht Spaß!“ lebe, hat mein Leben mit Familie einen tieferen Sinn. Die Stabilität, die so viele der Generation beziehungsunfähig vermissen, habe ich durch die Gründung einer Familie erst bekommen.

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