Karma Yoga und das liebe Ich: das 2. Türchen

Mamirocks mit ihren Gedanken zu Karma Yoga im Yogablog-Adventskalender

Karma Yoga? Karma Yoga ist die Kunst, den Alltag zu bestreiten ohne zu maulen. So würde ich das formulieren. Was in der Baghavad Gita darüber steht: dem Aufgeben von Erwartungen folgt unmittelbarer Frieden. Karma an sich ist Handlung und das Ergebnis von Handlungen. Karma Yoga könnte man folglich mit erwartungsfreiem Handeln übersetzen.

Es geht also nicht um Asanas oder andere Körperübungen, sondern eine Haltung im Alltag. Jeder hat seine Aufgaben und Pflichten – nicht alle davon sind immer spaßig. Nicht immer haben wir Lust, all das was den Alltag ausmacht zu erfüllen. Klar kommen die meisten von uns ihren Verpflichtungen nach. Aber machen wir das alle wirklich gerne? Also ich für meinen Teil bin manchmal eine richtige Motzmama. Mir ist alles zuviel, ich könnte den ganzen Tag nur meckern über die Wäscheberge, den ständigen Dreck und das Chaos, das die Kinder dauernd (unwillentlich) verursachen und, und, und… Mir stinkt dann alles und ich schimpfe, obwohl ich eigentlich weiß, dass niemand etwas dafür kann. Obwohl ich eigentlich eine liebe und gut gelaunte Mutter sein möchte.

Das Konzept Karma Yoga setzt hier an: Es ist die „hohe Kunst, zu handeln, ohne für dieses Handeln etwas zu erwarten“, schreibt die von mir sehr geschätzte Yogalehrerin und Journalistin Stephanie Schönberger in ihrem Buch „Das Karma, meine Familie und ich„.  Karma Yoga bedeute, „Mitgefühl für andere und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was gerade getan werden muss.“ (ebd. S. 248).

Mit anpacken und keine Schnute ziehen, also auf Deutsch. Wer so eine Persönlichkeit hat, besitzt eine wertvolle Gabe. Alle anderen können es aber lernen. Das mit der „hohen Kunst“ wie die Yogis sagen, das stimmt schon: es ist nicht immer leicht, dieses Wissen in sein Leben zu integrieren.

 

Und wie hilft einem diese Erkenntnis im Leben weiter?

Aber es funktioniert. Das wertvolle daran ist der positive Effekt, der nicht nur auf die eigene Person und das eigene Leben abstrahlt sondern auch auf das gesamte Lebensumfeld. Das Leben wird im wahrsten Sinne des Wortes schöner. Indem ich mir einen liebevolleren Umgang mit den lästigen Aufgaben, wie Putzen, Essen kochen und Hausaufgaben machen, angewöhne, sind diese Pflichten plötzlich gar nicht mehr so fad und nervig. Es ist also an einem Regentag plötzlich die Sonne für dich aufgeht: Wenn ich mir in Ruhe überlege, was ich kochen will und das Gemüse mit Liebe schäle und schneide, mich an seinem Duft erfreue, einfach weil es uns ein gutes, nahrhaftes Mittagessen sein wird, habe ich auf einmal Lust zu kochen.

Wenn ich mir denke, so schlecht ist das putzen eigentlich gar nicht, ich nehme es als Aufwärmübung für meine anschließenden Asanas auf der Matte, ist alles halb so schlimm und kann mir nicht den Tag versauen. Streng genommen ist das zweite Beispiel natürlich kein richtiges erwartungsfreies Handeln. Aber die Aufgabe, für die mich keiner loben wird und für die mir normalerweise auch niemand danke sagt, weil es selbstverständlich ist, dass ich meinen mütterlichen Aufgaben nachkomme, geht mir mit dieser positiven Sichtweise leichter von der Hand.

Gerade wenn man sich in einem Trott befindet und alles als ewiges Einerlei, ist das vielleicht ein Ansatzpunkt da herauszukommen.Unangenehme Dinge werden schnell erledigt, weil sie getan werden müssen. Ohne großes Lamentieren und die Kinder ständig zur Ordnung zu rufen. Klar erwarte ich gewisse Dinge von ihnen, aber vieles erledige ich schnell alleine bevor ich ihnen große Standpauken halte – mit einem Lächeln in der Erinnerung an das schöne Spiel, das sie hier gestern gespielt haben. Es sind eben Kinder und gerade wenn sie sich kreativ Austoben – was ich immer befürworte – gibt es Unordnung und Chaos. Wo gehobelt wird, fallen Späne, oder?

 Lokah Samastah Sukhino Bhavantu und Karma Yoga

Karma Yoga als Sonnenschein im Alltag

Stephanie Schönberger nennt noch einen zweiten Effekt den Karma Yoga in ihr Familienleben bringt. Sie schreibt: „Es macht uns unabhängig von den Reaktionen anderer.“ Auch das ist ein großer Vorteil, denn wenn den Kindern das gesunde Essen, das wir mit Liebe für sie gekocht haben, etwa nicht schmeckt, ist das für uns kein Grund mehr, alles hinzuschmeißen und auf alle sauer zu sein.

Das erste Mal ist mir der Begriff Karma Yoga übrigens vor fast zehn Jahren in der Münchner Steinheilstraße im Sivananda Zentrum begegnet. Dort erfüllen Yoginis ihr Leben mit gutem Karma, indem sie für die Gemeinschaft unentgeltlich den Dienst im Empfangsraum übernehmen. Sie sorgen dafür, dass immer heißer Tee für die Besucher da ist und managen die Rezeption.

Karma Yoga kann also auch jeder Dienst sein, den wir ohne ein Entgelt an der Gesellschaft tun. Ob ich mich im örtlichen Flüchtlingsheim engagiere, kostenlose Deutschkurse gebe oder meiner alten Nachbarin regelmäßig ein wenig Ordnung in der Wohnung mache. All das ist Karma Yoga und macht die Welt ein bisschen schöner.

Karma Yoga ist für mich im Grunde nichts anderes als persönliche Arbeit. Wenn wir alle an unserem Charakter arbeiten, gegen eingeschleifte Muster mit wachem Blick und steter Reflektion angehen, profitieren unsere Mitmenschen unmittelbar davon. Weihnachten ist doch das Fest der christlichen Nächstenliebe, an dem sich die Menschen einander zuwenden. Wenn wir die Weihnachtszeit zu einer Zeit der Freude, der guten Gedanken und eines ehrlichen Miteinanders machen wollen, ist kein Platz für Egoismus und Neid. Nicht immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht sein und von sich aus hilfsbereit und zuvorkommend zu sein, das hilft uns in jeder zwischenmenschlichen Beziehung – ob in der Partnerschaft oder in Bezug auf Verwandte und Familie.

Wieso nicht einfach einmal dem anderen zuvorkommen und die anstehende Arbeit von sich aus erledigen, auch wenn der andere gerade dran wäre? Das ist mein persönlicher Vorsatz für diese Weihnachtszeit. Ich möchte achtsam und bewusst mit meinen Liebsten umgehen, mit lieben Worten und Gedanken sie bedenken und es mal mit einem Lächeln auf den Lippen probieren.

Mamirocks mit ihren Gedanken zu Karma Yoga im Yogablog-Adventskalender

Alles Liebe und eine achtsame Weihnachtszeit wünscht Euch Verena.

Dieser Beitrag ist Teil des wunderbaren – vom Yoga- und Lifestyleblog ganzwunderbar angeregten – Yogablog Adventskalenders, der morgen mit dem dritten Türchen bei der lieben Anni von www.yogagypsy.de weitergeht. Sie schreibt über die 5 Yamas und wie man mit diesem alten Wissen die stressige Weihnachtszeit gut übersteht. Da findet ihr bestimmt gute Tipps, wenn ihr in diese Richtung mehr in die Tiefe eintauchen möchtet.

Gestern hat Maria Dieste, Expertin für Heil Yoga, den Anfang gemacht, wer noch nachlesen möchte.

3 Comments

  • Chrissi sagt:

    Liebe Verena,

    ein bisschen verspätet, möchte ich dir trotzdem noch ein paar Worte zu deinem Yoga Blog Adventskalender dalassen… 🙂
    Tatsächlich ist mir der Begriff „Karma Yoga“ schon ein paar Mal untergekommen, aber wirklich befasst habe ich mich damit nocn nie. Dabei klingt das ganze so nachvollziehbar! Unsere Alltagshaltung ist ja oft nicht so entspannt, wie die sonstige Yoga Praxis glauben lässt. Eine Freundin von mir arbeitet in einem Fitnessstudio, das auch Yoga-Kurse anbietet und meinte ganz passend: „Die Leute kommen gestresst, machen Yoga, sind kurz entspannt – und beim Gehen schon wieder gestresst.“

    Deinem persönlichen Vorsatz für die Weihnachtszeit schließe ich mich deshalb gerne an – gute Einstellung und ein toller Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Chrissi

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