Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit – hindert sie nicht!

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Kinder haben Rechte – dazu gehört ganz wichtig auch das Recht auf Spiel und freie Zeit, und zwar möglichst viel, finde ich. Durchgeplanter, durchgetakteter Familienalltag? Schnell, schneller, aus dem Bett, Frühstück, Anziehen, Kita und jeden zweiten Nachmittag einen Kurs? Bitte ermöglicht es Euren Kindern, zu spielen, sich zu langweilen und einfach mal gar nichts zu tun. Wenn sie klein sind, heißt es träumen, tagträumen, kuscheln, ausruhen. Wenn die Kinder größer sind, heißt es vielleicht chillen oder abhängen.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Und dahinter steckt das Recht auf Spiel und freie Zeit. Denn wer keine Löcher in den Teppich starren darf, sieht die Luftpferde nicht und kann keine Makaken im Urwald beim Kokosnuss klauen zusehen. Dieses WIB widme ich deshalb dem Nichtstun und Faulenzen. Zumindest dem meiner Kinder, denn die langen, faulen, kreativen Tage in den Kinderzimmern machen für mich (und die Kinder) natürlich tagsdrauf umso mehr Arbeit, wenn es ans wegräumen geht.

Aber guckt mal, was die Kinder heute aus ihrem Recht auf Spiel gemacht haben: Ganz davon abgesehen, dass wir einen wundervollen Tag verbracht haben, sind tolle Kunstwerke entstanden.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Ich soll bitte hinschreiben, dass dieses Kunstwerk die Zwillinge ganz allein gebaut haben! So, Auftrag erledigt.

Gegen zuviel Kinderförderung

Bei uns sind gerade für zwei Monate große Ferien. Obwohl ich schon auch arbeiten muss, habe ich die Ferienbetreuung auf zwei Wochen beschränkt. Es ist mir wichtig, dass die Kinder mal gar kein Programm haben. Sie können ihr Recht auf Spiel ja gar nicht alleine wahrnehmen oder einfordern. Wir Eltern müssen ihnen dabei helfen. Wenn wir unsere Kinder permanent verplanen, haben sie keine Chance mal einfach nur in ihrem Kinderzimmer oder draußen zu spielen.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Klar, ist es schön, wenn die Kinder ein Instrument lernen können. Ich empfinde das sogar als Privileg. Klar, ist es schön, wenn Kinder einen Sport finden, der sie glücklich macht, in dem sie Erfolge feiern oder Teamgeist trainieren. All das gibt ihnen Selbstvertrauen und erfüllt sie mit Stolz.

Doch genügt nicht ein solcher Termin oder maximal zwei Sachen in der Woche? Wie oft unternimmt man nicht auch noch etwas am Wochenende, hat diese Gäste oder trifft jene Freunde? Wahrscheinlich geht es den meisten wie uns: Meistens ist sogar mehr los als geplant. Daher verordne ich uns oft bewusst Entschleunigung und Nichtstun. Alle genießen ihr Recht auf Spiel.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Mama spielt auch mit

Unsere Kinder spielen sehr oft alleine, zu zweit oder zu dritt zusammen, mit Nachbarskindern, jedoch in Abwesenheit von Erwachsenen. Das finde ich sehr gut. Dennoch habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen. Früher habe ich sehr viel mit den Kindern gespielt. Seit diesem Jahr arbeite ich sehr viel mehr, dafür kümmert sich mein Mann mehr um den Alltag mit den Kindern.  Mein schlechtes Gewissen ist exponentiell gestiegen. Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Daher lege ich, wann immer möglich, bewusste Kinderzeiten ein. Heute war ich den ganzen Tag oben bei den Kindern. Ich habe mit der Tochter Puppen gespielt, weil sie sich das heute gewünscht hat. Der Bruder hat ein Katzenhaus gebaut und hier eine sehr gemütliche Hängeliege – leider nicht für Erwachsene geeignet.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Dann haben wir noch Mensch ärger dich nicht gespielt – einzeln mit jeweils einem Zwilling. So musste sich auch fast gar keiner ärgern. Das funktioniert bei uns mit allen Kindern gemeinsam oft nicht so gut, weil jeder unbedingt gewinnen will. Dann fliegt schon mal das Spielbrett durch die Luft und das mag ich nicht so, wenn immer so ein Konkurrenzkampf herrscht.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Gestern habe ich den Kindern Schiffe versenken gezeigt. Aber der fast Siebenjährige musste sich ganz schön anstrengen mit den Koordinaten und ich bin die ganze Zeit dabei geblieben. Obwohl es schön war mit dem Lineal zu üben, die Linien zu ziehen, warten wir mit diesem Spiel wohl noch ein wenig.

Die Tochter hat ein Malheft für sich entdeckt und hat großen Spaß die Figuren abzumalen. Sie macht es ohne Raster, denn auch diese Aufgabe ist ganz schön knifflig. Bei der Feuerwehr habe ich ihr ein wenig geholfen und den Quader gemalt.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Recht auf Spiel mit allen Konsequenzen

Vom Großen haben wir erst einmal gar nichts gesehen. Er hat seine Tür verbarrikadiert und hörte Kalle Blomquist.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Als er uns Stunden später einließ, waren wir alle entzückt. Er hat diese beeindruckende Schwebebahn gebaut.

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Die Zimmer und der Balkon sehen jetzt alle wieder richtig bombig olchiverdächtig chaotisch aus. Doch für so einen schönen, entspannten Tag ist es das Chaos Wert. Es lebe das Recht auf Spiel! Mehr freie Zeit für alle Kinder. Es lebe die Langeweile, die nicht vor TV, Computer oder Videogame endet. Denn aus ihr entstehen kreative Höhenflüge!

Unsere Kinder haben ein Recht auf Spiel und freie Zeit - hindert sie nicht daran

Einen schönen Sonntag noch, Verena

Mehr tolle Geschichten aus Wochenende in Bildern findet ihr wie jeden Sonntag bei Frau Mierau.

 

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5 Comments

  • Tabea sagt:

    Hallo,

    wir haben 3 Kinder. Bei uns darf jedes Kind ab dem Grundschulalter ein Instrument lernen und dazu noch einem anderen Hobby nachgehen.
    Das sind dann zwei feste Termine pro Woche. Ich finde, dass dies für die Kinder vollkommen ausreichend ist. Sie sollen auch noch Zeit haben, sich mit Freunden zu treffen, Zeit mit der Familie zu verbringen oder auch mal für sich alleine zu spielen bzw. auch mal einfach nichts zu tun. Ich muss ja zugeben, dass es mir als Mutter leichter fällt, mit den Kindern ein Programm zu haben und sie damit zu beschäftigen. Dann sind die Kinder beschäftigt, sind nicht quengelig und streiten sich auch nicht. Ich musste erstmal lernen, die Kinder auch mal „in Ruhe“ zu lassen. Deshalb war es für die Kinder auch eine Umgewöhnung. Aber so langsam wird es immer besser. Heute haben sie z.B. fast 2 Stunden im Garten Käfer gesucht und in der Sandkiste gebuddelt.

    Liebe Grüße
    Tabea (AnMoMi Blog)

    • Verena sagt:

      Liebe Tabea, das finde ich spitze wie du das machst! Ja, ich musste mich auch erst einmal umgewöhnen. Ich dachte am Anfang auch immer, dass ich den Kindern andauernd etwas bieten muss. Aber das ist gar nicht so. Sie sind froh, wenn sie mal nichts tun müssen. Liebe Grüße und viel Spaß beim Nichtstun, Verena

  • Anni sagt:

    Hallihallo! Ich sehe das auch so mit der freien Zeit, der Langeweile für Kinder. Unser Alltag ist eher voll, aber ich sorge bewusst immer wieder für kürzere und längere Phasen wo nichts ist. Meine Kinder werden in dieser Zeit allerdings nie besonders kreativ oder so. Das nahezu einzige was ihnen meistens dann einfällt ist sich gege seitig zu foppen, zu ärgern oder sie toben und quatschen rum, dass es teilweise gefährlich wird. Mit 4 und 8 erwarte ich durchaus, dass sie sich dank Langeweile und mangels Programm gut selbst beschäftigen. Ist aber nie so. Leider. Hast Du Tips?
    LG von Anni.

    • Verena sagt:

      Liebe Anni, das kenn ich auch sehr gut. Ich habe auch kein Patentrezept, manchmal spielen sie schön zusammen, manchmal klappt es gar nicht. Meine Lösung ist, dass ich in solchen Fällen jedem Kind nahelege, möglichst in seinem Zimmer alleine ein Spiel anzufangen. Sehr gut klappt das oft mit Hörspielen. Das entspannt sie irgendwie und lenkt sie vom ärgern und streiten ab. Während dem Hörspiel fangen sie dann an etwas zu bauen oder zu malen. Was auch ganz gut ist für Tage, an denen der Wurm drin ist: Ich halte stets einen Teil des Spielzeugs beiseite, da sie eh viel zu viel haben. An solchen Tagen bekommen die Kinder dann eine Kiste mit lauter Spielsachen, die zwar keiner vermisst hat, aber über die sie sich dann sehr freuen, wiederzusehen und mit ihnen zu spielen.

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