München ist (m)ein Gefühl! #Münchner Momente

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Finding Love in Reifenstuelstrasse
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Finding Love in Reifenstuelstrasse

Es gibt Blogparaden, da lasse ich alles andere liegen und stehen, höre auf zu arbeiten und will nur noch schreiben. Dies ist so eine: Münchner Momente, wie wunderschön und wie gemacht für eine wie mich, in München geboren und in der Welt zuhause. Ha,ha. Das stand ewig lange am Hauptbahnhof als Reklame-Tafel, groß und gut sichtbar, wenn man wieder mal angekommen war, mit dem Zug auf Gleis 11. Schlafwagen oder Sitzplatz, je nach Budget, Nachtzug aus Rom, wohin meine Eltern mit mir und meinem Bruder Anfang der 1990er ausgewandert waren. Seit ich 13 war, verbrachte ich jeden Sommer in München, im Reihenhaus meiner Tante in Moosach. Wenn der Zug plötzlich an Fahrt aufnahm, war der Brennerpass überwunden, und das so vertraute nächtliche Geratter, immer schneller und schneller steigerte sich mit der Vorfreude in jeder Faser, körperlich spürbar bis endlich, endlich die ersten Hochhäuser im Münchner Osten auftauchten. Die ewige Stadt, aus der ich kam, mit ihrem ewigen Sonnenschein, ihrem antiken Glanz und all dem barocken Prunkstraßen, in denen der ganz normale Autoalltagswahn tobte, war mir gerade jetzt egal. Sollten andere für Rom entflammen, ich lebte ja dort und liebte München so sehr wie nur ein Teenager verrückt nach etwas sein kann. Das Grau und die verregneten Sommer machten mir überhaupt nichts aus, denn ich wollte hierher, in die Stadt meiner Träume.

Münchnerin bleibst du ein Leben lang!

münchner momente  Direkt vom Bahnhof ging es garantiert in eine Münchner Schule, Freunde besuchen. Die armen Münchner hatten ja erst soo spät Ferien. Ich kam immer schon im Juni, mit 3 Monaten Sommerferien im Gepäck. Mit 14 war ich in die Anna-Schule im Lehel verliebt. Ich traf meinen allerbesten Freund Kikko und seinen großen Bruder, die mit ihrer Mama und ihren kleinen Schwestern von Rom in eine schicke Altbauwohnung in der Gewürzmühlstraße gezogen waren. Wow, wie ich die beneidete. Aber besuchen konnte ich sie ja. Jede Ferien schaffte ich es irgendwie auf den Stufen der Annakirche zu sitzen, oder im kleinen Spielplatzhäuschen. Oder am Eisbach, oder am Mops, oder hinter den Büschen bei den Sportplätzen im E-Garten, wie wir den Englischen Garten damals nannten.

Mit 15 war Anna-Schule dann schon nicht mehr cool, und ich hatte einen Freund am Luisen-Gymnasium. Aber eigentlich liebte ich gar nicht ihn, den Maler, sondern dessen Freund. Und der wollte Schriftsteller werden und schrieb wunderschöne Geschichten,sogar eine über mich. Allerdings in Geheimschrift, die beide zusammen entwickelt hatten. Erst als ich diese Symbole in geduldigen, verregneten römischen Wintertagen dechiffriert hatte, offenbarte sich mir die Botschaft. Wie schön ist es, sechzehn Jahre alt zu sein. Die Luisen-Gymnasiasten hingen in der Muffathalle ab: Into something und Lead da riddim hit ya – oh mann, was für geniale Zeiten. Ich mach die Augen zu und sehe sie alle, wie sie da sitzen vor dem Eingang auf den Stangen. Und dann besuchten mich die Münchner in Rom und ich liebte sie noch mehr und wollte seitdem nur noch in Nordschwabing wohnen.

Dahin kehrte ich auch zurück, als ich zum Studieren nach München kam. Doch dazwischen lagen zwei sehr glückliche Jahre mit meiner ersten richtigen Beziehung zu einem verträumten Jungen aus der St.Veit-Straße. Der stand im nächsten Sommer auf dem Leicester Square vor mir, barfuß und beklaut auf einem Londoner Campingplatz, ohne Plan und Geld. Oh ein Münchner, wir lieben München, wir lieben dich. Wie gut, Freunde überall auf der Welt zu haben, Simona Herzensfreundin wusste Rat und brachte diesen lieben Mino – er war wie wir ein Teenager im Spagat zwischen zwei Kulturen, im Mix von deutscher Realität und Sogni italiani! – bei ihren Freunden in deren Reiheneckhaus in den Londoner Vororten unter, wo sie selbst ihre Ferien verbrachte. München hieß ab jetzt Cosmic, Natraj Temple und Chai-Tee schlürfen und ganz viel Händchenhalten und Regen-Romantik im süßen alten Giebelhäuschen, die so typisch für den Münchner Osten sind!

Doch halt, meine Münchner Momente beginnen eigentlich noch früher. Seit meinem 6. Geburtstag durfte ich meine Patentante, die damals in einer Pasinger Hippie-WG in einer der schönen alten Villen in der August-Exter-Straße wohnte, besuchen. Meine Mutter setzte mich an der Endstation der S-Bahn zu einer netten Dame rein und in Laim durfte ich alleine in die Bahn nach Pasing umsteigen, wo mich meine Tante in Empfang nahm. Mann, war ich stolz! Die Krönung dieser Münchentage waren die Besuche in der Süßigkeitenabteilung eines großen Kaufhauses, in der ich so viele Sorten wie ich wollte in die Tüte legen durfte, die dann mit Schleifen, Federn und einem glitzernden Schmetterling verschlossen wurde.

Münchner Subkultur lebt – du musst sie nur suchen!

Und schließlich lebte ich selbst in der Stadt meiner Träume. Da hatte ich dann erstmal keinen Freund mehr und liebte nur München und meine Freiheit. Mein Stundenplan an der Uni beschränkte sich auf Montag, Dienstag, Mittwoch – an dieser Stelle muss ich ein Hoch singen auf den zu Tode getragenen Magister, mit dem Studenten noch lernten aus eigener Kraft und eigenem Antrieb zu lernen und ihr Leben zu meistern.

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Und nun lebte ich also endlich da, wo ich wollte. Nach so viel Cosmic Music und Afro-Revivals im Alpenraum von Verona über Innsbruck bis München, hießen meine neuen Party-Destinationen nun Sunsplash, Pulverturm und Muffat Café oder später Garage und Garden. Die Reggae-Leidenschaft brachte ich aus Rom mit. In den späten 1990ern lebte die Reggae-Szene in Rom wie in München. Selbst mein römisches Lieblings-Soundsystem One Love High Powa (Hörprobe) gastierten im Backstage. Durch einen Zufall landete ich schnell in Sendling. Und das ist der Stadtteil für den nach wie vorher mein Herz schlägt. Zuerst war es Mittersendling, dann zog ich um in die unmittelbare Nähe zum Schlachthof und schließlich

in eine WG in die Reifenstuelstraße. Jetzt war ich – nach meiner langen, langen Reggae-Love-Affair mit Soli-Parties im Marat und in der Weltwirtschaft – als leidenschaftlicher Single am liebsten im

Glockenbachviertel aus und da nähern wir uns schon der Gegenwart meiner Münchner Träume: Die träumte ich im Baader Café, im Café am Hochhaus – oh nein, das ist jetzt auch geschlossen, wollte gerade verlinken, weiß jemand wo die jetzt weiter machen? – und zu später Stunde dann im Pimpernel. Mir fallen noch viele mehr ein, auch unwiederbringliche Perlen wie die Abrissparties in Giesing, an den Gleisen, Sound unter der Isarbrücke und wer kennt es noch, das Café King an der alten Tankstelle an der Müllerstraße, wo jetzt die Luxusappartments in den weißblauen Himmel ragen? Da konnte man wunderbare Elektronächte feiern und schon vor 10 Jahren vegan essen!

Die große Liebe in einer Münchner Kneipe treffen

münchner momente Und dann geschah es aus heiterem Himmel: Ausgerechnet im Excess, in dem kleinen, engen, ersten, mit der Tittentapete hinter dem DJ, traf ich meine große Liebe, heute Papa unserer drei Herzens-Bazis. Er erzählte mir etwas von Brunnen bohren in der Sahara und ich sah das goldene Licht der Wüste vor mir. Damals liebte ich Gin Tonic, er trank Helles. Leider vergaß ich, mir seine Nummer aufzuschreiben, das schien nicht nötig, denn er wohnte wie ich im Dreimühlenviertel. Ich flog nach Thailand, fuhr mit dem Nachzug nach Rom und verbrachte Weihnachten bei meiner Familie in der Toscana – immer in Gedanken in der Sahara. Dann musste ich zurück ins Büro. Nach Feierabend war ich verabredet im Valentin Stüberl, die Sahara mit Gin Tonic wegspülen. Und wie elektrisierte mich eine Stimme, die ich sofort wieder erkannte: Wir hatten uns wieder getroffen und von diesem Moment an nie wieder aus den Augen verloren. Deshalb ist München für mich wirklich eine Stadt mit Herz, die ich manchmal hasse, aber meistens liebe, denn diese Stadt erzählt die Geschichte meiner Träume, meine Geschichte. Und es ist immer wieder so schön, Menschen in aller Welt zu treffen, deren Herz genauso für München und seine Münchner schlägt.

Ich bin allerdings weggezogen, weil wir uns das Leben in München mit 3 Kindern nicht leisten können! Das muss auch gesagt werden. Und seit ich glücklich und vergnügt auf dem Land lebe, liebe ich München noch viel mehr, komme alle paar Wochen zum Arbeiten und mache Urlaub mit meinen Kindern, deren Münchner Momente schon begonnen haben.

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