Sprachrohr Elternblogs

Sprachrohr Elternblogs

 

Elternblogs habe ich erst vor ungefähr einem Jahr entdeckt. Als ich plötzlich selbst einen Blog haben wollte. Ich war mit meinen drei Babys immer so beschäftigt, dass ich das Internet eigentlich nur zum Shoppen bei den zwei Buchstaben gebraucht habe und ein bisschen für Socialising, mit Leuten die ich von früher kenne – von denen die meisten weit weg wohnen – so dass man sich eben nicht ganz aus den Augen verliert. Dass sich mir da das Sprachrohr Elternblogs auftut und ich im Netz auf eine Hammer-Community stoße, die tröstet, aufmuntert, anprangert, kommuniziert, erklärt, literarisiert und noch jede Menge anderer kreativer Projekte unterhält, das habe ich nicht erwartet.

Sprachrohr Elternblogs

Was mal gesagt werden muss, was mir eigentlich in all seiner Größe und Grandezza erst in den letzten Tagen aufgegangen ist: Den mittlerweile gefühlt weit über 1.000 deutschsprachigen Elternblogs – keine Ahnung wie viel es wirklich sind – kommt ein großartiges Verdienst zu. Sie haben Kraft und Macht, indem sie als Sprachrohr für ALLE Mütter und Väter in Deutschland, Österreich oder der Schweiz fungieren. Sie werden mittlerweile auch von der Öffentlichkeit und den Medien als eine Stimme mit Gewicht wahrgenommen. Wenn irgendjemand etwas zu einem Thema wie Erziehung, Vereinbarkeit von Job und Familie oder was auch sonst immer mit Kindern und Familie zu tun hat, wissen möchte, dann geht er einen Elternblogger fragen. Nina Massek, Bloggerin von Frau Mutter, ist anlässlich ihres neuen Buchs (Affiliate Link) als Interviewgast im Radiosender Bayern 3, Patrizia Cammarata aka das Nuf als Beispiel für die (neuen) Gut genug-Mütter in einer der hippen Frauenzeitschriften, die bei meiner Gynäkologin auf dem Lesetischlein liegt, und und und. Die Frau Cammarata hat übrigens das Buch Sehr gerne, Mama, du Arschbombe (Affiliate Link) geschrieben. Wie lebendig die Szene ist, zeigt nicht nur das Interesse der Verlage, die Bücher von Bloggern zu drucken, sondern auch die steigende Zahl der bloggenden Eltern selbst sowie die vielen Events, Netzwerke und Konferenzen für Elternblogger.
All das ist toll! Denn die Elternblogs haben nicht nur die Stimme der jeweiligen Mama oder des Papas, der sein Herzblut in einen Blog steckt, nein, viel besser, sie geben all den Eltern eine Stimme, die sich nicht in der Öffentlichkeit tummeln. Schon allein mittels der Kommentarfunktion ist es so vielen Menschen möglich, schnell und einfach ihre Meinung zu einem Thema kundzutun. Zu polarisierenden Themen wie Stillen, Impfen aber auch politisch Aktuellem wie staatliche Unterstützung oder Armut von Familien kommen bei berühmten Blogs wie Mama arbeitet schnell mal Hunderte Kommentare zusammen. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass ihr alle so aktiv seid, ihr Blogger, und veröffentlicht wie es euch ergangen ist und ergeht in D-A-CH mit Kindern, als Familie, alleinerziehend und an der Armutsgrenze. Die kleine Meinung des Einzelnen erhält so eine Stimme. Wenn etwa die Bloggerin sieht, dass viele Menschen eine ähnliche Sichtweise haben, oder unter einem Gesetz, einem Zustand leiden, entsteht die Macht der Gemeinschaft. Eben wie die vielen kleinen Wassertropfen, die sich im Ozean zur geballten Kraft der anbrandenden Welle formieren.

Du bist nicht allein

Das andere wunderbare Verdienst der Elternblogs ist die Unterstützung, die sie alle – ob groß und berühmt oder kleines Tagebuch – den gerade Eltern gewordenen bieten. Aber auch mir, die ich ja nun schon aus dem gröbsten raus bin, sind sie eine wertvolle Hilfe. Ich habe plötzlich das Gefühl mit Problemen nicht mehr so allein zu sein. Ich entdecke Parallelen zu meinen Kindern, zu unseren Phasen, und finde Orientierung. Es hilft mir Ereignisse einzuordnen und festzustellen, dass wir keine Außerirdischen sind, sondern dass es bei vielen Familien ähnlich turbulent zugeht.

Dabei geht es nicht in erster Linie um Erziehungstipps – irgendwelche Ratgeber stehen ja bei fast jedem im Regal – nein es geht um authentische Geschichten, um Erlebnisse, die Eltern teilen. Und natürlich sind für mich die Zwillingsblogs von besonderem Wert, die mir vor allem bei der Aufarbeitung der letzten Jahre helfen. Besonders gerne lese ich folgende Zwillings-Blogs: Dachbuben, Doppelkinder, einer schreit immer, Familie Motte oder Das zweite Kind sind Zwillingeach ne ihr auch?! Besonders beeindrucken mich Mütter, die schon bloggen während sie gerade neu in die Zwillingssituation geschlittert sind. Ganz ehrlich: Hut ab, ich hätte das nicht geschafft: So viel allein mit drei Kindern – ich fühlte mich nach den ersten drei Jahren, als würde meine Seifenblase vom Grund des Meeres wieder mit mir auftauchen, und mir es nach so langer Zeit der Isolation wieder ermöglichen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Wenn ich jetzt darüber lese, wie es den Zwillingsmamis so ergeht, hilft es mir bei meiner ganz persönlichen Retrospektive und ein bisschen bedaure ich es, diese intensive Zeit nicht mehr aufgezeichnet zu haben – aber nur ein bisschen. Denn viele Glücksmomente, Lustiges und Unglaubliches taucht von allein wieder an die Oberfläche.

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