Unser nachhaltiger Familienurlaub – Tür 21 für mama denkt

Nachhaltiger Familienurlaub als WWOOFFERS

Mamadenkt beschreibt für uns heute wie ein nachhaltiger Familienurlaub aussehen könnte und worauf es dabei ankommt!

Draußen ist es kalt und von Tag zu Tag wird es draußen ungemütlicher. Die Kälte, kombiniert mit gehöriger Nässe kriecht uns durch die Ärmel in die Jacke. Die Tage werden wieder kürzer und die Nächte länger. Die wenigstens von uns haben gerade Lust und Gelegenheit in den Urlaub zu fahren. Zumal es eben nicht sonnig und warm ist. Zumindest nicht an den Orten, an denen ich Urlaub mache, an denen ein nachhaltiger Familienurlaub möglich wäre.

Nachhaltiger Familienurlaub als WWOOFFERS

Nachhaltiger Familienurlaub

Doch wie könnte so ein nachhaltiger Familienurlaub denn aussehen? in den vergangenen Wochen musste ich immer wieder an unser WWOOFing-Abenteuer denken. Das lag zum einen an der Aussicht euch unser Abenteuer hier mal näher vorzustellen. Aber auch daran, dass ich die vergangenen Monate viel darüber nachdenken muss, was in den 3,5 Jahren alles passiert ist.

Anfahrt, Aufenthalt und Aktionen

Bevor ich euch von diesem Abenteuer erzähle, hier ein paar grundsätzliche Gedanken.

Diese drei A’s sind die Bereiche, an  denen wir für uns entscheiden, welchen Grad an Nachhaltigkeit wir schaffen umzusetzen. Damit einher gehen auch ganz klare No-Gos, wie beispielsweise die Entscheidung, niemals zu fliegen oder mit dem Schiff eine Kreuzfahrt zu machen. Am liebsten würde ich auch viel häufiger mit dem Rad unterwegs sein oder aber als Familie Zug fahren. Wäre da nicht der hohe Fahrpreis für den Zug als Familie und die Tatsache, dass der Mann auf gar keinen Fall Zug fahren mag.

Für uns ist nachhaltiger Familienurlaub auch Verzicht auf ein Hotel. Am liebsten sind wir mit Zelt unterwegs oder in einem Ferienhaus untergebracht. Je nachdem, was möglich ist. Auch Bauwagen haben ihren Charme.

Als Familie sind wir gerne an dem Ort unterwegs, an dem wir Urlaub machen. Wandern, Rad fahren, Geheimtipps ausfindig machen – das macht uns Spaß. Noch sind wir dafür zu häufig mit dem Auto unterwegs. Ich hoffe, dass sich das sobald die Kids größer sind, auch noch besser anpassen lässt an Fahrrad, Bus oder Bahn. Große Unterhaltungsprogramme zu besuchen, die energieaufwendig sind und große Menschenmassen anziehen, sind eher weniger unsere anvisierten Ziele. Hauptsache raus, Hauptsache frei und Hauptsache zusammen.

WWOOFen könnte so ein nachhaltiges Abenteuer sein

2014 haben diese grundsätzlichen Gedanken u.a. dazu beigetragen, dass wir als Familie mit zwei kleinen Kindern nach Skandinavien gefahren sind, um dort zu wwoofen. WWOOF ist eine Abkürzung und bedeutet: Worldwide Working On Organic Farms.

Unsere Idee

Wenn ich an den Beginn unseres Abenteuers und damit an den ersten Gedanken denke, fällt mir immer wieder ein, wie wir damals nach einer kleinen Auseinandersetzung über eine Elternzeit mit WWOOFing-Abenteuer abends getrennte Zimmer aufgesucht haben. Die größte Schwierigkeit, die mein Mann damit hatte, war sein Pflichtgefühl gegenüber seinen Chefs und Arbeitskollegen. Hinzukam die Tatsache, dass er als eher introvertierter Typ sich nicht vorstellen konnte, bei anderen Menschen unterzukommen. Dieser Moment war sehr intensiv und wir mussten abwägen, was anstand.

Zum gleichen Zeitpunkt hatten wir unbewusst festgestellt, dass der Traum vom Auswandern nicht länger ein Traum war. Wir hatten den Ort gefunden, an dem wir unser Herz gehängt hatten. Ein Abschied und auch das damit verbundene Abenteuer standen an, um sich voll und ganz auf das Neue einzulassen.

Wir sind letztlich soweit gegangen, dass wir unsere Wohnung gekündigt und nach einer neuen Wohnung gesucht haben. Dass wir ein Haus kaufen würden, war uns während der Kündigung noch nicht klar.

Bevor es losging kauften wir ein Haus, stellten unseren kompletten Besitz in dieses Haus und brachen, ich schwanger auf nach Schweden. Sowieso sind Schweden, Norwegen und Dänemark die Länder, die wir am liebsten regelmäßig erkunden.

Nachhaltiger Familienurlaub als WWOOFFERS

Unser Abenteuer

Dieser Sommer war mit eine der schönsten und intensivsten Erfahrungen, die wir als Familie machen konnten. Wir lernten andere Menschen kennen, die irgendwann vor Jahren nach Schweden ausgewandert waren und sich dort ein kleines Familienleben und Unternehmen aufgebaut hatten. Wir erlebten die schwedische Mentalität nochmal ganz anders als untergebracht in einem Ferienhaus. Dadurch, dass wir mit diesen Menschen arbeiteten sowie gemeinsam an einem Tisch saßen und aßen, entwickelten sich Momente, die sich anders gar nicht ergeben hätten können.

Es entstanden tiefe Gespräche, die viel Nachdenken angestoßen haben. (Noch mehr als sowieso schon.) Mit einem Pkw düsten wir durch Südschweden bis hinauf nach Mittelschweden. Wir suchten uns die schönsten naturbelassenen Campingplätze in Tiveden und bei Mellbystrand und ließen uns von unseren Gastfamilien alles erzählen was für die jeweilige Region wichtig war. Wir verloren ein Paar Kinderschuhe und entdeckten einen alten Schinken von Robert Ludlum auf schwedisch. Wir fuhren als fast Veganer in unser Abenteuer und kehrten als Omnivoren zurück, die Schafe geschlachtet hatten und lieber auf Milchprodukte verzichten wollten.

Unser Geschenk

Gerne denke ich heute an diese Zeiten zurück. Sie haben uns reich gemacht. Noch nie sind wir als Familie solange Zeit mit so wenigen Dingen ausgekommen. Klar, die Familien vor Ort haben uns an ihrem Leben und damit auch an ihrem Hausstand teilhaben lassen.

Doch genau das ist ja auch ein Punkt von Nachhaltigkeit. Wir brauchen nicht jeder alles. Wenn Einzelne das teilen, was ihnen zur Verfügung steht, kann es zu Synergien kommen, von denen wir häufig nur träumen. Oft sehnen wir uns nach Augenblicken, die sich heute nur noch selten ergeben, weil wir alle immer furchtbar beschäftigt sind. Wenn nicht mit der Arbeit oder familiärer Care-Arbeit, dann doch zumindest im Garten mit dem Rasenmäher, im Haus mit der Wäsche oder dem Putzen der Böden. Nicht alles davon lässt sich unbedingt abschaffen. Aber so einiges ist nicht überlebensnotwendig. Wenn wir ehrlich miteinander sind.

Vielleicht hört sich das für den ein oder anderen zu platt an. Doch das Teilen von Geräten und Dingen, kann dazu führen, dass wir wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen. Wir tauschen uns aus, treffen uns und genießen die Zeiten miteinander.

 

Nachhaltiger Familienurlaub als WWOOFFERS

Unser WWOOFen hat uns genau das geschenkt und wir zehren in anstrengenden Zeiten noch heute von diesen wertvollen Begegnungen mit anderen Menschen und den einzigartigen Momenten, die wir als Familie erlebt haben.

Fazit: Das nachhaltigste Abenteuer

Unser WWOOFing – Abenteuer war unser nachhaltiger Familienurlaub. Der nachhaltigste, den wir je gemacht haben. Sowohl hinsichtlich unseres ökologischen Fußabdrucks als auch unsere Erfahrungen betreffend, die uns und unsere Sicht der Dinge nachhaltig geprägt sowie verändert haben. Dabei hallen noch immer die Gespräche von damals im Ohr nach sowie die kostbaren Momente als Familie im Blaubeer-Paradies unterwegs zu sein oder frisch gefangenen Fisch zu verzehren.

WWOOFers (Worlwide Working on Organic Farms) werden übrigens auf der ganzen Welt vermittelt. Wen diese Art zu reisen interessiert, findet hier eine internationale Liste. Hier gibt es eine Liste von biologischen Höfen in Österreich, die WWOOFER annehmen.

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