Yoga zwischendurch #Achtsamkeit im Alltag

Yoga zwischendurch

Yoga zwischendurch heißt für mich etwa Unkraut jäten oder Vorwärtsbeugen ins Putzprogramm einbauen, Fersensitz beim Spielen am Boden oder Kopfmassage beim Haarewaschen! Hier im Foto schöpfe ich gerade neue Energie!

Den ganzen Sommer über habe ich es schon nicht geschafft, meine Yoga-Praxis beizubehalten. Es ist schrecklich. Ich bin soweit weg von meiner körperlichen und geistigen Balance wie schon lange nicht mehr. Egal ob es die Ernährung ist oder der Sport. Ich bin faul, träge, lustlos und unmotiviert. Dazu esse ich jede Menge Süßigkeiten und ganz viel am Abend, nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht habe. Schrecklich. Morgens bin ich noch diszipliniert, tagsüber geht es meistens auch und abends verlässt mich dann jede Motivation. Kennt ihr das?

Yoga zwischendurch habe ich mir ausgedacht, um gegen diesen unsäglichen DauerZustand anzukommen, der seit ich Mama bin in, sagen wir mal zumindest in den Stoßzeiten oder Rush hours im Zusammenleben als Familie, immer wieder zu kehren scheint. Es geht darum, Yoga aktiv in den Tagesablauf einzubauen.

Heute morgen nach dem Aufwachen habe ich mal zurück gedacht an die Zeit, als ich jeden Tag zuhause auf die Matte ging. Es war herrlich. Nun gut, da habe ich noch nicht gebloggt. Ich bemerke da schon einen Zusammenhang. Ungefähr zu der Zeit, als ich zu bloggen begann, geriet meine Yoga-Praxis ins Wanken. Die Interviews mit meinen Yoga-Lehrerinnen und die Artikel zum Thema Yoga haben mich jedesmal wieder motiviert, daher habe ich mir jetzt fest vorgenommen wieder mehr über Yoga zwischendurch zu schreiben.

 

Yoga mit den Kindern

Solange die Kinder zuhause waren – wir haben hier in Tirol 2 Monate Ferien – hatte ich einfach keine Zeit. Abgesehen von den paar Malen, wo ich mich mit meinen Kindern gemeinsam Yoga geübt habe. Meine Zwillinge finden Yoga mit der Mama klasse – doch mir bringt es natürlich meditativ und entspannungstechnisch eher wenig, wie ihr euch sicher vorstellen könnt. Immerhin machen sie jetzt schon den Sonnengruß einigermaßen mit. Wenn ich Asanas ausführe, die sie nicht interessieren, üben sie Hund oder schlafendes Kind. Manchmal erfinden sie sich einfach neue Übungen. Sie sind beschäftigt, haben Spaß und ich ein wenig Zeit für mich. Als sie noch kleiner waren, haben sie beim Hund immer Baby-Hunde gespielt und sich unter mich gelegt. Das funktionierte gut, aber stellt euch mal vor, ihr habt beim Kamel zwei bis drei Baby-Kamele auf euren Waden liegen und bei der Katze einen ganzen Wurf sich kullernder Kätzchen. Da ist jede Entspannung dahin, kann ich euch sagen. Manchmal war es mir auch schlichtweg zu gefährlich, denn wenn ich schwierige Dehnungen halte und mir springt einer rein….

Nun ja, vor ein paar Tagen habe ich mir ein Buch zu Kinder-Yoga bestellt, da können wir diese Praxis weiter ausbauen.

 

Achtsamkeit im Alltag

Damit ich meinem Körper seine Dehnungen, nach denen er sich so sehnt, die mir so gut tun, dennoch geben konnte, habe ich mir etwas ausgedacht: Mit Yoga zwischendurch ist nicht gemeint, dass ich im Laufe des Tages dauernd zur Matte renne und kurz mal ein paar Asanas einlege. (Obwohl das sicher nicht verkehrt ist). Aber das kriege ich einfach nicht unter zwischen Spielen und Garten, Haushalt und Kochen. Mein Tagesablauf wenn die drei Goldkinder zuhause sind, sieht nämlich ungefähr so aus:

  • Aufstehen, wenn drei Kinder in unserem großen Bett mich wach getobt haben.
  • Frühstück herrichten und essen
  • Katze füttern
  • Küche aufräumen
  • Spülmaschine ausräumen
  • anziehen, Zähen putzen
  • Waschmaschine be-/entladen, Trockner oder aufhängen
  • (mit)spielen und währenddessen die obere Etage aufräumen bzw. ausmisten
  • Mittagessen kochen
  • Küche aufräumen
  • Spülmaschine einräumen und anschalten
  • (mit)spielen und währenddessen die Gartenarbeit erledigen
  • Abendessen herrichten
  • Küche aufräumen
  • Wäsche abhängen
  • Kinder bettfertig machen
  • vorlesen
  • kuscheln
  • runter gehen, Kühlschrank aufreißen und was essen (typischer Belohnungsesser)
  • zu platt um noch Yoga zu machen
  • Buch lesen oder in Social Media-Kanälen abhängen

(Hier fehlt: Staubsaugen und putzen, das weiß ich gar nicht, wann ich das eigentlich noch mache!)

Leichte Übungen für Yoga zwischendurch

So!!!!!! Könnt ihr Euch jetzt ein wenig vorstellen, warum mir die Zeit für Yoga fehlt? Warum ich sie mir regelrecht erobern muss? Daher mache ich Yoga zwischendurch. Das heißt, ich baue Dehnungen und Atemübungen in meinen Tagesablauf aktiv ein. Wenn ich beispielsweise die Spülmaschine, ausräume bücke ich mich so, dass meine Bein-Rückseiten gedehnt werden. Wenn ich mich nach vorne beuge, denke ich daran meinen Rücken ganz lang zu machen. Dazu gehe ich mit den Beinen in eine leichte Grätsche. Solche Dehnungen passen auch zur Arbeit im Garten: Unkraut jäten und dergleichen ist Yoga zwischendurch in seiner Reinform. Da muss man nicht mal drandenken! Das tut der Körper selbst und irgendwann merkst Du, dass das Buddeln in der Erde so entspannt. Die Atmung wird dann wie von selbst tief und kräftig. Die Gedanken beruhigen sich.

 

Yoga bei der Hausarbeit

Wenn ich aufstehe, mache ich als allererstes ein paar bewusste, tiefe Atemzüge. Dann lasse ich die Energie fließen, indem ich meine Arme beim Einatmen wie einen Kreis seitlich nach oben bringe. Diesen Energiekreis schließe ich über meinem Scheitel, um dann mit einer tiefen Ausatmung wieder nach unten zu kommen. Wiederhole diese Übung sooft du magst. Sie tut so gut.

Diese Übung mache ich auch zwischendurch, wenn ich irgendwo hinlaufe. Ebenso versuche ich, wann immer ich dran denke tief durchzuatmen. Volle Yoga-Atmung heißt zuerst in die Brust, dann in den Bauch atmen. Einige Sekunden halten. Dann erst den Bauch und dann die Brust leer atmen.

Gerne wische ich auch gleich in der Früh ein paar Flecken vom Boden oder bücke mich anderweitig nach Spielzeug und dergleichen. Dabei verharre ich kurz oder solange es mir gefällt in einer Vorwärtsbeuge. Das macht wach!

Wenn ich Decken oder Fenster putze, baue ich Rückwärtsbeugen ein. Beim Aufräumen und vielen Bücken ruhig mal innehalten und eine Krieger- oder Hund-Asana einlegen. Diese eignen sich z.B. gut zum aufstehen vom Boden.

Yoga zwischendurch im Kinderzimmer

Wenn ich mit den Kindern spiele, sitze ich ohnehin meistens auf dem Boden – im Fersen- oder Lotussitz (Schneidersitz) oder wie die Kinder mit den Beinen rechts und links neben dem Gesäß nach hinten. Wem das zu anstrengend ist, der schiebt sich ein Kissen unter. Auch die Taube ist eine super entspannende und sehr effektive Dehnungsübung auf dem Boden.

Wenn ich vorlese, drücke ich oft meine Handflächen vor der Brust zusammen. (100 mal oder statisch) Das stärkt den Brustmuskel und hält den Busen schön straff.

Wenn ich mit den Kindern herumliege, kuschele und tobe, gibt es auch immer viel Raum für spielerisches Yoga.

 

Körperpflege als me-time

Yoga zwischendurch funktioniert auch prächtig in der Dusche. Wenn ich meine Beine rasiere oder mich wasche, stehe ich auf einem Bein. Ebenso beim Zähneputzen oder Anziehen gibt es da Möglichkeiten. Auf einem Bein stehen und Balancieren fördert unter anderem die Kreativität und hält flexibel. Auch in der Badewanne fällt euch sicher die eine oder andere Dehnübung ein.

Körperpflege ist eh ein wahrer Genuss, wenn man sich Zeit nimmt für ein schönes Bad mit ätherischen Ölen oder eine Duftlampe hinstellt. Da wird Alltag zum Wunder der Achtsamkeit und zur Wellness für Mama. Einfach mal das tägliche Eincremen zu einer kleinen Ganzkörpermassage umfunktionieren. Das tut so gut. Auch Haarewaschen wird so zu einer entspannenden Kopfhautmassage. Und vergesst nicht Euer Gesicht und ganz besonders die Kiefer bis zu den Ohren hin zu massieren. Denn wer dauernd die Zähne zusammen beißt, spürt das hier. Genauso die Last auf den Schultern, die kann man wunderschön weg massieren.

 

Achja, und beim Autofahren klappt es super mit der Wechselatmung. Ich weiß, das darf man eigentlich nicht, am Steuer und so. Ich mache das auch nur auf längeren Strecken, wo ich die Kupplung nicht dauernd bedienen muss.

Ganz viel Spaß beim Ausprobieren und Erfinden neuer Übungen wünscht Euch Verena. Würde mich freuen, wenn ihr mir Eure tollen Tipps für Yoga zwischendurch in den Kommentaren schreibt!

9 Comments

  • Oh liebe Verena, so ein schöner Post. Dieses undiszipliniert sein, kenne ich, tagsüber geht es aber am Abend brechen die Dämme und das Süßzeug gerät mir in die Finger…Ich sollte es einfach nicht kaufen. Mir fehlt oft die Motivation, weil es ja immer 1000 Dinge zu erledigen gibt. Aber wem sag ich das? Du kennst es ja auch. Hast du denn einen Tipp für mich für ein absolutes Anfänger-Yoga-Programm? Ich habe noch nie einen Kurs gemacht, kannst du mir ein Buch oder eine Dvd oder einen Link empfehlen? (Ich bin echt nicht sportlich).
    Liebste Grüße, Anna

    • Verena sagt:

      Hallo liebe Anna! Ich bin auch nicht sportlich. Und ja: ich denke mir auch immer, ich sollte einfach nichts kaufen. (Dann kriege ich aber Ärger mit den Kindern, wenn ich ihre Süßigkeiten stibitze.) Also versuche ich immer möglichst gesunde Naschereien vorrätig zu haben. Naja, ein Elend eben. Aber ein bisschen Genuss muss auch sein. Ich werde sowieso nie dünn sein und versuche mich so anzunehmen wie ich bin. Allerdings fühle ich mich körperlich einfach viel besser, wenn ich Yoga geübt habe. Dann habe ich keine Rückenschmerzen und weniger Kopfweh.

      Ich habe mit Sivananda-Yoga angefangen als ich schwanger war. Die machen ganz gemütliches Entspannungsyoga für Schwangere. Ich würde Dir schon einen Anfänger-Kurs empfehlen, da es einen ungemein motiviert. Vielleicht nicht gerade Bikram oder Power-Yoga, oder im Fitness-Studio, wo doch eher die Leute hingehen, denen es rein um ihre Figur geht.

      Ganz tolle Bücher sind Yoga in the City von Katie Spiers, Das Yoga-Jahr (Leben im Wandel der Jahreszeiten) von R.M. Gerwin oder „Die 7 Schätze des Yoga“ von Anna Trökes. Die erklären alle, worum es im Yoga geht. Mit Videos habe ich nie gearbeitet, aber ich plane gerade, das mal zu versuchen und auf dem Blog meine Erfahrungen damit zu präsentieren.
      Alles Liebe, Verena

      • Liebe Verena, ganz lieben Dank für deine Buchempfehlungen. Yoga in the city habe ich mir jetzt bestellt, ich bin gespannt :-). Und genau das ist der Grund warum ich nicht ins Studio will, es geht mir beim Yoga nicht ums Abnehmen (nicht, dass ich es nicht nötig hätte), sondern primär um die meditative Entspannung, um das wieder Kraft tanken und um das wieder geerdet werden. Ein Yoga-Studio ist wirklich eine prima Idee. Ich bin wirklich sehr, sehr unsportlich, als Gott die Fitness verteilt hat, habe ich bestimmt gerade ien Nickerchen gemacht ;-). Auf deine Reihe freue ich mich, die werde sehr gerne verfolgen! Einen ganz lieben Gruß <3

        • Verena sagt:

          Es gibt solche Kurse! Ich bin da ganz ähnlich, was Fitness anbelangt, und habe schon sehr viele Schnupperstunden hinter mir. Es dauert oft ein wenig bis einem der richtige Lehrer begegnet. Ganz liebe Grüße und im Oktober geht es los mit meiner täglichen Yoga-Praxis! Mach doch einfach mit ab 1. Oktober – die Übungen sind für Anfänger geeignet!

  • SeelenGuru sagt:

    Hallo Verena,
    Danke dir für deine Antwort.
    Ja ich denke das sollte bei uns beiden der Sinn sein auch neben dem Schreiben noch Zeit für uns zum Erden zu finden. 😉

    Das mit deiner Interview Reihe klingt gut, werd die mir mal bei Gelegenheit anschauen.

    Liebe Grüße

    Thomas

  • SeelenGuru sagt:

    Sehr schöner Artikel, ich hab mir auch mal vorgenommen es endlich mit dem Yoga zu probieren… Aber bisher habe ich Meditation und Sport immer noch getrennt. Aber ein Yoga Bich legt schon mal vorsichtshalber hier rum :).

    Ich kenne das oben beschriebene, seit dem ich einen meinen Blog in Leben gerufen habe, ist auch der Sport etwas in Vergessenheit geraten. Meditieren ist derzeit auch etwas weniger geworden. Meine Vorteil in der Hinsicht, ich habe keine Kinder.

    Na mal schauen ob ich bald mal Yoga probieren kann 😉

    Wünsche dir noch einen schönen Tag.

    LIebe Grüße aus Dresden

    Thomas

    • Verena sagt:

      Lieber Thomas! Irgendwie müssen wir es schaffen beides hinzukriegen: meditieren und bloggen, oder? Wäre doch schade, wenn das eine das andere verdrängt, wo beides so wunderbar ist. Fang auf jedenfall mit Yoga an, es gibt soviele verschiedene Ansätze im Yoga, da lohnt es sich ein wenig auszuprobieren, um das Richtige für einen zu finden. Bei mir spielen auch immer die Persönlichkeit der Lehrer eine große Rolle, ob ich motiviert bin oder nicht. dEshalb habe ich hier auf dem BLog eine Reihe gestartet, in der ich meine Yogalehrer(innnen) interviewe, weil sie mir soviel bedeuten.
      Herzliche Grüße, Verena
      P.S: Meditieren würde mir auch mal wieder guttun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.