Vereinbarkeit: drei Schulkinder und Homeoffice

Drei Schukinder und Homeoffice

Seit gut sechs Wochen gilt es bei mir, drei Schulkinder und Homeoffice zu vereinbaren. Jetzt sind alle drei Kinder in der Schule. Alles ist jedoch weit weniger dramatisch als ich es mir vorgestellt habe – bis jetzt zumindest. Und ich habe mehr Zeit als letztes Jahr, als die Zwillinge noch in den Kindergarten gingen und immer um 13 Uhr abzuholen waren.

 

Überlegen, wo die Prioritäten liegen

Dieses Jahr sind alle Kinder für zwei Nachmittage in der Woche bis 16 Uhr fremdbetreut. Diese beiden Tage sind für mich richtig produktiv. Es ist ein großer Unterschied wie ich finde, immer nur bis 13 Uhr allein zu sein oder mal richtig durcharbeiten zu können. Klar schaffe ich auch vieles wenn 1 bis 3 Kinder anwesend sind, z.B. Hausarbeit, schnell ne Mail schreiben oder Social Media Klicks. MEINE EIGENTLICHE ARBEIT ABER IST SCHREIBEN. Und schreiben – ob bloggen, Redakteursarbeit oder Fachartikel – gelingt mir nur mit Ruhe. Das gelingt mir nicht, wenn ich weiß, in einer Stunde kommt ein Handwerker oder ich muss meinen Mann zum Zug bringen. Ich kann mich nur darauf einlassen, wenn ich weiß, heute steht nichts an außer meine freie Zeiteinteilung im Homeoffice.

Abends kann ich übrigens meistens auch nicht gut schreiben – fällt also aus. Ich bin nur effizient und produktiv, wenn ich mich frisch am Morgen, wennmöglich auch ausgeschlafen, an die Arbeit mache. Also muss ich alles so einrichten, dass ich diese Bedingungen für mein Homeoffice bekomme. Dienstag und Mittwoch sind die langen Tage und da versuche ich soviel wie möglich zu schaffen.

 

Kinder Dates und Freizeitprogramm

Die anderen Schultage laufen die Kinder von der Schule nach Hause. Das tun hier fast alle, obwohl der Weg mit 1,7 km nicht gerade kurz ist. Wenn ich mit den Kindern gehe, brauchen sie 20 Minuten, manchmal 25 Minuten. Gehen die Kinder alleine oder mit ihren Freunden, brauchen sie NIEMALS unter 40 Minuten. Das ist dann schnell. Wenn sie trödeln dauert es länger. Manchmal gehen sie noch einen Luftballon in der Bank holen. Machmal erlaube ich ihnen, sich etwas Süßes im Supermarkt zu kaufen. Öfter machen sie auch eine Rast auf dem Spielplatz. Ganz selten bekomme ich einen Anruf, dass sie zu einem Freund mitgegangen sind. Um 13 Uhr haben sie zuhause zu sein – sonst alarmieren wir Polizei, Feuerwehr, Rettung und Bergwacht. Ist so abgemacht. Nein, sie haben kein Handy. Aber sie haben gelernt, auf die Kirchturmuhr zu achten. Diese 40 Minuten mehr Zeit sind jedenfalls bei mir fest einkalkuliert. Sie sind ein wertvoller Puffer. In dieser Zeit koche ich.

 

Drei Schulkinder und Homeoffice erfordern all mein Organisationstalent

Was auch gut ist an diesem selbst bestimmten Nachhauseweg: Sie waren damit schon draußen, haben Freunde gesehen und müssen von mir weder dauernd nachmittags Spiel gedatet werden noch dauernd nach draußen an die frische Luft gebracht werden. So gerne ich nämlich mit meinen Kindern Zeit verbringe, so sehr geht mir diese Zeit nämlich dann wieder ab, die Bude auf Vordermann zu bringen. Da ich vormittags Büro mache, bleibt mir nachmittags die Hausarbeit. Neben den Hausübungen sind mir also vor allem Nachmittagsgäste willkommen, die selbständig und friedlich mit meinen Kindern spielen. Bei drei Kindern ist das nicht immer alles so harmonisch: Der beste Freund von einem Kind, versteht sich nicht mit dem großen Bruder – die Jungs jagen die Pferdchen der Mädels…

Warum ich das alles schreibe? Hier wird klar wie die Vereinbarkeit von meinen 25 bis 30 Wochenstunden bei mir nur funktionieren kann. Indem ich alles perfekt organisiere. Indem ich jede Lücke ausnütze und jede Gegebenheit für mich zu nützen weiß. Und wo bleibt da die Familie? Und wo bleiben da die Bedürfnisse des Einzelnen?

 

Für mehr Familie

Wenn ich dazu noch eine Sekretärin einstellen muss, um die Dates von drei Kindern zu verwalten, kann ich mein Homeoffice hier wegen Unrentabilität schließen. Bei uns gibt es daher auch wenig individuelles Freizeitprogramm. Nachdem letztes Jahr jedes Kind etwas eigenes gemacht hat und ich schon gemerkt habe wie schwer alles unter einen Hut zu bringen ist, haben wir dieses Jahr versucht mehr gemeinsame Nenner zu finden. WIr haben usn die Frage gestellt, was allen Spaß macht. Natürlich darf die Tochter flöten und der Große trompeten.

Dennoch: Anstelle der exklusiven heilpädagogischen Reitförderung haben wir uns jetzt für gemeinsamen Ponyhofbesuch für die ganze Familie am Wochenende entschieden. Wenn die anderen Familienmitglieder draußen warten müssen, während nur einer reitet und nach der Reitstunde sofort verabschiedet wird, stellt sich die Frage: So pädagogisch wertvoll das auch sein mag, wir wollen den Zusammenhalt in unserer Familie fördern. Wir denken nämlich, das viele Entwicklungsverzögerungen gar nicht erst auftreten oder wesentlich milder ausfallen, wenn die Familie viel zusammen ist und füreinander da ist. Diese gemeinsamen Ausflüge haben noch einen Hintergedanken: Mehr Zeit zusammen verbringen. Denn wenn wir uns dauernd nur die Klinke in die Hand geben, weil der eine vom Arbeiten nach hause kommt und die andere gerade in die Dienstreise startet, haben wir eine Familie die keine ist.

Vereinbarkeit von drei Schulkindern und Homeoffice darf nicht heißen, dass die Familie, die Zeit zusammen auf der Strecke bleibt.

 

Wer sich für das Thema interessiert, es gibt ein tolles Praxisbuch, das Artikel vieler BloggerInnen mit ihren Tipps und Erfahrungen zu dem Thema Vereinbarkeit vereint. Ich bin auch dabei, juchhu! Herausgegeben und angeregt hat es Felicitas Richter, die mit Simple Present ein hilfreiches Konzept dazu geschaffen hat. Dieses bietet auch den theoretischen Rahmen des Ebooks, das ihr euch hier als pdf herunterladen und ausdrucken könnt.

 

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