Wie wir die Festtage mit Kindern feiern? Weihnachten in echt

Weihnachten in echt

 

Wie ist denn mit Kindern eigentlich Weihnachten in echt? Nur schön, eitel Sonnenschein und Friede, Freude, Eierkuchen? Hand aufs Herz!

Als 24. Türchen im Karmakalender habe ich zum Abschied einen kleinen Slapstick vorbereitet. Wie ist eigentlich Weihnachten in echt? Jenseits des Glanzes und Glitzers, mit dem wir uns so gerne festlich schmücken. Schön ist es, all die Fotos im Netz zu begutachten: Hier ein nett durchdachtes Festtagsmenü, dort eine neue Garderobe für die tolle Nacht. Lecker Gebackenes, perfektes Styling, minimalistische Dekoration – welcher Minimalist verzichtet schon auf Dekor an Weihnachten – minimalistische Festtage sind ohnehin eher schwierig mit Kindern!

Und wie feiern wir nun Weihnachten mit Kindern? Wir beide, mein Partner und ich, finden Weihnachten in echt ziemlich bescheiden. So viel Konsum, soviel Geplane und Gestresse. Hätten wir keine Kinder, wären wir irgendwo im Süden, unter Palmen oder im Olivenhain.

Tja, wir haben aber ganze drei Goldstücke davon. Die ersten zwei Jahre hatten wir nicht mal einen Baum. Kein Kind erinnert sich an den Christbaum seiner Säuglingszeit. Damals konnten wir unser Weihnachtsmuffeltum noch voll ausleben. Schoko und so fanden wir eh fehl am Platz für kleine Kinder. Also lief alles seinen gewohnten Gang: Nettes Essen zu zweit oder mit Ferunden, zusammen kochen, einfach wunderbar.

 

Italienische Lust

Als der Große drei war, meinte ich erstmals wieder einen Baum zu brauchen. Da ich im Süden groß geworden bin, war ich an Palmen statt Tannen gewöhnt. Was beim römischen Christbaumhändler dem nordischen Ideal am nächsten kam, war eine nadelnde Fichte. Einmal aus Nostalgie, ok.

Richtige Weihnachtsgefühle kommen bei mir ohnehin nur bei strahlendem Sonnenschein auf. Kalt darf es schon sein, Hauptsache es glitzert, blinkt und leuchtet. Weil es so unweihnachtlich warm im Süden ist, wird das wahrscheinlich mit übermäßig schillernder, besonders dick aufgetragener Dekoration wieder wettgemacht. So weihnachtet es eben für jeden anders. Ja, ja, die Prägungslandschaft…

Daher ist meine Dekoration auch immer sehr individuell, quietschend bunt und für hiesige Maßstäbe vielleicht eine Spur zu grell und kitschig. Aber ich finde es schön. Die Kinder auch und der Mann findet Deko ohnehin überflüssig und im Weg. Ab und zu räumt er alles stillschweigend beiseite. Für so eine Haltung ist es geradezu heroisch, mit den Kindern einen Weihnachtsbaum – natürlich eine Tiroler Tanne! – zu kaufen und im trauen Familienkreis zu schmücken.

 

Ran an den Baum

Wir haben eine Kiste auf dem Dachboden voller wunderschöner, alter Glaskugeln. Die Kinder beginnen zu schmücken. Besser gesagt, beginnen sie eifrig Pappschachtel für Pappschachtel aufzuklappen, um zu sehen, was es denn so gibt. Bevor mir einfällt, dass zuerst die Lichterketten dran müssen, hängen schon 10 von den großen, milchigen Glaskugeln. Und eine kleine aus schwarzem Glas mit goldenen Sternen ist schwups vom Goldkind geschickt angebracht.

Waren wir gerade noch erschöpft vom Eintopfen des Baumes, da wir wie jedes Jahr vergessen haben, einen neuen Christbaumständer zu kaufen. Irgendwann hat mal einer am Baum gezogen und der tolle Ständer musste dran glauben. So ein moderner wie ich heute im Baumarkt gesehen habe, war das auch nicht, sondern einer mit Porzellanschale. Jetzt habe ich wieder keinen gekauft, denn irgendwie war er mir das Geld nicht wert. Wir schimpfen zwar jedes Jahr wieder über die Erde und die großen Wackersteine, mit denen wir den Baum befestigen. Aber es funktioniert.

Da der Baum dieses Jahr größer ist, hat Papa ihn zusätzlich mit Draht an der Decke „angespaxt“. Problem, Christbaumspitze steht schief. Da diese Glasbläserkunst irgendwann auch mal ihre oberste Spitze eingebüßt hat, kamen wir auf die Idee, sie ebenfalls durch den Draht gen Decke zu fädeln. Als Sichtschutz, damit niemand das Kaputte sehen kann, sitzt ein kleiner Engel oben drauf. Dem haben wir kurzerhand das Kleid aufgeschnitten bis zum Genick. Wir konnten ihm ja schlecht den Kopf durchstechen. Sieht tadellos aus. Und es hält bombenfest.

Das Leuchketten-Desaster

Also, Kommando zurück! Kinder, ihr müsst noch warten. Wir müssen zuerst die Lichterketten holen. Lichterketten müssen auch ausprobiert werden. Welche gingen denn noch? Aha, diese funktioniert teilweise, diese gut, diese gar nicht. Mein Test ist beendet. Der Mann kommt, probiert noch einmal – und oh Wunder: Bei ihm funktionieren alle Ketten! Also wickeln Vater und großer Sohn beharrlich 600 Lämpchen um den Baum. Netzgerät in die Steckdose: Alle warten gespannt! Alles bleibt dunkel. Oben blinken ein paar vereinzelte bunte Lämpchen. Die große Lichterkette im unteren Bereich glimmt vereinzelt schwach.

Jetzt trinken wir erst einmal ein Bier. Mittlerweile sind drei Kugeln zersplittert – immer irgendwie, vereinzelt, ohne Absicht. Mama schimpft kein bisschen, denn sie ist in Weihnachtsstimmung. Zum zehnten Male grölen wir Feliz Navidad. Wir haben hier keine Singstimmen. Aber alle singen kräftig und begeistert. Da das so beschwingt ist, bleiben wir bei spanischer Musik.

Papa beschließt, die sich tot stellende Kette häppchenweise vom Baum zu schneiden. Er hat das blöde Gewickel ein wenig satt. Die Kinder dürfen inzwischen Flippern. Mama und Tochter beschließen zum Baumarkt zu fahren und die ganze Tüte alter Ketten in den Müll zu werfen. Papa rettet inzwischen mit seiner Abzwickerei noch einen guten Teil der 500er-Kette. Dieser funktioniert dann plötzlich wieder.

Diese Lichterketten sind in der Tat magisch. Der Teil, den wir im letzten Jahr mit Klebeband abgebunden haben, weil er nicht ging, leuchtete dieses Jahr wieder. Dafür stellt sich der Rest tot. Seltsam, seltsam, aber wie gesagt, manchmal ist Müll die beste Lösung.

„Chinesisches Klump“, flucht der Papa. Chinesisches Klump, chinesisches Klump, frohlocken die Kinder im Chor.

 

Der Heiligabend

Wie wir das heute noch hinkriegen mit dem Verstecken der Geschenke, ist mir ein Rätsel. Die Kinder passen mit Argusaugen auf, haben sie uns schon angekündigt, wer an Weihnachten in echt die Geschenke versteckt. Mama und Papa müssen also andauernd beide anwesend sein.

Der Papa geht vormittags mit den Kindern wie schon öfter in die tolle Modelleisenbahn-Ausstellung im Nachbardorf. Denn Weihnachten in echt ist immer ein Fest mit wahnsinnig aufgeregten Kindern. Der Konsumwahn entlädt sich dann in einem fulminanten Höhepunkt. Mit Schaudern erinnere ich mich an letztes Jahr, als alle in einem totalen Rausch ihre unter dem Baum aufgebauten Geschenke aufgerissen haben. Der Boden komplett mit zerfetztem Geschenkpapier übersät, während Mami und Papi unterm Mistelzweig stehen.

Ja, wir müssen das Elternsein immer noch lernen. Für dieses Jahr haben wir mit den Kindern ausgemacht, dass wir uns zusammen hinsetzen und jedes Kind abwechselnd ein Geschenk aufmacht. Die anderen schauen zu und warten bis sie wieder an der Reihe sind. Mit drei kleinen Kindern ist es manchmal nicht so leicht, eine Situation vorherzusehen bzw. nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Manchmal stehst Du perplex da, weil Du gar nicht vorhersehen konntest, was gleich abgeht – wir zumindest nicht.

Jedenfalls haben wir dieses Jahr mal alle Weichen gestellt, dass das ein richtig toller Abend wird. Zum Essen gibt es traditionell Würstel mit Kartoffelsalat. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Kinder absolut kein Interesse an Essen haben. Sie haben ohnehin nur Augen für ihre Geschenke. Also was schnelles und praktisches. Bloß kein zusätzlicher Stress.

 

Weihnachten in echt

Weihnachten in echt

Aus einigen total misslungenen Weihnachtsfeiertagen haben wir als Familie schon gelernt, das Weihnachten in echt ein tolles Fest sein kann. Das wichtigste ist, sich seine Gelassenheit zu bewahren. Nichts muss, alles kann. Zwang ist schädlich für ein Fest der Liebe. Dieses Jahr sind wir schon richtig gut darin geworden, den Festtagsstress zu umgehen. Den Braten essen wir am 1. Weihnachtsfeiertag bei der Oma, da schmeckt es herrlich.

Den Heiligabend verbringen wir für uns alleine. Das hat sich bewährt, da die Kinder ohnehin schon so aufgeregt sind. Da ist der Besuch bei den lieben Verwandten am nächsten Tag besser für sie getrennt zu verarbeiten.

Eine Neuerung gab es dieses Jahr, die uns allen sehr gut getan hat. Wir sind am letzten Wochenende vor Weihnachten einfach in Kurzurlaub gefahren. Das hat uns alle entspannt. Mit dem Konsumtrubel sind wir schlichtweg nicht in Berührung gekommen. Da Weihnachten in echt ein Fest der Liebe ist, sollten sich auch alle gut vertragen. Das geht am besten ohne Stress.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen stressfreie Weihnachten in echt! Feiert ein herrliches schönes Fest, lasst es Euch gut gehen und seid glücklich! Was mir an Weihnachten in echt gefällt, ist die Freude der Kinder und weil wir alle beieinander sein können!

Alles Liebe, Eure Verena

Mit dem Text „Weihnachten in echt“ nehme ich an der Blogparade der lieben Mom’s favorites and more teil.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.