Autark durch Selbstversorgung: Wie wir leben könnten

Autark durch Selbstversorgung
(c) Daniel Zangerl

Autark durch Selbstversorgung – wie gelingt das? Autarkie, ein Wort, das schnell Bilder eines einsamen Hofes fern jeglicher Zivilisation im Kopf entstehen lässt. Damit hat ein Leben autark  durch Selbstversorgung aber nicht unbedingt etwas zu tun.
Sich ein Stück weit unabhängiger zu machen, hat viel mehr mit vernetztem Denken zu tun. Damit, anzuerkennen, dass wir als Menschen mittendrin in Kreisläufen stecken. Seien es jene der Natur, der Beziehungen oder der Versorgung. Autarkie ist Unabhängigkeit von vielem, das unnötig und konsumorientiert ist. Sie bedeutet aber auch Gemeinschaft. Zwei Dinge, die in Zeiten von Klimawandel, Ressourcenverschwendung, Ausbeutung und Systemzwängen immer wichtiger werden.

Autark durch Selbstversorgung

Autark wohnen, Unabhängigkeit spüren, Gemeinschaft entdecken

Mit ihrem Buch “Wie wir leben könnten” möchte Theresa Mai zeigen, dass sich Autarkie Schritt für Schritt und mit kleinen Modellen indas Leben integrieren lässt. Träumst Du vielleicht von einer eigenen Solaranlage auf dem Dach? Oder liebst Du das Gärtnern? Gemüse ausschließlich aus dem eigenen Garten zu beziehen, erfordert viel Arbeit. Du kannst stolz auf Dich sein, wenn dir das auch nur im Sommer gelingt! Was gibt es noch für Möglichkeiten und wie beginnen? Diese Fragen beantwortet uns Theresa Mai ausführlich in einem zweteiligen Interview. Du bestimmts, wie autark es bei Dir werden könnte und wie Deine nächste persönliche, nachhaltige und zukunftsorientierte Veränderung aussieht.

Theresa Mai ist die Chefin von Wohnwagon und baut TinyHouses auf Rädern aus natürlichen und regionalen Baustoffen. Damit ist ein völlig autarker und zukunftsfähiger Lebensstil – auf kleinstemRaum – möglich. Mit dem Umzug einer ganzen Werkstatt und des gesamten Mitarbeiter-Teams in das verschlafene
Dorf Gutenstein hat sie die kleine Gemeinde auf den Kopf gestellt. Oder sollte man besser sagen, wach gerüttelt?

Und sie zeigt täglich, dass Autarkie so vielmehr ist, als ihr Ruf verrät: nämlich Gemeinschaft, Veränderung und ganz viel Freude.

Wie lange lebt ihr schon autark durch Selbstversorgung?

Mit dem Thema Autarkie beschäftige ich mich seit mittlerweile 9 Jahren intensiv, aber im Grunde begleitet mich der Wunsch nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit schon mein Leben lang. Mich interessiert daran nicht die reine Selbstversorgung mit Lebensmitteln sondern wie die einzelnen Bereiche verknüpft sind: Eigene Stromproduktion und Wasserreinigung, Ernährung und Gemüseanbau, Handwerk und Gemeinschaft – ich habe Stück für Stück begonnen Lösungen zu suchen und sie miteinander zu verknüpfen, Kreisläufe zu schließen. Ich würde aber auch heute noch nicht sagen, dass ich komplett als Selbstversorger lebe, Autarkie ist immer ein Prozess, es macht einfach Spaß sich auf den Weg zu machen und Stück für Stück zu entdecken, was möglich ist!

Zu wie vielen Prozent seid ihr schon autark durch Selbstversorgung?

Das ist schwer zu definieren, vielleicht kann man es am ehesten anhand von einem Tag in Gutenstein beschreiben! Ich gehe zu Fuß in die Arbeit, in mein eigenes Unternehmen (natürlich auch eine Form der Selbstversorgung), mittags gibt es ein selbst gekochtes Essen, das bei uns immer ein 2er-Kochteam mit dem frischen Gemüse vom Feld zaubert, Erich unser Gemüsebauer ist Teil der Dorfschmiede Genossenschaft, die wir gegründet haben, um lebendige Verbindungen im Dorf zu unterstützen, wirtschaftlich und sozial. Nach Feierabend stecke ich gern die Finger in die Erde und pflege mein Gemüsebeet, das allerdings nur zu einem kleinen Teil zu meiner Gemüseversorgung beiträgt. Mit meinem Mann mach ich mich dann für’s Abendessen gerne auf Wildkräuter-Jagd in der Natur, setze mit unserer Genossenschaft neue Projekte um oder treffe mich mit andern aus dem Dorf zum Sport oder zum Yoga.

Autark durch Selbstversorgung

(c) Daniel Zangerl

Welcher Bereich der Autarkie fällt Euch dabei am schwersten?

Im Moment wohne ich noch in einer Mietwohnung, was ich in den nächsten Jahren gerne ändern möchte, darum ist aktuell die eigene Stromversorgung und Wasserreinigung noch nicht möglich, was ich aber gerne in den nächsten Jahren schaffen möchte. Außerdem beschäftigen wir uns gerade mit Fermentation und Einlegen von Gemüse und pflanzen gemeinsam mit der Gemeinde Obstbäume, damit man noch mehr einkochen kann und mit der Ernte besser übers Jahr kommt, das ist teilweise aktuell noch nicht möglich.

Was ratet ihr Menschen, die autark durch Selbstversorgung werden wollen?

Ich möchte immer dazu ermutigen, in einem Bereich zu starten, der dich interessiert. Wo glitzert’s? Was findest du spannend? Sind es eher die Möglichkeiten der modernen Technik, den eigenen Strom zu erzeugen oder findest du eher das Thema Ernährung interessant und möchtest du mit einem selbst gekochten Mittagessen starten? Bei uns hat der Mittagstisch ganz klein begonnen, mit zwei Menschen, die sich mittags etwas Frisches kochen wollten. Mittlerweile sind über 16.000 Mittagessen auf diese Art serviert worden, kleine Ideen können ganz schön weite Kreise ziehen! Was schön ist: Ein Autarkie-Thema führt zum Nächsten, von der Ernährung kommt man zum Gemüsebau, zur eigenen Bio-Toilette für die Produktion von Dünger, zum Gartenwerkzeug und zum Thema Reparatur und Handwerk. Plötzlich findet man vielleicht technische Themen interessant, mit denen man vorher keine Berührungspunkte hat, weil es jetzt was mit dem eigenen Leben zu tun hat! Verknüpft damit sind meist auch wirtschaftliche Fragen, das Thema finde ich auch besonders spannend, hier regionale Kreisläufe zu schaffen, gemeinschaftliche Finanzierung zu ermöglichen usw.

Was wünscht ihr Euch von der Politik in Sachen Selbstversorgung?

Mehr Vielfalt und mehr Miteinander! Wir stehen politisch vor großen Herausforderungen und dabei ist die vielbesprochene Gesundheitskrise in Wirklichkeit ein Pappenstiel. Ich fände es wichtig, eine neue Kultur des Miteinanders in der Politik zu etablieren, gemeinsame Lösungen zu finden und mutige Schritte zu gehen anstatt sich in parteipolitischem Gerangel von Skandal zu Skandal zu kämpfen und dabei das aus den Augen zu verlieren, was eigentlich wichtig ist. Das geht nur gemeinsam und nicht mit Spaltung in verschiedene Lager, die sich gegenseitig nicht ernst nehmen. Wir müssen wieder neugierig aufeinander werden, auf die Welt in der unser Gegenüber lebt, nur dann können wir Schnittmengen finden und gemeinsam nach vorn schauen.

Morgen öffnet sich das nächste Türchen vom Karmakalender aka Klimakalender mit Teil 2 des Interviews zum Thema autark durch Selbstversorgung.

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