Tischmanieren spielerisch lernen: Alles halb so wild!

Urlaub mit Kindern in Wien: Tischmanieren spielerisch lernen

Wie  es den lieben Kleinen gelingt, Tischmanieren spielerisch lernen zu wollen? Ja, das ganze Thema ist eine Frage des guten Willens: Es ist ein Teufelskreis für Eltern dauernd, du darfst das nicht und tu das nicht zu rufen. Einmal damit begonnen, gerät die Essenszeit leicht zur Projektionsfläche fürs Grenzen austesten, für Wutanfälle und Trotzeinheiten.

Die schöne Blogparade von Chrissy, Bloggerin auf Sonnenshyn zum Thema Tischmanieren ist genau mein Thema: Bleiben wir ienmal beim guten Willen aller Beteiligten, beim Wollen, ja beim Wunsch Tischmanieren spielerisch lernen zu können.

 

Kleinkinder probieren sich aus

Es besteht ein großer Unterschied zwischen Babys, Klein- und Kindergartenkindern sowie Schulkindern. Während die „Großen“ ziemlich genau wissen, wie die Benimmregeln bei Tischlauten, sind die Kleinen oft so mit dem Essen beschäftigt, dass ihnen es kein Mensch ernsthaft krumm nehmen kann, wenn die Tomatensauce sich mal wieder gründlich über Tisch, Wand und Co. verteilt hat.

Oft ganz allein zuhause mit meinen 3 Kindern unter zwei Jahren musste ich mich da ohnehin in Gelassenheit üben. Wenn die Zwillinge endlich mal in ihren Hochstühlen saßen, aus denen sie nicht rausfallen konnten, nutzte ich diese kostbaren Minuten, wenn sie sich interessiert mit ihren gefüllten Schüsselchen auseinandersetzten, um endlich einmal in Ruhe ins Bad gehen zu können – oder einfach nur kurz aufs Klo.

Zurück in der Küche erwarteten mich fröhlich schmatzende Kinder, rot von Sauce strahlend und gerade im Begriff die Schwerkraft mit den restlichen Nudeln in der Schüssel auszutesten. (Ich hätte da tolle Bilder, aber das würden meine Kinder sicher blöde finden und einer Veröffentlichung nicht zustimmen – diese Fotos sind unter Verschluss.)

Abwaschbare Wände, Hochdruckreiniger und jede Menge Lätzchen und Klamotten halfen mir durch diese Wahnsinnszeit. Doch ganz ehrlich: Selbst wenn ich einen Betreuer pro Kind gehabt hätte, der ihnen dauernd gesagt hätte, nicht die Wurst ohne Brot zu essen, nicht mit dem Löffel in den Spinat zu hauen (spritzt doch so schön) – was hätte das schon gebracht im Alter bis zu zwei Jahren?

Die Kinder probieren sich einfach aus, genießen die für sie neue Erfahrung des alleine Essens. Die Tischmanieren spielerisch lernen, das kommt später.

 

Tischmanieren spielerisch lernen ab 2 Jahren?

Das würde ich jetzt mal so grob schätzen als Alter, ab dem es sinnvoll ist, den Kindern gewisse Dinge nahe zu legen. Die Regeln in der Familie müssen dabei gar nicht immer mit Verboten in Verbindung gebracht werden. Viel besser funktioniert es, die Familienregeln als etwas Gutes und Notwendiges ins Gespräch zu bringen.

Wir haben in der Kleinkind- und Kindergartenzeit des Öfteren schöne, bunte Bilder mit unseren Regeln gemalt. Die Kinder durften malen, was ihnen einfiel. Dann haben wir zusammen weitere Regeln gesucht. Dazu gehörten etwa auf dem Stuhl sitzen statt auf dem Tisch. Das Essen der anderen Teilnehmer in Ruhe lassen sowie Hände waschen vor dem Essen.

Von klein auf haben unsere drei gerne mitgeholfen beim Kochen, Tisch decken und Abräumen. Doch ich muss sagen, die Lust am Mithelfen schwankt und nimmt phasenweise stark ab.

Was da gut funktioniert bei uns: Die Kinder machen gerne ganz alleine Frühstück. Dann darf der Große (8 Jahre) mittlerweile auch Kaffee kochen mit der Mokka und für alle Rührei oder Spiegelei zubereiten. Es gefällt ihnen eben alles, was sie normalerweise nicht machen. Sie dürfen auch alles herrichten außer dem Brot: Ich habe oft eindringlich mit ihnen geredet und ihnen anhand der abgeschnittenen Fingerkuppe eines meiner Brüder sehr ernst verdeutlicht, dass sie davon die Finger lassen müssen.

Tischmanieren spielerisch lernen funktioniert wirklich durch Ausprobieren: Ein von den Kindern eigenhändig schön angerichteter Frühstückstisch vollbringt viel mehr als wenn ich ihnen sage, an welche Stelle welches Besteck gelegt werden muss.

 Zuhause ist es am schönsten: Tischmanieren spielerisch lernen

Wir spielen Hotel, Restaurant und feine Dame!

Genauso verhielt es sich bei uns auch mit dem Benutzen von Besteck. Ich habe aus meiner Kinderzeit noch diverse Kinderbestecke aus Metall – Plastikmesser und Gabeln haben wir nie gebraucht. Diese Bestecke haben sie schon mit einem Jahr benutzt – sie sind ohnehin so stumpf, dass sie nur weiche Lebensmittel schneiden konnten.

Sehr gerne haben unsere Kinder auch alles nachgespielt, was sie so am Familientisch und in der Küche erlebten. Wie oft haben sie uns nicht schöne Menüs in ihrer Holzküche gekocht. Das lustigste Essen gab es, nachdem ich einmal ein Bio-Hendl im Backofen über eine Stunde gebraten habe. Nach kräftigem „Ofenfernsehen“ und dem beeindruckenden Festmahl, dass es bei uns etwa einmal im Jahr gibt, da wir sonst eher mit der schnellen Küche vorlieb nehmen, haben die damals Zwei- und Dreijährigen kurzerhand kleine Kuscheltier-Enten in ihre Spiel-Pfannen gehauen und für mich gebrutzelt.

Wenn es mal wieder gar nicht klappt mit den Tischmanieren, spielen wir bis heute gerne Kinderhotel. In einem feinen Ambiente benehmen sich unsere Kinder nämlich 1 A. Das heißt für mich sie schreien nicht herum und streiten nicht. Außerdem spucken sie kein Essen zurück auf den Teller, das ihnen nicht schmeckt und laden sich am Buffet den Teller nicht mehr voll mit Dingen, die sie niemals schaffen würden.

All das haben sie mit viel Ausprobieren und falsch machen gelernt, worauf ich sehr stolz bin. Mittlerweile benützen sie auch die Stoffserviette – ganz von allein finden sie es mit jetzt fast sieben und acht Jahren plötzlich toll, sich erwachsen am Tisch zu benehmen. Das mit den Ellbogen haben wir ihnen im letzten feinen Restaurant auch erklärt, und sie haben es ausprobiert und zur Kenntnis genommen. Mehr ist momentan nicht wichtig.

 

Keine Verschwendung von Lebensmitteln

Da ist mir die Buffetregel wichtiger, denn ich bin gegen Essenverschwendung. Das war ein Wort, das meine Kinder früh gelernt haben. Ich finde es einfach blöd, wenn Obst und Gemüse sinnlos angestochen, Brezeln ausgehöhlt und herumgebröselt werden. Es brauchen keine Essensstücke beim Nachbarn im Saft schwimmen und sich jedes Mal zuviel eingegossen werden, das ich dann eh bloß weg schütte. Schließlich hören die Eltern nach den ersten Monaten oder Jahren irgendwann aus Selbstschutz damit auf, die Essensreste ihrer Kinder zu ihrer Mahlzeit zu machen – sollten sie zumindest.

Bei diesem Gebot handelt es sich eigentlich nicht darum, Tischmanieren spielerisch lernen zu können. Zum Glück leuchtet diese Regel Vernunft begabten Kindern früher oder später von selbst ein. Und dazu muss kein Elter die armen, hungernden Kinder in Afrika herbei bemühen. Ich habe dies am Anfang meiner Zeit als Mama mal getan und wurde prompt vom schlauen Kind widerlegt: Was nützt es dem Armen Kind am anderen Ende der Welt, wenn ich die Tomaten mit der Gabel NICHT einsteche? Die kriegt es trotzdem nicht. Stimmt. Da ist es doch viel logischer vorzumachen, dass die beschädigten Tomaten, jetzt alle gleich im Bauch der Mama landen, da sie am nächsten Tag kaputt sind. Geht natürlich nur, wenn tags darauf nicht schon wieder neue leckere Früchte am Tisch stehen und das Thema nochmal zur Sprache kommt.

Familienessen ist bedürfnisorientiert

Ich habe viele Fehlversuche bei meinen Erklärungsversuchen hinter mir. Manchmal habe ich entnervt gedacht, das kriege ich nicht hin, die wollen keine Tischmanieren spielerisch lernen. Doch wie gesagt, die Kinder erfreuen uns außer Haus zurzeit mit tollem Benehmen. Vielleicht wird es auch zuhause immer toller! Wir warten noch… Bis dahin müssen wir noch ein wenig an der Harmonie des Familienessens üben.

Bei uns verwickeln sich die Kinder nämlich oft in Streits oder ärgern sich einfach gerne gegenseitig. Ist das auch ein Bedürfnis? Oft gelingt es sie davon abzulenken, indem einer der Erwachsenen eine spannende Geschichte erzählt oder Fragen zum Alltag in der Schule stellt. Aber eben nicht immer. Manchmal ist es so laut, dass ich am liebsten den Raum verlassen möchte. Das sage ich dann auch und das gelingt mir nicht immer nett. Doch ich finde es wichtig, auch meine Bedürfnisse zu artikulieren.

Bei uns dürfen die Kinder aufstehen, wenn sie fertig sind. Das kommt aus der frühen Zeit meiner Überforderung mit drei so kleinen Kindern. Da war ich froh, sobald einer oder zwei schon mal spielen gingen oder zu malen begonnen. Spielzeug, Lesen und Handy ist bei uns am Tisch aber nicht erlaubt.

Die Klammer ist der gemeinsame Nachtisch der Kinder. Eine Süßigkeit dürfen sie sich aber erst aussuchen sobald alle in Ruhe aufgegessen haben. Da ein Kind viel länger braucht als die anderen, wollen wir dieses nicht hetzen. Früher habe ich versucht sie zur Eile anzutreiben oder auch mal geschimpft, dass das Kind zu viel trödelt. Ist aber nicht so. Isst einfach langsamer. Ich bleibe daher sitzen oder räume schon mal was auf.

Hier habe ich übrigens schon mal darüber gebloggt wie aus dem Essen kein Machtkampf wird.

Wir üben weiter. Alles Liebe, Verena

 

 

 

 

2 Comments

  • Sonnenshyn sagt:

    Ganz herzlichen Dank für deinen Beitrag.
    Ich finde mich in vielen Dingen wieder.

    Mein Großer lässt dich zum Beispiel auch manchmal Zeit beim Essen. Dann fange ich schon an zu spülen (wir essen in der Küche). Meistens singe ich dann noch nebenbei. Dann ist auch das Baby erfreut. 🙂

    Es hört sich jedenfalls entspannt bei euch an!

    Sonnige Grüße.

    • Verena sagt:

      Liebe Chrissy, mal mehr mal weniger entspannt! Ich glaube das üben hört nie auf und die Einfälle der Kinder auch nicht – mal mehr mal weniger lustig. Humor ist glaube ich auch ganz wichtig! Liebe Grüße zurück.

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