Nachhaltig leben in München – trotz Ausgangssperre

Nachhaltig leben in München
(c) Lastibike

Nachhaltig leben in München – Buchrezension – Mein grünes München

Nachhaltig leben in München, darum geht es in dem neu im Oekom Verlag erschienen Buch meiner lieben Bloggerkollegin Alex. Dieser Cityguide bringt Euch nahe, was es in der bayrischen Hauptstadt und Umland für Möglichkeiten gibt, den Alltag nachhaltiger zu gestalten. Natürlich haben viele der kleinen nachhaltigen Läden und Fashion Labels gerade geschlossen – die Münchner Biergärten, Cafés und Restaurants ebenfalls  . Doch es gibt einige, die einen Lieferservice offen halten oder online ihre Produkte verkaufen. Dazu findet ihr detaillierte Informationen bei Alex auf ihrem Blog Livelifegreen.

 

Nachhaltige leben in München: Gastronomie und Lieferdienste

(c) Susann Rockstroh

Einige der Institutionen, die Alex in ihren Cityguide aufgenommen hat, gab es bereits zu meinen München-Zeiten – so das Café Ignaz – vegane und vegetarische Kuchen und Gerichte seit über 30 Jahren (1) – in der Georgenstraße in Schwabing oder das Eine-Welt-Haus in der Schwanthalerstraße mit wahrlich fairen Preisen und Eine-Welt-Laden. Hier steht übrigens einer der Münchner Foodsharing-Fairteiler.

Auch zum Burger holen müsst ihr ihn Minga keineswegs zu den Schnellfressketten. Es gibt einige individuelle Burger-Lokale in der Stadt, die auf Slow Food und nachhaltiges Fleisch aus artgerechter Tieraufzucht setzen. Dazu gehört das Holy Burger in Haidhausen (Mamirocks berichtete 2015). Das Lokal betreibt einen Lieferservice und einen Onlineshop.

Die Biergärten sind per se eine nachhaltige bayrische Institution – gerade für alle die, die sich die stolzen Münchner Restaurantpreise – leider absolut nicht geeignet für fünf- oder mehrköpfige Familien mit mittlerem Einkommen – nicht oder nicht mehr leisten können. Die unglaublichen Preise für Mieten, aber auch die Lebenshaltung waren einer der Gründe, warum wir vor über zehn Jahren der Stadt den Rücken gekehrt haben. Ich bin dort geboren und mit der Stadt verbindet mich seit meiner Kindheit vieles. Seit ich wieder Abstand gewonnen habe und nicht mehr da lebe, überwiegt die Münchenliebe allerdings wieder mehr.

Zeitweise war mir die angesichts der schnieken Stadt, in der es für mich leider nur allzuoft den Anschein hatte, das jedes Unkraut, jede Brache und damit auch jede ungehorsame, ungeplant und unkontrolliert sich ausbreitende Subkultur schon im Keim erstickt wurde. Alles wirkte hübschu nd geschniegelt, reich und völlig durchgeplant. Doch wer sucht der findet – auch in München haben die alternativen Oasen fernab des Mainstreams die 90er und 00er Jahre überlebt.

 

Solidarische Subkultur München

Die Stadt hat sich seit den etwas drögen 00er Jahren meiner Meinung nach auch wieder sehr positiv entwickelt in Sachen Individualität und Subkultur. Viele Oasen und initiativen sind neu dazu gekommen, worüber euch Alex Cityguide einen guten Überblick verschafft.

Ich möchte hier drei Tipps anfügen, die fernab des hippen Szene-München seit Jahrzehnten ihren wertvollen basisdemokratischen Beitrag für den Erhalt Münchner Subkultur leisten: Das Feierwerk in der Hansastraße (Westpark) bietet nicht nur Konzerte und Kultur. Es gibt Veranstaltungen für die ganze Familie bis hin zu Kreativworkshops und einer Volxküche mit veganem und vegetarischem Bio-Abendessen für 3,50 Euro bei Reggae-Vibes im Sunny Red jeden Dienstag.

Auch das Import Export an der Dachauerstraße (Ecke Schwere Reiter) mit seiner wechselhaften Geschichte ist so ein Ort. Hier gibt es den vegan vegetarischen Mittagstisch jetzt To Go zum Bestellen. schen, Arbeiten, Nachmittagskaffee oder einer Partie Tischtennis treffen. Das Import Export, ein Space für Kultur, Treffen, Musik, Einfach dableiben, Tischtennis spielen und mehr, erhofft sich, mit dem internationalen Mittagstisch Menschen verschiedener Hintergründe über soziokulinarische Brücken in Austausch zu bringen. Je nach Möglichkeit kann für den Mittagstisch zwischen 6,50€ und 9,00€ bezahlt werden. Übrigens: Der Kaffee dort ist vom Kaffeekollektiv Libertad.

Das Cafe Marat im ehemaligen Tröpferlbad an der Sendlingerstraße bietet veganes und vegetarisches Essen, Flohmärkte, Vortrags- und Diskussionsabende sowie Musik. Da es natürlich gerade ebenfalls geschlossen ist, kann man sich hier auch online über Projekte und Politisches informieren, z.B. über die Supportstruktur Solidarische Nachbarschaft München, die Unterstützung für von Corona Betroffenen und Risikopatient*innen leistet! Mittlerweile gibt es um die 20 Stadtteil- und Ortsgruppen, die sich über Telegram vernetzen. Ihr könnt in die jeweilige Stadtteilgruppe eintreten, um Unterstützungsgesuche und -angebote auszutauschen. Außerdem könnt ihr euch in verschiedenen Gruppen zu Arbeit und Krise, solidarischen Betrieben oder rechtlichen Fragen besprechen. Wie das mit dem solidarischen Support funktioniert, ohne zur Verbreitung von CoViD 19 beizutragen erfahrt ihr auf: solidarischesmuc.noblogs.org

 

Biergärten und Picknick mit selbst mitgebrachten Speisen

Ich liebe diese Münchner Institution: Im Biergarten kommen Freunde und Familien zusammen, packen ihre Tischdecke aus und die zuhause zubereiteten, traditionellen Biergartenspeisen wie Obatzda, Radieschen fein geschnitten mit Salz oder Radi (Rettich), Käseplatte, Brot und Brezn und Salate. Alle Speisen dürfen traditionell mit gebracht werden – nur die Getränke muss man beim Wirt bestellen. Diese Tradition ist ein tolles Beispiel, das nachhaltig Leben in München für alle ermöglicht.

Mit dem Abstand halten muss man noch ein bisschen üben, aber auch da bin ich mir sicher, gibt es Lösungen. Nur noch ein wenig Geduld, dann heißt es wieder entspannen unter schattigen Kastanien. Das geht bis in den Oktober hinein bei warmer Herbstsonne. Hier habe ich Euch einmal meine liebsten Biergärten für Familien in München aufgeschrieben, wo ihr garantiert Brotzeit mitbringen könnt. Aufpassen müsst ihr lediglich bei den eingedeckten Tischen in Bedienung – an diesen gilt die Regel nicht.

Bis die Biergärten und die Gastronomen wieder aufsperren dürfen, gibt es auch so manches ruhige Plätzchen im Grünen in München. Wie Alex im Cityguide beschreibt, mag sie etwa den Westpark oder den Rosengarten an der Isar, nahe dem sehr bekannten Flaucher. Noch ein Stück hinter dem Rosengarten gibt es einen kleinen, wenig bekannten Bach zum Plantschen für kleine Kinder.

 

Wilde Natur in der Stadt

Ein wenig flussaufwärts folgt ein zu den Gärtnereien der Stadt München gehörender Teil mit Trimmdichpfad, der ebenfalls weniger besucht ist, als der Flaucher. Das ist das Isarufer-Stück, an dem alle grillen und brutzeln. So sehr, dass an schönen Tagen die umliegenden Viertel stark unter Bratwurst- und Grilldunst leiden. Eine meiner bleibenden Erinnerungen aus meiner Studentenzeit in München.

Da ist es sicher auch eine gute Idee an der Isar entlang zu radeln und sich weiter draußen ein weniger überfülltes Fleckchen zu suchen. Das geht sowohl gut flußaufwärts am Tierpark vorbeiaus der Stadt, weiter durch Grünwald, immer Richtung Wolfratshausen.

Auch die andere Richtung flussabwärts, in nördlicher Richtung bietet wunderschöne Ecken für ein Picknick. Der Englische Garten ist ein riesiger Park mit zum Teil sehr wilden Ecken, die sich bishin an die Isar ziehen. Hier wird das Ufer plötzlich steil und waldig. Es gibt sehr einsame Ecken und wunderschöne Stellen für einen Imbiss im Grünen.

Räder kan man sich in München auch ausleihen – ebenso Lastenräder wie oben im Bild zu sehen. München ist im Übrigen eine sehr fahrradfreundliche Stadt und hat ein hervorragend ausgebautes Radwege-Netz. Viele Wege führen durch Parks, Schrebergärten und grüne Ecken. Diese grüne Lunge zieht sich durch die ganze Stadt.

 

Grüne Lebensmittel in München

Im Cityguide „Unser grünes München“ könnt ihr euch über nachhaltig leben in München umfassend informieren. Auch was Einkaufsmöglichkeiten und Gemüse-Abos betrifft. Neben der Amper-Biokiste gibt es – je nach Stadtteil verschiedene Bestellmöglichkeiten mehr.

Interessant ist auch das Kartoffelkombinat. Ich habe schon in Valentin Thurns Genial Lokal über solidarische Landwirtschaft gelesen und wie diese funktioniert.

In Kurzfassung: Hierbei wird man Mitglied und die Bauern, z.B. das Kartoffelkombinat, wirtschaftet mit den Mitgliedsbeiträgen mit einem Plus an Planungssicherheit. Je nach dem wie die Erträge ausfallen, bekommt dann jedes Mitglied seinen wöchentlichen Anteil an der Ernte. Ärmere und Alleinerziehende zahlen einen geringeren Beitrag.

Nachhaltige Landwirtschaft und artgerechte Tieraufzucht betreiben auch die Hermanndorfer Betriebe bei Glonn. Die Fleisch- und Wurstwaren werden in München verkauft. Man kann da aber auch mal rausfahren und sich so einen Betrieb anschauen.

Interview mit der Nachhaltigkeitsexpertin

Zu guter letzt habe ich hier noch ein paar persönliche Tipps von der Autorin Alexandra Achenbach. Hier verrät sie Euch im Interview, was ihre Lieblingsecken in München sind und wie sie das so macht mit dem nachhaltig leben in München.

Was ist Dein liebstes grünes Cafe/Restaurant in München?

Mein perönlicher Favorit ist Siggis und Tujitas Teehaus. Und im Sommer auch noch das Milchhäusl am Englischen Garten.

Was ist der für Dich grünste Stadtteil München?

Hhhmm, schwierig. Gemessen an der Auswahl grüner Läden schneidet das Glockenbachviertel sicherlich ziemlich gut ab. Und durch die Isarnähe und den alten Südfriedhof ist es auch noch im wahrsten Sinne grün.

(c) Helena Heilig

Was empfiehlst Du Leuten mit wenig Geld, wenn sie in München grün leben wollen? Denn viele der genannten Bio-Läden, Restaurants und Labels sind leider eher im höherpreisigen Segment angesiedelt.

Das empfinde ich nicht so. Beim Schreiben des Buches war es mir sogar besonders wichtig Lösungen für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel anzubieten. Deshalb finden sich in jedem Kapitel auch zahlreiche kostenlose oder Low-Budget Ideen, so wie Foodsharing Fairteiler zum Lebensmittelretten, Wochenmärkte, Secondhandläden, Gebrauchtwarenhäuser und gemeinnützige Restaurantprojekte wie das Bellevue di Monaco oder das Über den Tellerrand.

Ansonsten ist mir der Tipp „Weniger ist mehr“ grundsätzlich am wichtigsten. Egal, wie hoch unser Einkommen ist, wir sollten weniger und bewusster kaufen. Das gilt für Konsumartikel genau so wie für Lebensnotwendiges, denn auch beim Essen lässt sich durch weniger Fleisch und tierische Produkte, und durch saisonale Lebensmittel viel erreichen. Fürs Klima und den Geldbeutel.

Was ist dein Geheimtipp für einen Ausflug mit Kindern ins Grüne ohne die Stadtgrenzen zu verlassen?

Ich liebe all die Urban Gardening Projekte in der Stadt und die sind vor allem mit Kindern immer einen Ausflug wert.

 

 

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