Umweltbewusst im Urlaub mit Zero Waste Hotels

Umweltbewusst im Urlaub mit eigenem Gemüseanbau und Zero Waste Hotels
(c) Zero-Waste-Hotel Concapark, Sorrento

Umweltbewusst im Urlaub ist gar nicht so einfach – wie ich in unseren Ferien in Mittelitalien dieses Jahr wieder einmal gemerkt habe. Zuhause hat man Glasflaschen – im Urlaubsland ist man plötzlich von Plastikflaschen umgeben. Was tun, wenn der Kellner die Soft-Drinks für die Kinder in Plastikflaschen auf den Tisch stellt, das Wasser ebenso? Nichts trinken? Nur Wein trinken? Zum Glück gibt es für unsere Kinder schon aus Zuckergründen nicht so oft Limonaden und Co. – denn bei denen ist es mit dem Plastik am schlimmsten.

Umweltbewusst im Urlaub mit Zero Waste Hotels

Concapark in Sorrento – Rifiuti Zero Hotel

(Dies ist eine unabhängige, journalistische Recherche zum Thema Nachhaltig reisen und Umweltbewusst im Urlaub leben und enthält „unbezahlte Werbung“, weil ich diee Hotels aufgrund ihres Vorbildcharakters in Sachen Zero Waste vorstelle).

 

Umweltbewusst im Urlaub mit Zero Waste Hotels

Nachhaltig reisen ist oft ein hehrer Wunsch

Beunruhigend sich vorzustellen, dass jeder einzelne EU-Bürger im Jahresdurchschnitt etwa 500 Kilo Abfälle hinterlässt. Berichte aus Urlaubsländern, die im Müll der Touristen förmlich ersticken, häufen sich – es ist höchste Zeit umzudenken! Um umweltbewusst im Urlaub zu leben, helfen am allerbesten die Hotels und Gastgeber, die ihre Umgebung vor Müll schützen und für Naturschutz sensibilisieren.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind in den Schlagzeilen – ob Verbote von Einwegplastik, Pestizide und das Insektensterben oder Demonstrationen für den Klimawandel. Immer mehr Menschen möchten etwas ändern und umweltbewusst im Urlaub leben; auch die Folgen, die der Tourismus auf das Reiseland hat, treten immer deutlicher zutage. Der Verzicht auf Plastik ist ein wichtiger Punkt, denn die Verschmutzung der Meere und der Natur ist mittlerweile in großem Ausmaß sichtbar.

 

Ziele der internationalen Zero-Waste-Bewegung sind der Boykott der zum Großteil unnötigen, weltweiten Müll-Überproduktion und ein Leben ganz ohne Müll. Das ist für viele von uns ein weiter Weg, aber es lohnt sich, kleine Schritte in die richtige Richtung gehen. Diese bedeuten oft nur kleine Einschnitte in die eigene Komfortzone. Aller Anfang beginnt mit dem Erkennen, wie groß das Müllproblem eigentlich ist und was jeder für sich tun kann.

Nicht nur müssen Plastikprodukte drastisch reduziert, sondern auch bereits vorhandenes Plastik korrekt entsorgt oder wiederverwertet werden. Australien sparte innerhalb von drei Monaten, nachdem die beiden größten Supermarktketten Plastiktüten verbannt hatten, geschätzt 1,5 Milliarden Tüten ein. In Deutschland ist die Zahl der verwendeten Tüten zwar gesunken, bei Lebensmitteln (insbesondere Obst und Gemüse) steigt der Einsatz von Plastikverpackungen jedoch weiter. Bis Industrie und Politik aufwachen, liegt es beim Verbraucher, sich möglichst oft für die verpackungsfreie Variante zu entscheiden. Aber bei weitem nicht jeder hat die Zeit vom Bauernmarkt zum Bioladen, vom Bäcker zum Metzger zu laufen und dann noch im neuen Unverpackt-Laden vorbeizuschauen. Obendrein benötigt man Jutesäckchen, Boxen und das nötige Kleingeld.

 

Müll und Plastik vermeiden im Urlaub

Was mit bewusstem Konsum und der im Gegensatz zu anderen Ländern in Deutschland bereits eingespielten Mülltrennung theoretisch funktionieren kann – von Umweltgefahren wie dem Mikroplastik für unsere Seen und Flüsse einmal abgesehen – sieht im Urlaub anders aus.

Dabei wäre es gerade für stark besuchte Reiseländer extrem wichtig, dass die vielen Besucher auch umweltbewusst im Urlaub leben. Die berühmte Ausnahme – im Urlaub kann man ja mal ein Auge zudrücken – gilt nicht mehr! Touristen produzieren leider ein Vielfaches des Mülls der Einheimischen. Ganz schlimm ist das etwa für sensible Ökosysteme wie Inseln.

Da zählt jeder umweltbewusste Hotelier, der sich das Zero Waste Konzept auf die Fahnen schreibt. Ein großes Problem in Urlaubsländern sind nach wie vor Plastikflaschen, in denen Trinkwasser dort standardmäßig verkauft wird. Das Zeavola Resort auf der thailändischen Insel Koh Phi Phi – vertreten von Green Pearls, auf deren Internet-Plattform ihr jede Menge grüne, umweltbewusste Hotels weltweit findet – zeigt mit einer Umkehrosmose-Anlage, dass es anders geht. Das neue Trinkwassersystem spart 95.000 Plastikflaschen pro Jahr. Dazu kommen weitere Abfüllstationen für Gäste sowie die Restaurants. Ähnliche Systeme gibt es bei den maledivischen Resorts Reethi Beach und Gili Lankanfushi sowie bei den CGH Earth Hotels in Indien.

Auch weniger nachhaltig ausgerichtete Hotelketten ziehen mit bei der Bekämpfung der Plastikflut, so Iberostar, die alle Einwegkunststoffe in den 36 spanischen Hotels durch Verpackungen aus biologisch abbaubaren Materialien ersetzen und Mariott auf Plastikstrohhalme verzichten. Auch Meliá Hotels International hat 2018 Plastik-Einwegprodukte abgeschafft. Der Reiseveranstalter Thomas Cook will bis November 70 Millionen Einweg-Plastikteile einsparen. Wikinger Reisen bietet 2019 die erste komplett plastikfreie Reise an.

 

Zero Waste im Hotel: Die siebte Ressource

Das Zero Waste-Konzept erklären die 3Rs für Reduce (reduzieren), Reuse (wiederverwenden) und Recycle (wiederverwerten). Das Bureau of International Recycling (BIR) erwähnt neben den natürlichen und begrenzten Ressourcen Wasser, Luft, Kohle, Öl, Gas und Mineralien als siebte Ressource „recycelte und wiederverwendbare Materialien“.

Hotel Stadthalle Wien

Upcycling schafft neue Verwendung für „Müll“. So entstanden in dem Wiener Drei-Sterne-Boutiquehotel Stadthalle, das erste Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz, 2014 sieben künstlerische Hotelzimmer. Geschäftsführerin Michaela Reitterer hat aus Ideen ihrer Mitarbeiter zusammen mit der Universität für angewandte Kunst und einem Innenarchitekturbüro ein Upcycling-Konzept erstellt. Während Betten, Matratzen und Sanitäreinrichtungen neu sind, verleihen unbrauchbar geglaubte Dinge den Zimmern ihren Charme: ein Regenschirm als Lampenschirm – Flaschen als Luster, Nachtkästchen aus alten Büchern oder Kleiderhaken aus Besteck.

 

Food Waste im Hotel

Es gibt Hotels und Restaurants, die gutes, übriges Essen den städtische Tafeln oder anderen gemeinnützigen Organisationen spenden. Die App To Good to Go rettet Essen vor dem Müll, indem es zu günstigen Preisen weiter verkauft wird. „Viele Firmen, aber auch Studenten aus der Nachbarschaft holen sich oft Portionen vom Frühstücksbuffet. In der Hotellerie ist das Frühstücksbuffet immer bis zum Ende aufgefüllt, da für jeden Gast die volle Auswahl vorhanden sein sollte. Wir konnten durch Too Good To Go das, was wir dadurch normalerweise am Ende wegwerfen müssten, deutlich reduzieren: Wir verkaufen inzwischen im Monat zwischen 50 und 75 Portionen”, erklärt Hotelmanager Philipp Ibrahim vom Try Mercure Hotel in Berlin.

Umweltbewusst im Urlaub mit Zero Waste Hotels

Concapark in Sorrento – Rifiuti Zero Hotel

Umweltbewusst im Urlaub dank nachhaltiger Standards und unabhängiger Siegel

Um Maßnahmen zum Umweltschutz für Gäste transparenter zu machen, gibt es Labels und unabhängige Prüforganisationen.

Die deutsche Holdinggesellschaft Green Pearls® fasst nachhaltige Hotels – z.B. die hier aus Übersee vorgestellten Resorts – Destinationen und Restaurants in einer Onlineplattform zusammen. Zu den Aufnahmekriterien gehören neben einem nachhaltigen Management eine umweltgerechte Architektur, Müllaufbereitung, Wasser und Energiesparen, Saisonalität und Regionalität in der Küche sowie soziales Engagement.

Umweltbewusst im Urlaub mit Zero Waste Hotels

Concapark in Sorrento – Rifiuti Zero Hotel

Die Norm ISO 14001 ist eine Messlatte für umweltschutzbezogene Qualitätssysteme. Die Bewertung erfolgt jährlich durch den TÜV Österreich.

Green Key und Travelife sind weltweite Öko-Label, die Hotels und Resorts für Nachhaltigkeit, ökologisches Handeln und verantwortungsvolles Wirtschaften auszeichnen. Die britische Zertifizierungsorganisation Travelife hat bereits 2004 begonnen, Hotels und Tourismus-Unternehmen zu motivieren, eine verantwortungsbewusste Rolle in ihrer Region in Bezug auf Klimawandel und Umweltschutz zu übernehmen.

Die Blaue Flagge (Blue Flag) ist ein freiwilliges Öko-Label für Strände. Es wird in 48 Ländern vergeben. Um es zu erhalten, müssen 32 Punkte von Wasserqualität bis Umwelterziehung erfüllt sein. Verliehen wird sie von der Stiftung für Umwelterziehung. Die englische Foundation for Environmental Education (FEE) ist eine 1981 gegründete NGO, mit dem Ziel, Umweltschutz durch Bildung zu stärken.

Die Zero-Waste-Hotels aus Sorrent

Zu den Zero Waste Hotels gehören 19 Hotels – die meisten im gehobenen Segment – und vier Restaurants in Sorrento und Umgebung in Süditalien. Gegründet wurde das Label 2012 von Antonino Esposito mit dem Ziel der Müllvermeidung und der Verhinderung von Luft-, Boden- oder Gewässerverschmutzung durch schädliche Emissionen. Bei dem Label gibt es momentan noch keine Standards. Jedes Hotel ist willkommen, eine schrittweise erfolgende Zero-Waste-Strategie umzusetzen.

Das Hotel Conca Park in Sorrento war das erste H     otel dieser Art und gehört daher zu den effektivsten. Begonnen hat man mit Container für Mülltrennung, die heute 95% erreicht. Plastik- und Einzelverpackungen sind komplett verbannt und die Lebensmittel am Frühstück kommen fast nur aus 0 Kilometer Entfernung. Mit den 3 Rs ist es gelungen, Abfälle um 65% zu verringern.

Umweltbewusst im Urlaub mit Zero Waste Hotels

Zero-Waste-Hotel Ribno, Slowenien

Das erste nicht-italienische Zero-Waste-Hotel liegt in einer von Sloweniens Zero-Waste-Gemeinden: Bled will bis 2025 ihre Abfälle zu 80 % trennen.

Das Drei-Sterne-Hotel Ribno sieht Zero Waste als gesellschaftliche Verpflichtung an, Lebensstil und Gewohnheiten zu ändern. Es trennt bereits 90 % seiner Abfälle und reduziert das Abfallaufkommen sowie den Wasser- und Energieverbrauch jährlich um 30 %. Dies geschieht durch das Wiederverwenden von Handtüchern und Bettwäsche, Mehrweg bei den Dosierfläschchen für Flüssigseife und Shampoo, Zucker, Marmelade, Honig und weiteren Lebensmitteln sowie dem Briefing lokaler Lieferanten.

Nahe dem Hotel befindet sich das Glamping-Resort Ribno Bled unweit des Bleder Sees. Die ebenerdig oder als Baumhäuser konzipierten acht Häuser, ausgestattet mit Bad und Außenzuber sowie einem Gemeinschaftsbereich, sind aus heimischen Holz gefertigt. Slowenische Speisen werden sowohl in Form von Frühstücks-, Mittags- oder Abendbrotkörben an die Türschwelle geliefert als auch im Hotelrestaurant serviert.

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