Öffentlich im Netz? Swiss Blog Family

Mami rocks ein Jahr online Swiss Blog Family Öffentlichkeit im Netz

So war die Swiss Blog Family:

Öffentlichkeit im Netz war das heiß diskutierte Thema der Swiss Blog Family – der ersten Schweizer Konferenz für Elternblogger.

 

Ein paar mal wurde ich auf dem Event in Basel gefragt, warum ich mich entschieden hatte zur Swiss Blog Family zu kommen. Ja, gute Frage – warum hatte ich mich für Basel entschieden und nicht für eine der immer zahlreicher werdenden deutschen Konferenzen und Treffen. Das hatte mehrere Gründe:

  1. Ich mag die Schweiz und ihre Bewohner.
  2. Ich mag MamaOTR, die mit Mama hat jetzt keine Zeit zusammen diesen Event ganz klasse organisiert und durchgeführt hat.
  3. Für mich gibt es gefühlt keine Grenzen zwischen D-A-CH
  4. Über den Tellerrand schauen war schon immer gut.
  5. Ich lasse mich gerne inspirieren, indem ich neue Leute kennen lerne.
  6. Massen-Veranstaltungen sind mir verhasst.
  7. Ich wollte schon lange mal wieder nach Zürich und nutzte gleich die Gelegenheit, um eine liebe Freundin dort zu besuchen.

DAS Thema der Swiss Blog Family

Das große Thema der Swiss blog Family war die Öffentlichkeit im Netz. Denn natürlich muss allen Bloggern klar sein, dass sie sich in einem öffentlichen Raum bewegen. Details aus dem Familienalltag werden aus ihrem privaten Kontext gehoben und in all ihrer Intimität einer digitalen Öffentlichkeit präsentiert. Anders als in einem Printmagazin handelt es sich gerade bei Elternblogs um viele kleine persönliche Details aus denen, wie mehrere Konferenzteilnehmer unter anderem Frau Krähe anmerkten, sich über die Jahre ein facettenreiches Bild einer Bloggerfamilie bilden kann.

Selbst wenn keine Fotos von Kindern und Familie gezeigt werden oder zumindest keine, auf denen Personen zu erkennen sind, lassen die Texte selbst Leserinnen und Leser auf anschauliche und sehr nahe Art und Weise am Familienleben teilhaben. Kein Wunder, dass da bei so manchem Leser der Eindruck entsteht, diese Familie sei ihr oder ihm geradezu vertraut. Diese Vertrauensebene und scheinbare Nähe entsteht ja nicht zuletzt durch die distanzlose, authentische und sehr emotionale Schreibe vieler Blogerinnen. Viele Schreiberinnen legen im Tagebuchstil gleichsam ein Zeugnis ihres Familienalltags ab. Und das kann jeder im Netz öffentlich einsehen. Das sollte kein Blogger je vergessen. Daher sollte genau hinterfragt werden: Was will ich von meiner Familie preisgeben, was will ich erzählen und was geht niemanden etwas an?

 

Tagebuch oder Quintessenz

Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag von Runzelfüsschen. Diese Bloggerin ist sehr konsequent in ihren Richtlinien zum Schutz ihrer Familie. Sie schreibt z.B. in der Regel nicht über Krankheiten, da dies sonst in einem über Jahre geführten Blog geradezu eine Chronik der Krankheiten ergeben würde. Wie ich finde, ist es durchaus lohnenswert, im Zeitalter gläserner Patienten einmal ein, zwei Gedanken für solche potentiellen Datensammlungen übrig zu haben.

Da ich selbst kein Fan von öffentlichen Tagebüchern bin, finde ich es mehr als legitim, Begebenheiten aus dem eigenen Alltag zu verfremden, wie es meiner Meinung nach nicht nur Runzelfüsschen tut. Vielen Bloggerinnen geht es weniger darum, andere am persönlichen Leben und den ersten Gehversuchen der kleinen Schatzis teilhaben zu lassen. Im persönlichen Erlebnis scheint das Allgemeingültige, die gesellschaftliche Relevanz auf. Und genau das sind die Blogs, die mich interessieren. Das müssen nicht immer hochtrabende Themen sein: Es geht um Kinder und Gesellschaft, um Vereinbarkeit, um Alleinerziehende, um die Rolle der Mutter, um Familienrollen, um Ganztagsschule, die Institution Schule, um das Loslassen der Kinder, um Medienerziehung und, und, und.

Diese Themen interessieren mich als Mutter. Ich freue mich von anderen Müttern zu lesen und Parallelen zu entdecken. Dabei ist es mir völlig schnurz, ob sich eine Begebenheit aus dem Leben anderer genau so zugetragen hat, oder ob diese zum Schutz realer Personen in einen neuen situativen Kontext gebettet wurde. Runzelfüsschen bekam die Frage aus dem Publikum, warum sie denn dann noch blogge, wenn sie gar nicht die „Wahrheit“ schreibe. Ja, in dieser Frage scheiden sich die Geister.

 

Private Erfahrungen als Politikum?

Geht es um die Chronik einer Familie, die dem Voyeurismus anteilnehmender Leser willentlich ausgesetzt wird oder geht es um die Quintessenz: die gesellschaftliche und politische Relevanz einer Begebenheit aus dem Alltag einer Familie. Wenn das Private politisch wird, gerinnt es zu einem Bild, zu einem Symbol für etwas größeres. Und dann ist es wie ich finde doch nur legitim und richtig, die realen Personen durch Verfremdung zu schützen.

Auch wenn es sich nur um eigene Erlebnisse handelt oder Mama sich einfach nur mal was von der Seele schreiben möchte: Das Internet ist ein öffentlicher Raum und es vergisst nichts. Wenn das Schreiben befreit, ist es wunderbar, eine Situation, die man so wie sie vorgefallen ist, nicht öffentlich an den Pranger stellen bzw. keine Personen öffentlich diffamieren möchte, unkenntlich zu machen.

Ich finde nicht, dass dies die Authentizität eines Blogs schmälern würde. Es handelt sich hier um den Schutz von Persönlichkeitsrechten. Welcher Leser glaubt denn wirklich, ein Blogger würde sein komplettes Familienleben im Blog abbilden. Der Blogger legt fest, über was er schreibt. Dazu passt die Idee von Tomma Rabach Blogger bei Unternehmen als Markenbotschafter vorzustellen. Denn ein Blog wird zu einer Marke, wenn er seinen eigenen Regeln folgt. Das ist für mich authentisch. Erinnert ihr Euch an die alte Verwendung des Wortes Marke? Zumindest im bayrischen Sprachgebrauch bezeichnet man Menschen, die eine markante (schon wieder, Semantik!) Persönlichkeit haben, die ein Original sind, als Marke!

 

Medienerziehung fängt bei Dir selber an

Natürlich bringt es viele Klicks, wenn ich das Bild mit den süßen Kulleraugen nehme. Baby, Blut und Busen ziehen immer, heißt es ja so schön. Trotzdem habe ich mich dank der Swiss Blog Family wieder in meinem anfänglichen Vorsatz bestätigt gesehen, keine Kinder frontal abzubilden. Ich bin hier fast durchgehend meinen Prinzipien treu geblieben. Im Großen und Ganzen halte ich mich nun seit 1,5 Jahren dran.

Was ich sehr wichtig finde, kam im Vortrag von Laurent Sedano von Pro Juventute gut zur Sprache. Es ist wichtig, den Kindern von klein auf ein Bewusstsein für die Welt des Internets zu vermitteln. Was geschieht mit den Fotos im Netz? Liebes Kind, findest Du es in 10 oder 15 Jahren immer noch cool, dass Deine Mama hier über Kinderkram bloggt? Inwieweit ist eine „Erlaubnis“ der Kinder überhaupt möglich, wenn ihnen die Tragweite einer solchen Öffentlichkeit gar nicht ersichtlich sein kann.

Wie sehr werden die Kinder schon durch das Tun ihrer Blogger-Eltern an sich manipuliert? Sie sind auch als Grundschüler noch klein und doch sowieso erst einmal von allem begeistert, was ihre Eltern begeistert. Daher ist es Pflicht und Aufgabe von Elternbloggern ihre Kinder zu schützen und gegebenenfalls Begebenheiten wegzulassen oder so weit zu verfremden, dass für die Kinder auch nach Jahren kein Schaden entsteht.

Danke an Séverine, Katharina und alle Vortragenden

Weitere tolle Vorträge zum Thema der Swiss Blog Family gab es von der Schweizer Bloggerin und Journalistin Michelle Binswanger und eine meiner allerliebsten Bloggerinnen Mama arbeitet. Ich bewundere sie sehr: Mit ihrem Blog kämpft sie für die Rechte von Alleinerziehenden und berufstätigen Müttern im Allgemeinen und hat es geschafft zu einem Sprachrohr der Elternblogszene und dringlicher Familien-Angelegenheiten zu werden.

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