Terra Preta: Schwarzerde für den Garten

Schwarzerde kann verdichtete und nährstoffarme Gartenerde und Ackerflächen in humusreiche Terra Preta Böden verwandeln. Die Kompostiermethode ist Jahrtausende alt und stammt aus dem Amazonas-Gebiet. Familie Pfützner-Marcelin stellt nahe Kössen wertvolle Schwarzerde her und hilft Hobby-Gärtnern wie Landwirten bei der Verbesserung ihrer Böden.

Was ist Terra Preta?

Die Hände in schwarze, fein krümelige Erde tauchen – und ohne Schaufel etwas pflanzen. Schon mal ausprobiert? Doch einfach mal zu graben und auf fruchtbare Erde zu treffen, ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Zu viele Böden sind schon verdichtet und nährstoffarm. Hoch über dem beschaulichen Dorf Schwendt, nicht weit von Kössen, produziert Familie Pfützner-Marcelin Schwarzerde und macht damit aus gewöhnlichem Boden einen Terra Preta-Boden. Terra Preta (portugiesisch für „schwarze Erde“) heißen die bis zu 7.000 Jahre alten Böden, mit deren Hilfe die indigenen Amazonas-Bewohner einst nicht nur mehrere Millionen Menschen ernährten, sondern zudem das ökologische Gleichgewicht ihres Lebensraums bewahrten. Die alte Kulturtechnik wurde erst vor wenigen Jahrzehnten wiederentdeckt und ist wieder weltweit verbreitet.

Schwarzerde ist reich an Pflanzenkohle und deshalb ein wirksamer CO2-Speicher. Zahlreiche Praxisbeispiele belegen inzwischen, dass sie auch in Europa Böden nachhaltig und ohne zusätzlichen Dünger mit allen Nährstoffen versorgt, revitalisiert oder überdüngte Böden wieder ins Gleichgewicht bringt. Das ist umso wichtiger, als der industriellen Landwirtschaft der fruchtbare Humus zunehmend verloren geht. Diese wertvolle Erdschicht ist der weltweit wichtigste Kohlenstoffspeicher. Um sie zu bewahren, könnte Schwarzerde ein einfacher, aber effektiver Beitrag gegen die Klimakrise sein.

Ein Gartenexperiment für Artenvielfalt

Wie die Familie Pfützner-Marcelin dazu kam, Schwarzerde in Tirol herzustellen? In Schwendt hatte sie 2008 einen vollkommen vernachlässigten Gemüsegarten übernommen. Weder Jäten noch Umgraben konnte das wildwuchernde Gestrüpp und tief wurzelnde Unkraut beseitigen. Nachdem ein Bagger alles abtragen musste, war auch die wertvolle Humusschicht verloren. Im Frühjahr darauf wuchs nur mehr Schachtelhalm – ein sicheres Zeichen für einen verdichteten Boden. Die Bodenanalyse ergab miserable Nährstoffwerte. „Nach schier unendlichem Jäten und dem Aufbringen von Komposterde versuchten wir zwar, verschiedene Gemüse anzubauen, aber der Erfolg war kläglich“, erinnern sich die Pfützners.

Um den Boden nachhaltig wieder aufzubauen, beschlossen sie, Effektive Mikroorganismen (EM) einzusetzen, da Chemie für sie nicht in Frage kam. Bei weiteren Recherchen stießen sie auf die damals noch kaum verbreitete Methode der Terra Preta. Sie entschieden sich, beides zu kombinieren. Dafür schichteten sie geeignete pflanzliche Küchenabfälle, Rasen- und klein gehäckselten Strauchschnitt abwechselnd mit Pflanzenkohle, Rinder- und Hühnermist sowie Gesteinsmehl in mehrere Holzmieten. Jede Schicht wurde mit aktivierten EM angefeuchtet, festgetreten und die Mieten zum Schluss mit Folie luftdicht eingepackt, damit das Material etwa zwei Monate fermentieren konnte. Bis zum nächsten Frühjahr dauerte der Vererdungsprozess. Nach dem Ausbringen der ersten fertigen Schwarzerde gärtnerte die Familie Jahr für Jahr mit zunehmendem Erfolg: Humus baute sich auf, Schädlinge verschwanden, Bodenlebewesen wie Regenwürmer siedelten sich an und die bisher so zahlreichen Nacktschnecken wurden weniger. Gemüse und Blumen gediehen prächtig – sowohl im Freiland als auch in Hochbeet, in Kübeln und Balkonkästen.

Zutaten dieser Art braucht mensch für das Anlegen einer Terra Preta Meite. Mehr und sehr wertvolle Garten-Infos finden sich im Buch von Caroline Pfuetzner. Lege ich wirklich jeden ans Herz der sich für Bokashi und Terra Preta interessiert.

Schwarzerde Starter für Garten und Landwirtschaft

Ihre Erfahrungen und Kenntnisse über die Terra Preta führte die Familie Pfützner-Marcelin 2014 zur Gründung der TerraTirol KG. 2018 brachten sie ihr Praxisbuch über Terra Preta heraus. „Mit unserer Tiroler Schwarzerde und dem Schwarzerde-Starter wollen wir jedem ermöglichen, seinen eigenen Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu leisten“ sagt Julian Pfützner. Dazu bietet der Familienbetrieb Vorträge und Praxisseminare an. Seit 2019 läuft ein wissenschaftlicher Langzeit-Feldversuch mit dem MCI Innsbruck, bei dem TerraTirol als Berater mitwirkt. Hier geht es darum, unverkäufliches Gemüse in Schwarzerde umzuwandeln, den Böden Nährstoffe in verbesserter Form zurückzugeben und dabei Humus aufzubauen. *

Für die Landwirtschaft ist Pflanzenkohle als wichtigster Bestandteil der Schwarzerde ebenfalls ein Gewinn: Böden reichern sich dauerhaft mit Humus an, ohne dass kontinuierlich Pestizide und Düngemittel notwendig wären. Auch die Gesundheit der Tiere verbessert sich: Nutztiere, die auf Terra-Preta-Böden angebautes Futter erhalten, bekommen weniger Antibiotika und brauchen seltener den Tierarzt. Die mit Pflanzenkohle und Nährstoffen angereicherte Gülle stinkt beim Ausbringen nicht und dem Boden nützt sie. Schädliches Nitrat wird nicht ins Grundwasser ausgewaschen. Damit stoppt der Einsatz von Pflanzenkohle die umweltschädlichen Kreisläufe intensiver Landwirtschaft.

*Der Abschlussbericht der ersten Versuchsphase wird im ersten Halbjahr 2022 veröffentlicht.

Buchtipp Natürlich gärtnern mit Terra Preta. Praxiswissen für Garten, Hochbeet und Balkon. Schwarzerde einfach selber machen.

Caroline Pfützner, Oekom Verlag, 2018


Mit dem Praxisbuch zu Terra Preta gelingen Herstellung und Anwendung ohne Vorkenntnisse. Wie viel Potenzial in Schwarzerde steckt, zeigen Praxisbeispiele aus dem reichen Erfahrungsschatz der Autorin sowie aus der Landwirtschaft. Neben Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Praxistipps enthält das Buch auch Informationen zu den Themen Bodengesundheit, aktiver Klimaschutz und nachhaltig Gärtnern.

Mehr lesen über Terra Preta von Caroline Pützner im Oekom Verlagsblog. Hier erfahrt ihr, wie ihr ein Hochbeet neu anlegen könnt.

Fotos: Terra Tirol

Dieser Artikel ist zuerst im 20er – Der Tiroler Straßenzeitung – erschienen.

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