Wandermüdigkeit bei Kindern und die Kalkkögel

Tipps & Tricks gegen Wandermüdigkeit bei Kindern

Kennst du das Phänomen der Wandermüdigkeit bei Kindern? Sind Eure Kinder auch bisweilen wandermüde? Unsere Kinder leiden manchmal stark an dieser aus dem Nichts auftauchenden Krankheit, wenn sie ein steile Steigung vor sich entdecken. Angefangen hat diese ablehnende Haltung zum Wandern mit ca. neun oder zehn Jahren. Jüngere Kinder wandern erfahrungsgemäß mit einer wesentlich größeren Selbstverständlichkeit.

Wir sind dieses Jahr aber auch wirklich viel gewandert und hatten jetzt bis zu diesem Wochenende erstmals eine längere Pause, in der wir zwar viel draußen waren, aber nicht beim Wandern.Dafür sind wir Fahrrad gefahren und Schwimmen gegangen. Wie einige hier schon wissen, schreibe ich einen Kinderwanderführer für den Naturzeit Verlag, der im Frühling erscheint. Die Wanderungen darin liegen alle rund um die Stadt Innsbruck, viele im Karwendel-Gebirge und viele davon sind von Innsbruck aus bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Also, falls ihr mal ein Wanderziel mit Kindern sucht, und kein Auto habt oder mitnehmen wollt.

1. Tipp gegen Wandermüdigkeit bei Kindern

Wandern ist ein Reizwort das am besten vermieden werden sollte. Besser: Wir machen einen Familienausflug. Wir fahren Sommerrodelbahn. Alle Sachen, die Eure Kinder gerne tun, in den Vordergrund stellen und mit einer Wanderung oder etwas Laufen verbinden.Damit kriegt man die Unlust und das Gemecker VOR den Wanderungen einigermaßen in Griff. Oft ist es so, dass es dann bei der eigentlichen Wanderung gar nicht so schlimm ist mit der Wandermüdigkeit bei Kindern und sie die Natur und ihre Spielmöglichkeiten ihre Ablehnung eigentlich vergessen lässt. Das passiert bei uns sehr oft. Nicht so aber dieses Wochenende:

Der Papa kommt auch mit zum Familienwandern, hieß es bei uns schon am Freitag und da haben sich alle gefreut. Die Kids waren wohl auch ein bisschen erschöpft von der ersten Schulwoche, die bei uns jetzt war. Eigentlich waren alle in guter Grundstimmung und ich habe gerade an diesem Wochenende nicht mit einer so vehementen Wandermüdigkeit bei Kindern

gerechnet.

2. Aufeinander warten und neue Wander-Partnerschaften bilden

Ganz fies wird die Stimmung beim Wandern dann oft für den Nachzügler. Die anderen längst voraus und man selbst als letzter. Deshalb ist es so wichtig, dass die schnelleren immer wieder auf die hinteren warten. Denn nicht immer klappt es, wie gestern, dass wir alle gemeinsam gehen. Jeder hat da so ein bisschen sein eigenes Tempo. Manche – wie ich – steigen am liebsten langsam, dafür aber ohne Pausen auf. Andere machen andauernd Pausen und rennen dafür zwischendrin. Das weiß ich mittlerweile und gehe dann immer wieder voran.

Die Kinder wechseln sich gerne ab. Wenn sie ein Spiel spielen oder sich Geschichten ausdenken, vergessen sie ihren Unmut im Nu. Deshalb funktioniert es auch meistens prima, Freunde mit zum Wandern einzuladen. Dann sehen wir Erwachsenen die Kinder kaum, so beschäftigt sind sie mit Witze erzählen oder anderem.

 

 

3. Beeindruckende Natur und das Wasser als Joker

Die Kalkkögel, die wir gestern auf der Wanderung von der Kemater Alm zum Sonntagsköpfl bestaunen durften, sind beeindruckend. Sie heißen auch die Dolomiten Nordtirols. Die faszinierende Natur, die wir auf unseren Wanderungen erleben, berührt Kinder anders als Erwachsene. Dass sie ihnen in Erinnerung bleibt, weiß ich aber ganz sicher, denn oft erzählen sie, wenn sie die Einzigartigkeit der Natur vor sich haben, plötzlich von früheren Wander-Erlebnissen.

So war es auch beim Anblick der Kalkkögel. Von welcher Wanderung in ihrem Schatten unser Großer lang und breit erzählt hat?

Vom Goetheweg auf der Nordkette! Der längsten und schwierigsten Wanderung, die ich mit den Kindern diesen Sommer gemacht habe.

Was glaubt ihr? Haben sie die 400 Höhenmeter Steigung in praller Nachmittagssonne auf dem Rückweg von der Hütte, nach dem Mittagessen und diesen Weg durch die Geröllfelder mit lieblichem Lächeln auf den Lippen erwandert? Geschimpft haben sie wie die Rohrspatzen und heute ist nur noch das in Erinnerung geblieben, was diese Wandertour im Karwendel so besonders gemacht hatte. Spektakuläre Natur, die niemand so schnell wieder vergisst. Manchmal lohnen sich die Strapazen des Wanderns auch einfach. Manchmal muss man als Mutter die Wandermüdigkeit bei Kindern auch ein Stück weit ignorieren. Es lohnt sich – für alle Beteiligten!

Doch zurück zu unserer Sonntagstour im Senderstal: Ein weiterer Joker, der immer funktioniert, ist wieder das Wasser. Kinder lieben es, am Lauf eines Baches entlang zu laufen oder noch besser, durch Wasser hindurch zu waten. Manchmal wollen sie auch ihre Schuhe ausziehen und barfuß gehen. Das erlaube ich eigentlich immer. Es ist ein tolles Erlebnis für alle Sinne!

Mit guten Bergschuhen kann man auch schön durch Bäche und über abenteurliche Felsen klettern. So muss ich auch nicht dauern “Nein, das darfst du nicht!” schreien. Das ist nicht sehr motivierend.

4. NoGo bei Wandermüdigkeit bei Kindern

Bitte tut Euch und Euren Kindern auf keinen Fall langweilige Forststraßen oder gar Teerstraßen an. Das Gemaule ist stets lautstark und die Streiterei in schönstem Gange, wenn wir langweilige Wege gehen. Manchmal ist das ein Stück weit nicht auszuschließen. Aber ich suche unsere Touren – auch die für meine Kinderwanderführer – stets nach ihrem Abenteuerfaktor aus.

Wilde Wege mit “gefährlichen” Stellen zum Klettern und Kraxeln, schmale Steige, Waldpfade und selbst gewählte Abkürzungen der Kinder – alles ist erlaubt, was euch sicher erscheint. Neben guten und am besten knöchelhohen Wanderstiefeln lautet meine Faustregel: Bei kleinen Kindern – ein Erwachsener pro Kind. Wenn ihr schon geübt seid,schwindelfrei und die Wege nicht am Grat entlang führen, kein Problem! Dann gibt es ja auch nocht die für Kinder gut zu verstehende Regel, immer auf der Bergseite zu wandern.

 

Nichts erzwingen, sonst steigt die Wandermüdigkeit bei Kindern

Auch mal fünf gerade sein lassen, heißt der beste tipp. Wenn ich oft Eltern beobachte, die ihre Kinder zum Wandern verdonnern, verstehe ich das nur bedingt. Bei uns bleibt mal der eine, mal die andere daheim, oder geht zu Freunden, wenn mal gar kein Bock ist.

Gestern habe ich die Kinder und den Papa beim schönen Kinderspielplatz der Adolf-Pichler-Hütte (Bild oben) gelassen. Eigentlich wollte ich, dass wir gemeinsam gehen. Ich habe aber einfach gespürt, dass die Luft raus ist. Also habe ich mich aufgemacht, die letzten 20 Minuten zum Gipfel allein zu erklimmen.

Dafür wurde ich nicht nur von einem schönen Ausblick belohnt. Die Stille und die Kraft der Natur war mein größtes Geschenk. Ich habe meine Energiereserven viel besser auftanken können, als mit einer jammernden Kinderschar. Bzw. ein unzufriedenes Kind reicht auch oft.

Hab mich ein bisschen in dieser Wiese ausgeruht und Preiselbeeren als Vitaminbomben gepflückt. Ich liebe es – genauso wie gemeinsam mit meiner Familie – auch regelmäßig ein bisschen alleine in der Natur zu sein.

Ich wünsche Euch noch einen sonnigen Herbst mit vielen gemeinsamen Momenten in der Natur!

Mehr WIB findet ihr auch diesen Montag bei Große Köpfe.

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