Kinderessen psychologisch: Wie es gelingt, aus dem Essen keinen Machtkampf werden zu lassen

Kinderessen psychologisch

Lange nachgedacht habe ich, was ich nun schreibe zur Blogparade #MissionFood4Kids von Mama on the Rocks. Dass ich mitmachen will, war klar – Food ist mein Steckenpferd, berufsbedingt und ja, ich bin ein leidenschaftlicher Esser. Ich interessiere mich für Ernährung und neue Food-Trends wie die vegane Küche, Superfoods, ob  Slow Food oder Sterneküche, Street Food und der Burger-Kult – für alles eben. Daher müssen die Kids auch alles probieren. Schmeckt mir nicht, gibt’s bei mir schon – aber erst nach dem Probieren. Zum Thema Kochen für Kids gibt es auch noch eine Blogparade von Elternhandbuch zum Thema Kochen für Kids.

Für die Freude am Essen

Jetzt wollte ich aber nicht schreiben, was schon in so vielen anderen tollen Beiträgern dieser wie immer bei Séverine gut gefüllten Teilnehmerrunde steht. Deshalb habe ich hier ein paar Empfehlungen für Euch, die das Sattkriegen von Kindern entschieden leichter macht. Nicht nur das Sattkriegen kriegt ihr hin, sondern auch die kleinen Menschen an Genuss und Freude am Essen heranzuführen. Es klappt, wenn die Mahlzeiten nicht in Machtkämpfe ausarten. Es ist schade, wenn das Trotzalter mit seiner Suche nach Grenzen, das Austesten von Wieweit kann ich gehen, was erlaubt die Mama und wo geht sie ab wie ein Schnitzel (um mal im semantischen Bilderfeld Essen zu bleiben), wenn all diese Kämpfe des Alltags zur Spielwiese Esstisch werden.

Natürlich kann man dies nicht ganz umgehen, aber es gibt einige No Gos, die mir nach ein paar Jahren mit Kindern klar geworden sind und die ich sehr bereut habe. Aber man kann ja immer gegen steuern und deshalb heißt dieser Artikel auch Kinderessen psychologisch und nicht „Ein Plädoyer für die Freude am Essen“.

Frag nicht was drauf soll, sondern schmier ein Butterbrot

Kinderessen psychologisch geschickt angehen heißt, nicht so viele Fragen an das Kind, bitte. Du hast ein Kind vor dir und gerade ein Kleinkind wird überfordert sein, wenn es zum Frühstück aussuchen soll, ob es Schokomüsli oder Knusper-Chrunchy mit Himbeeren, Heidelbeeren oder Banane, mit Reismilch oder Joghurt mag. Ich habe meinem Babyboy immer super viele Fragen gestellt, magst du dies, magst du das oder vielleicht lieber das. Das Resultat war, dass es dann immer genau das falsche war, was er bekommen hatte und er dann doch lieber das andere wählen wollte. Ist ja klar, ich kann mich oft selbst nicht entscheiden zwischen all dem leckeren Essen, das wir im Kühlschrank haben. Mit dem vielen Fragen und diskutieren tut man sich übrigens selbst keinen Gefallen – bei einem Kind fällt es noch nicht so auf, aber bei dreien mache ich mittlerweile für jeden ein eigenes Frühstück.

Zum Frühstück akzeptiere ich das, da der eine eben ein Brot essen will, einer Müsli und die dritte ihren Soja-Joghurt. (Zwei meiner Kinder vertragen Milchzucker und Kuhmilcheiweiß nicht so gut und ich helfe ihnen dabei, das zu essen, was ihrem Organismus gut tut. Ich bin richtig stolz darauf, dass sie mit 5 Jahren bereits ein tolles Bewusstsein für ihren Körper erlangt haben und merken, dass sie von zu viel Schokolade oder Vollmilch Blähungen bekommen). Ich weiß schon seit über 4 Jahren von der Unverträglichkeit der Zwillinge und habe sie nie gezwungen auf Milch zu verzichten. So konnten sie selbst ein Gefühl dafür entwickeln.) Aber zurück zur Diskussion am Esstisch: Während es beim Frühstück für mich in Ordnung ist, dass jeder eine spezifische Vorliebe entwickelt hat, gibt es beim Mittagessen und beim Abendbrot zumeist ein Gericht für alle. Statt viel fragen also einfach etwas herrichten. Wenn dann was nicht passt, kann ja noch was verändert oder hinzugefügt werden! Mit dem Wegnehmen ist das schon schwieriger. Früher habe ich streng darauf bestanden, dass wir die Nudeln mit Soße essen, heute mache ich auch schon mal eine Ausnahme: gerade bei Gnocchi oder Schupfnudeln – mit der Bedingung, dass die Kinder dafür Rohkost dazu essen.

 

Klare Regeln erleichtern das Essen

Früher habe ich auch beim Trinken viel gefragt, was willst Du trinken und Du, der eine Milch, der nächste Apfelsaft-Schorle, die dritte Multivitaminsaft pur! Mittlerweile rede ich nicht mehr, sondern gieße allen ein Wasser oder vom selben Saft ein. Regel: Wir machen nur einen Saft auf. Regeln erleichtern Kinder das Leben – sie kennen sich aus und wissen was OK ist und was nicht.

Weitere Regeln bei uns sind: kein Spielzeug am Tisch, es lenkt ab und stört.

Wir bleiben sitzen beim Essen und stehen nicht dauernd auf. (klappt teilweise schlecht)

Wir versuchen während der Mahlzeit ruhig zu sein und die anderen nicht zu ärgern. (klappt sehr schlecht)

Wenn einer fertig ist, kann er sitzenbleiben, wenn er ruhig ist. Wenn er schreit, quietscht, pfeift oder wie auch immer die anderen Kinder vom Essen ablenkt, muss er die Küche verlassen.

Wir räumen unser Geschirr ab (klappt auch nur teilweise, aber Mama übt sich an diese Regel nach jeder Mahlzeit zu erinnern. Konsequenz ist halt so eine Sache).

Nachspeise (meist ein Zuckerl aus unserer „Gutti-Kiste“) wird erst geholt, wenn ALLE fertig sind.

 

Das ist super lecker

Wenn zwei Kinder (und der Papa) etwas lecker finden, gibt es gute Chancen, dass der dritte das auch haben will. Vor allem, wenn die anderen Kinder schon Schlange stehen, um das begehrte Stück vom Bäh-Kind zu ergattern. So manches Mal hat das Kind, das zuerst Bäh sagte, plötzlich doch Lust auf den vegetarischen Aufstrich entwickelt, den es zuerst verabscheuungswürdig angeblickt hat.

Bei Einzelkindern kann ich Euch, liebe Eltern, nur dringend empfehlen, ladet öfter mal andere Kinder (ALter spielt keine Rolle) zum Essen ein, denn das gemeinsame Mahl tut wahre Wunder. Kinder interessieren sich für die Essensgewohnheiten ihrer Gäste. Der Schuss kann allerdings auch nach hinten losgehen, wenn wir wieder mal einen Gast haben, der nur „nackte“ Nudeln oder sogar nur trockenes Brot haben will. Bei letzterem hat dieses in der Tat sehr seltsame Essverhalten den Ehrgeiz meiner Kids so angespornt, dass sie nicht haltgemacht haben, bis ein Gemüse gefunden war, dass der schmächtige Knabe dann bereit war zu essen.

Die hohe Kunst im Fach Kinderessen psychologisch heißt also „Lass es Dir schmecken. Nimm Dir Zeit für Dein Essen. Jetzt ist nur Du und Du musst auch nicht dauernd Dein Essen unterbrechen und aufstehen, um etwas fehlendes zu holen! Ja, wie oft mache ich das und dann gibt es Momente, an denen ich zu den Kindern sage: Jetzt, esse ich. Lasst die Kinder ruhig sehen, dass Essen Spaß macht, ein Genuss ist und Zeit braucht. Auch wenn dieses Essverhalten nicht sofort Resultate zeigt, könnt ihr sicher sein, dass Eure Kinder Spaß am Essen entwickeln, wenn ihr selbst mit Muße dabei seid.

Griff in die Trickkiste

2 Drittel meiner Kinder mögen kaum grünes Gemüse. Aber sie essen Pesto – also püriere ich, was das Zeug hält. Im Pesto kann man schöne Sachen verstecken: von Zucchini bis Paprika und natürlich alle möglichen Kräuter. Allerdings sind Pesto mit Gemüse nicht so haltbar.

Meine Kinder liebten schon als kleine Pampersrocker Leberwurst – Streichwurst. Da ich nicht wollte, dass sie dauernd Wurst essen – unser Papa liebt Wurst – und ich Wert auf vegetarische Tage in der Woche lege, habe ich irgendwann zum vegetarischen Aufstrich „Delikatess“ gesagt, das ist Streichcreme. So direkt lügen wollte ich ja auch nicht. Seitdem schmeckt es ihnen. Irgendwann kam die explizite Frage, ob Streichcreme Leberwurst ist, was ich dann verneinte. Delikatess-Aufstrich schmeckte ihnen zu dem Zeitpunkt ja schon. Gestern gelang mir übrigens der Clou: Ich habe mal wieder ein Abendbrot mit Delikatess verkündet (ich bestimme nämlich, ob ein Wursttag ist, oder nicht, sonst essen die mir nur Wurst) und habe ihnen den Champignon-Aufstrich untergejubelt. Schlaue Fünfjährige schaut auf die Packung und jubelt, das ist ja Pilz-Delikatess! Zum Glück hatte sie schon abgebissen!

 

 

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