Digitale Spielzeuge und wie sie Kinderrechte untergraben

digitale Spielzeuge und wie sie die Kinderrechte auf Privatsphäre und Datenschutz untergraben
(c) Andy Kelly / Unsplash

Liegen in diesem Jahr digitale Spielzeuge unter Eurem Weihnachtsbaum? Hoffentlich keine Kinder-Smartwatch!

 

Kinder-Smartwatch mit Ortungsfunktion oder: Ich überwach Dich nur zu Deinem Besten, mein Schatz!

Immer mehr Anbieter stellen die schicken, kleinen Uhren für Kinder zur Verfügung, die mehr können als nur die Uhrzeit anzuzeigen: Spiele spielen, Sprachnachrichten verschicken, Telefonieren und GPS-Ortung sind die gängigsten Funktionen, die die kleinen Computer am Handgelenk mitbringen. Viele dieser Uhren – getarnt als digitale Spielzeuge – verfügen über eine App, mit der Eltern ihre Kinder auf Schritt und Tritt überwachen können. Die Hersteller spielen mit den Ängsten der Eltern und stellen die Ortungsfunktion besonders heraus. Es lesen sich Werbetexte wie „Kontrolle ist gut – Überwachung ist besser.“ oder aber auch an anderen Stellen „Das ist gar keine Überwachung – Es geht um den Schutz des Kindes.”. Nein! Es IST Überwachung – und dieser Weg ist keineswegs der richtige! Hier werden Kinderrechte verletzt, denn auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Durch die Nutzung von Kinder-Smartwatches ist der „Schutz“, den Eltern sich so sehr erhoffen, nicht gegeben und außerdem ist Überwachung schlecht für das Eltern-Kind-Verhältnis.

digitale Spielzeuge und wie sie die Kinderrechte auf Privatsphäre und Datenschutz untergraben

Digitale Spielzeuge und Datenschutz am Limit

1. Wo Sicherheit draufsteht, steckt oft keine Sicherheit drin:

Bei billigen Produktionen kann nicht davon ausgegangen werden, dass eine zuverlässige Ortungsfunktion integriert ist. Und der Verkaufspreis sagt nichts darüber aus, ob digitale Spielzeuge billig oder teuer produziert wurden. In den wenigsten Fällen sind entsprechende IT-Spezialisten an der Entwicklung des Produkts beteiligt, die sich auch über den Schutz der Daten Gedanken machen.

2. Überwachung bringt keine Sicherheit

Es gibt einen schönen, passenden Spruch dazu: „Mutig warf sich die kleine Kamera zwischen Angreifer und Opfer. – Niemand, jemals.“ (Digitalcourage 2017). Keine Überwachungskamera
verhindert eine Gewalttat. Und genauso verhält es sich mit Trackern: Kein Tracker verhindert, dass dem Kind etwas passiert.

3. Kontrolle führt zu größeren Ängsten

Was machen sie wohl, wenn Sie die Möglichkeit haben, ihr Kind zu überwachen und zu orten? – Sie tun es. Und zwar immer und überall. Wenn das Kind mal ein wenig von der Norm abweicht (zu spät kommt oder einen anderen Weg nimmt), bekommen Elterrn Panik. Es entwickelt sich ein Kontrollzwang und damit ist niemandem geholfen. Hallo, Helikopter-Eltern! (In pädagogischen Kreisen ein Begriff für Eltern, die wie Helikopter über den Köpfen ihrer Kinder kreisen und sie überbehüten.)

4. Überwachung entmündigt Kinder

Mit Überwachung wird Kindern zum Einen vermittelt, dass sie sich in einer gefährlichen Umwelt befinden, zum Anderen wird ihnen permanent zu verstehen gegeben „Du bist nicht stark genug“ oder „Du brauchst Schutz“. Die Lösung ist, ein vertauensvolles Verhältnis zum Kind zu schaffen, das bringt Entspannung bei Eltern und Kindern.

Kinder-Tracking und das Recht auf Privatsphäre

Der gemeinnützige Organisation Digitalcourage e.V. hat sich auch in der Vergangenheit schon mit dem Thema Kinder-Tracking beschäftigt. Anfang 2018 wurde es um den sogenannten
„Schutzranzen“ der Firma Coodriver sehr turbulent. Dabei handelte es sich um ein Trackingsystem, das in Schulranzen der Kinder und im Smartphone der Eltern untergebracht
werden sollte. Zunächst gab es eine Funktion, mit der Eltern den Standort ihres Kindes bestimmen konnten. Doch nach zahlreicher Kritik, entdeckten Sicherheitsproblemen und nicht abgeschlossenen Überprüfungen durch Aufsichtsbehörden, wurde die Funktion entfernt. Übrig blieb die Möglichkeit für Autofahrer.innen, zu überprüfen, ob sich im näheren Umkreis Kinder befinden.

Digitalcourage hat die Missstände damals teilweise aufgedeckt, dokumentiert und öffentlich gemacht, wodurch die Coodriver GmbH mit einer Abmahnung gegen Digitalcourage drohte, um die – angeblich ungerechtfertigte – Berichterstattung zu unterbinden. Geschehen ist dann nichts, aber es wurde ruhiger um den „Schutzranzen“, da zumindest Kooperationspartner überzeugt werden konnten, dass Kinder-Tracking keine Lösung ist und nichts mit echter Sicherheit im Straßenverkehr zu tun hat.
Weiteres dazu kann auf Digitalcourage unter dem Stichwort „Schutzranzen“ nachgelesen werden.
Dieses Projekt hat sich vorerst erledigt, aber wir müssen uns auch in Zukunft auf ähnliche Projekte gefasst machen – egal, ob die Tracker in Schulranzen, Uhren, über digitale Spielzeuge im Kinderzimmer  oder in Schuhen untergebracht werden (übrigens: Das gibt es schon) – und dann gemeinsam für die Rechte unserer Kinder kämpfen.

Datenschutz von und für Kinder – wir Eltern sind verantwortlich

In den meisten Fällen – zumindest bei Angeboten von großen Konzernen – geht es nur darum, möglichst viele Daten von Kindern zu sammeln. Sie verdienen Geld damit. Kinderdaten sind
besonders wertvoll, weil Kinder bis zu einem gewissen Alter nicht geschäftsfähig sind und weniger von sich preisgeben. Unternehmen machen mit diesen Daten aber viel Geld: Sie verkaufen sie für weitere Analysen, um das Verhalten der Menschen, ihr Konsumverhalten und ihr Kaufverhalten zu analysieren. Jedes „smarte“ Gerät, egal ob Smart TV, Smartphone oder vernetzte digitale Spielzeuge, senden die gesammelten Daten an Server des Unternehmens, die oft in anderen Ländern stehen und anderen Datenschutzbestimmungen unterliegen, mit denen wir hierzulande nicht einverstanden sind. Wer Kindern eine Smartwatch ans Handgelenk schnallt oder „intelligente“ digitale Spielzeuge kauft, verschenkt bereitwillig die Daten seiner Kinder. Das muss dringend unterbunden werden – für die Kinder!

Bewusster Konsum in Sachen Smartphones, SmartWatch und digitale Spielzeuge

digitale Spielzeuge und wie sie die Kinderrechte auf Privatsphäre und Datenschutz untergraben

Leseprobe aus dem Buch #Kids #digital #genial

Weitere Informationen über vernetzte digitale Spielzeuge und dem Wert von Kinderdaten finden sich in diesem Artikel über vernetzte Spiele hier.

Über die Autorin & Digitalcourage e.V.: Jessica Wawrzyniak ist Medienpädagogin bei Digitalcourage e.V. Der gemeinnützige Verein setzt sich seit mehr als drei Jahrzenten für Datenschutz und die Grundrechrte von Menschen ein – insbesondere in Bezug auf die informationelle Selbstbestimmung. Um diese Ziele zu erreichen, nehmen sie den Kampf mit Großkonzernen auf und gehen, wenn nötig, bis ans Verfassungsgericht, um die Politik auf den richtigen Weg zu bringen. Jessica Wawrzyniak setzt mit diesen Themen bereits bei Kindern an – auf leicht verständlichen Wegen und ganz von Vorne, z.B. den großen Wert personenbezogener Daten zu erkennen. Sie hat ein Buch geschrieben, das genau an dieser Stelle ansetzt: Grundlegendes Wissen zu Datenschutz und Mediennutzung. Das Buch „#Kids #digital #genial – Das Lexikon von App bis .zip“, aufgebaut wie ein Lexikon mit 137 Begriffen, wird aber auch von Eltern gelesen und in Schulen eingesetzt, um einen leichten Zugang zu den Themen zu erhalten. Es kann hier im Onlineshop von Digitalcourage und im Buchhandel für 3,85 Euro erworben werden. Die Einnahmen gehen dem Verein zu, der sich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert. Helf auch Du mit einer Spende oder Fördermitgliedschaft

Die Kinder sollen ein Handy haben, damit sie erreichbar sind?

Nachtrag Redaktion: Nachdem wir lange mit unserer Verantwortung als Eltern gerungen haben, entschieden wir uns auch mit 10 Jahren gegen ein Smartphone für unseren Sohn. Genau aus all diesen Gründen. Er besitzt jetzt ein so genanntes Bananenhandy, auch cool, mit Retro-Charme, aber eben dennoch kein Smartphone. Es kann Youtube und Whatsapp, die sind darauf vorinstalliert, er wird damit weder ausgelacht noch gemobbt. Oft lässt er das Handy auch daheim und nimmt es gar nicht in die Schule mit. In vielen weiterführenden Schulen und so gut wie allen Grundschulen ist es mittlerweile üblich, dass Handys und Smartphones in der Unterstufe nicht erwünscht sind. Viele Lehrer haben die Notbremse gezogen! Es ist also absolut nicht notwendig, alle Kinder bereits in der Grundschule mit Smartphones auszustatten.

Wir Eltern haben es in der Hand, diesen Trend umzukehren. Kein Volksschüler benötigt Whatsapp (ist übrigens eigentlich erst ab 16!!!!)

Wie wichtig es ist zu lesen und den Kindern zuhause selbst analoge Pausen vorzuleben, habe ich hier geschrieben. Denn wer als Erwachsener die ganze Zeit vor Tablet und Smartphone sitzt, hat schlechte Karten, den Kindern zu vermitteln, warum sie das nicht tun sollen!

Smash dein Smartphone!

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