Was macht eigentlich ein Lebensmittelretter *in den ganzen Tag

Lebensmittelretter? Lebensmittelretter! #WMDEDGT Ich bin dann mal kurz weg die Welt retten. Also, würde ich gerne, aber schaffe ich natürlich nicht allein. Dazu brauche ich Euch alle und mein Fahrrad, viele Fahrräder und meinen Backpacker Rucksack. Einen Fahrradanhänger hätte ich auch gerne, habe ich aber (noch) nicht.

Also schwinge ich mich auf meinen Lebensmittelretter Drahtesel und fahre zum Supermarkt, wo ich für heute zum abholen eingetragen habe. Es ist ungewiss, was für Lebensmittel heute das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben und welches Gemüse und Pbst so welk aussieht, zumindest von außen, das es nicht mehr hübsch genug ist, für die Hochglanzregale des Supermarkts.

 

Das beste am Lebensmittel retten? Du fühlst dich gut. Es ist ein tolles Gefühl zu 70 % von gerettetem Essen eine fünfköpfige Familie und manchmal noch ganz viel Leute mehr damit zu ernähren. Dabei haben wir mehr Vielfalt in unsere Ernährung gebracht.

Aber einige Grundregeln sind zu beachten: Ich mache keine Großeinkäufe mehr, wie früher – denn du weißt nie, was für Lebensmittel du bekommst. Heute sind es 8 Pakete Schoko Crunchy Müsli, Frischkäse, Butter, 5 große Osterhasen und viele kleine, 2 Packungen Espresso, viel Gemüse und Obst, das rasch verarbeiten werden muss.

foodsave Klimahelden: Wie werde ich Lebensmittelretter*In?Spontane Essentscheidungen treffen

Damit ist das Tagesprogramm klar: Tomatensauce kochen, Salat, Bohnen und Pilze zu einem Mittagessen, das auch die Kinder mögen verarbeiten. Doch zuerst heißt es einmal das Rad nach Hause schieben, da es so schwer beladen ist, das ich trotz Rucksack und Radkorb nicht mehr zu fahren schaffe. Ich sag ja, ich wünsche mir einen Fahrradanhänger oder ein Lastenrad. Das wäre mein Traum.

Sporteinheit Foodretten ist dann gegen Mittag erledigt – ach ja halt, den Vormittag über habe ich sogar gearbeitet. Ich merke das gar nicht mehr so, dass ich arbeite – es geschieht nahezu automatisch. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Wochentagen, Samstagen und Feiertagen… So sehr habe ich mir es angewöhnt mit Kindersound im Hintergrund zu schreiben. Daher ist es mir nun einerlei, was für ein Wochentag ist. In die Schule gehen sie ohnehin nur noch 1 bis 2 mal die Woche. (3 mal Schule pro Woche ist nahezu der Wahnsinn, hatten wir aber pro Kind bisher nur einmal!)

Kurz und gut, da ich meistens unbezahlt arbeite, natürlich hoffe ich, das mir meine Romane und Artikel dann irgendwann auch ncoh jemand abkauft, wenn das dann mal vorbei ist mit demCorona und so. Früher habe ich mal gearbeitet wenn ich einen Auftrag habe, aber nun ja, die Zeiten ändern sich.

Aber zurück zu meinem Tag als Lebensmittelretter – ihr merkt schon wie wichtig das für uns geworden ist, nicht? Jedenfals spare ich bare Münze und tue auch noch gutes, um die Überproduktion und die Klimakatastrophe aufzuhalten.

Es gibt nix Gutes außer man tut es! Von wem war das nochmal?

Jedenfalls habe ich keinen Bock schon wieder Tomatensauce zu essen. Nur ein Kind will zu seinen Nudeln Tomatensauce, auch noch ein Gastikind, keiner Pilze, zwei nehmen grüne Stangenbohnen, ein weiteres Gastkind entscheidet sich für Pesto, das wir immer als Alternative da haben. Also habe ich die Pilze für mich alleine! Ein voller Erfolg. nachdem ich drei Kochtöpfe und eine Pfanne auf dem Herd am Brutzeln habe, Salat gewaschen – Kind mariniert – und für die Nicht-Salatesser noch, ebenfalls gerettete Gurken, geschält und geschnitten habe, ess ich auch!

Als Nachspeise freuen sich die Kinder über Pudding oder Joghurt-DEssert. Seid ihre Mama Lebensmittelretter *in geworden ist, freuen sich die Kinder. Endlich bekommen sie die Dinge zu essen, die a) wegen krasser Plastikverpackung oder b) wegen gesundheitlicher Bedenken, roter Ernährungsampel und so, sowieso nicht gekauft wurden.

Ich bleibe aber trotzdem knallhart Nach wie vor essen wir zum Frühstück weißes Joghurt oder Müsli – Kompromiss ist mit Schokostreusel oder Crunchy gemischt mit 50:50 Hafer. Diese Zucker-oghurts und was sich da sonst noch alles Erstaunliches in den Kühltheken tummelt, was die Welt nicht braucht – wird bei uns als Dessert gehandelt. Mehr Süßes gibt es fast nie und die Kinder freuen sich über die tollen Plastik-Dinger. Die rette ich trotzdem, da sie sonst komplett in der Tonne landen würden. Natürlich könnte ich auch nur ökologisch korrekte Verpackungen retten, aber da die große Masse an Kühlprodukten nicht in Glas verpackt ist, würden wir dann nur selten etwas retten können.

Ketchup selber machen

Da Ketchup schon wieder alle ist, beschließe ich spontan, nachdem die Kinder sich verzogen haben, die Tomatensauce zu pürieren und daraus Ketchup herzusteleln. Ich lese auf der leeren Packung, was da für Inhaltsstofe drin sind. Füge also Aceto Balsamico und Zucker dazu, lasse ein Kind, das grade vorbeispaziert verkosten. Da es vorgibt satt zu sein und sagt, es möge keinen puren Ketchup, besteche ich es mit einer Scheibe, ebenfalls geretteter Lioner Wurst. Es dauert drei Wurstscheiben, bis das Kind mit dem Zucker- und Essigmischverhältnis des selbstgemachten Ketchup zufrieden ist. Garantiert ist es immer noch ein Bruchteil des bei den Industrieprodukten gängigen Zuckergehalts.

Ich fülle das Ergebnis mit einem Trichter in die soeben ausgespülte Ketchupflasche, damit das nicht so auffällt, und stelle sie zurück in den Kühlschrank. Manchmal mögen die Kinder nämlich viel lieber Industrieprodukte als selbst gemachte Sachen.

Frisches Brot für Lebensmittelretter

Abends mache ich mich dann erneut auf den Weg ins Zentrum, nämlich fünf Minuten vor Ladenschluss. Da bekommen wir das frische Brot und gebäck, das übrig geblieben ist. Gemeinsam mit den anderen Lebensmitteln von heute Mittag, die zuviel für unsere Familie sind, bringe ich die vollen Säcke zum Fair-Teiler in einer Bar in der Altstadt. Da nehme ich mir dann noch 4 Halbliter-Packs mit Schafmilch heraus. Das ist prima, denn ich lebe laktosefrei. Ich freue mich, dass ich heute so vielfältige Lebensmittel gerettet habe, die wir gut brauchen können.

Jetzt bin ich ein sehr müder Leensmittelretter und freue mich auf mein Bett. Essen kann ich ja ohnehin immer nur bis 18 Uhr, denn ich probiere gerade Intervallfasten und bin recht zufrieden, dass ich das jetzt schon mehrere Wochen durchhalte. Der nächste schummeltag ist leider noch weit…

Ich wünsch Euch ein schönes Wochenende und spannendes Tagebuchbloggen bei Frau Brüllen. #WMDEDGT

Hier findet ihr interessante Links zu Blogposts zum Thema Nachhaltigkeit bei einfach.nachhaltig.besser.leben

3 Comments

  • Verena sagt:

    Liebe Traude, ja es fühlt sich so gut an – und die Kids sind begeistert mit den Lebensmitteln, die ich sonst nie gekazft habe… das mit dem geriebenen Käse einfrieren kenne ich von meiner Mutte, das könnte ich auch mal wieder machen, und bei uns gibt es auch die Prozentecke, da kaufe ich auch viel ein. Denn bei Gemüse und Obst reicht es bei uns nicht allein mit retten.
    Viele liebe Grüße, Verena
    p.s. habe mich vor kurzem schon auf Deinem Blog umgeschaut zwecks Tigerschnegel, danke für den tipp!

  • Super! Wir retten auch seit ein, zwei Jahren Lebensmittel – unser Supermarkt hat seinerzeit erfreulicherweise Prozentecken eingerichtet, wo die vom Ablaufen bedrohten Lebensmittel um Minus 25- bis Minus 50-% angeboten werden. Und es macht richtig Spaß! Und ja, genau, es bereichert unseren Speiseplan, weil ich aus der Prozentecke auch Fruchtjoghurt, Pudding & Co. rette, die ich sonst nie kaufen würde. Normalerweise kaufen wir fast ausschiließlich bio und regional, aber wenn wir retten müssen, schauen wir auch über diesen Tellerrand. Käse reibe ich und friere ihn ein, auch Fleisch, Wurst, Fisch, die ich nicht sofort verbrauche, werden eingefroren, Obst und Gemüse auf die eine oder andere Weise konserviert, und das Leben wird dadurch nicht nur günstiger, sondern auch bunter, das Gewissen noch besser :-).
    Herzliche rostrosige Juli-Grüße,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2020/06/ein-naturreservat-und-drei.html

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