Von Samhain bis Wintersonnenwende: Gankerl + Dunkeltage

Perchtenlauf

 

 

„Ohne die Hexe (sie ist oben im Bild zu sehen, wie sie das Feuer in dem Kessel entzündet, den sie auf Schlittenkufen vor dem Zug der Teufel und Perchten herzieht) geht’s nicht“, erzählen die  Kinder mir aufgeregt, als wir uns wie jedes Jahr die Tänze und Umzüge der Perchten und Gankerl (Teufel) anschauen. „Die Hexe ist die wichtigste, sie zündet das Licht an“, wissen sie. Woher wissen sie das eigentlich? Haben sie mit ihrer intuitiven Beobachtungsgabe einen wesentlichen Aspekt in der alten Tradition der Perchtenläufe auf den Punkt gebracht?

Ja, es stimmt, zu jeder Pass gehört eine solche Hexe. Martialisch, archaisch und urtümlich muten diese Höllenspektakel an. Jedes Jahr gehe ich hin, seitdem ich in Tirol wohne. Ganz anders als die Maskerade an Halloween, die ich immer als aufgesetzt und künstlich empfunden habe, kommt mir dieses Brauchtum authentisch und echt vor. Es rührt etwas in mir an. Der Radau, der entsteht, wenn man mit Knüppeln auf Bleche haut, und noch viel andere unbeschreibliche Geräusche zum lodernden Feuer ziehen mich wie magisch an. Den Kindern geht es wohl genau so. Mitten im Sommer, wenn die Sprache auf die Perchte kommt, schlagen sie in genau dem Rhythmus der Teufel auf imaginäre Blechtrommeln. Woher kommt diese Anziehung?

Perchtenlauf: Von Samhain bis Wintersonnenwende

Von Samhain bis Wintersonnenwende ist das Licht weg. Und wie jedes Jahr feiern wir seine Rückkehr. 5. Türchen im Karmakalender!

Wenn das Licht sich verabschiedet

Mit habe schon immer alle Feuerfeste gefallen. Ob es nun das buddhistische Lichterfest Loi Krathong ist, das im November in Thailand gefeiert wird oder das Laternegehen zu Martini. Dieses Jahr habe ich mich ein wenig mit unseren traditionellen Festen im Jahreskreis beschäftigt. Von Samhain bis Wintersonnenwende ist das Licht weg. Und wie jedes Jahr feiern wir seine Rückkehr. Warum sind diese dunklen Tage eigentlich so wichtig?

Samhain ist ein altes keltisches Fest, das ursprünglich zum elften Neumond des Jahres gefeiert wurde. Heute bringen es viele mit Halloween und Allerheiligen bzw. Allerseelen in Verbindung. Allen gemeinsam ist die Tradition, den Verstorbenen zu gedenken. Früher waren die Ahnen einer Familie sehr wichtig. Ihr Wissen sollte bewahrt werden. In diesen Tagen Ende Oktober, Anfang November, wenn die Sonnenstrahlen ihre Kraft verlieren und das Licht immer weniger wird, scheint eine Tür geöffnet zu sein. Alle diese Bräuche um gruselige GEstalten, um Geister und Wesen aus dem Totenreich bezeugen dies. Mit den gruseligen Masken und Maskeraden wollen die Menschen die Besucher aus der Anderswelt verschrecken. Diese Wesen können aber nicht nur zu uns herüber. Die Pforte ist in beiden Richtungen durchlässig.

 

Loslassen und Ruhe finden

Auch wer sich nicht besonders für Spiritualität und andere Bewusstseinsebenen interessiert oder sich noch nie näher damit beschäftigt hat, profitiert von der Zeit von Samhain bis Wintersonnenwende am 21. Dezember. Unweigerlich begeben sich die meisten Menschen auf eine Innenschau, ziehen Bilanz wie das Jahr verlaufen ist, was sie geschafft haben und was sie im nächsten Jahr erreichen wollen. Diese dunkle Zeit ist genau deshalb so wichtig für uns. Wir können ganz viel über uns selbst herausfinden, indem wir inne halten und uns einmal mit uns selbst auseinandersetzen. Wir können uns einfache Fragen stellen wie „Wer bin ich?“ oder „Was macht mich glücklich“. „Wohin geht meine Reise?“ ist auch eine gute Frage. Am Anfang denken wir vielleicht, ich weiß nichts darauf zu antworten. Wenn aber alles gilt und keine Antwort falsch ist, finden wir interessante Erkenntnisse aus unseren scheinbar beiläufigen Antworten.

Die dunkle Zeit von Samhain bis Wintersonnenwende ist auch eine Zeit der Stille, des „Zur Ruhe kommen“. Wir haben jetzt die Möglichkeit Dinge loszulassen, die wir nicht mehr brauchen. Das können wir auch ganz bildlich umsetzen, in dem wir jetzt ausmisten und alles verschenken oder verkaufen, was wir eigentlich nie benützen. Es ist schön, vor Weihnachten reinen Tisch zu machen, Schulden zurückzahlen und alles zurückgeben oder schicken, was wir uns im Laufe des Jahres so ausgeliehen haben.

Warum ich bis zur Wintersonnenwende schreibe? Der Winter ist schließlich noch so viele Wochen länger! Das ist richtig, und doch ist im Januar schon spürbar wie das Licht mehr und mehr zurückkehrt.

 

Heilige Hochzeit

Ein interessanter Zugang zu den alten Festen im Jahreskreis ist für mich auch, diesen im Licht der Fruchtbarkeitstraditionen und Ernteriten zu betrachten. So gesehen wird das scheidende Licht als ein ritueller Tod gefeiert. Dies geschieht an Samhain. Zur Wintersonnenwende kehrt das Licht zurück und vermählt sich alle Jahre wieder mit der Erde. Diese Heilige Hochzeit wird im Frühling gefeiert zu Beltane Anfang Mai, genau ein halbes Jahr später. Durch das Licht wird die ERde fruchtbar und bringt viele Kinder hervor, die uns Menschen ernähren. Auch die Gankerl in den Perchtenumzügen haben Anzüge aus Getreidegarben und Stroh. Auch sie stehen für die Bitte für eine gute Ernte im neuen Reifezyklus.

 

Alte Energien austreiben

Die Gankerl haben aber noch eine ganz wichtige Bedeutung. Das Auskehren der Hexe mit ihrem Besen symbolisiert das Saubermachen, Groß Reinemachen, das wir gerade schon vorgeschlagen habe zu dieser Zeit vor Weihnachten. Kehrt sie raus, die ganzen alten Energien und schafft Platz für viel Neues, Inspirierendes, Wunderbares und lange Erträumtes. In diesem SInne grüße ich Euch und hoffe, dass ihr noch jede Menge gutes Karma mit meinem Karmakalender ansammeln könnt.

Hier habe ich ausführlicher über die Perchtenläufe im unteren Inntal berichtet und hier, nochmal mit anderen Fotos, im Adventskalender 2015 der Kellerbande erfahrt ihr auch noch was über diese Traditionen aus dem Alpenraum.

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