Der Jahreskreis für Familien

Jahreskreis für Familien: Spuren lesen im Winterwald

Zum Abschluss des Jahres schreibe ich über mein Herzensthema, den Jahreskreis für Familien. Ich finde das Leben im Rhythmus des Jahreslaufs unglaublich wichtig für die Struktur unseres Familienalltags. Struktur brauchen die Kinder ebenso wie wir Erwachsenen.

Struktur und Rhythmus geben Halt, Sicherheit und Geborgenheit. Gerade im Herbst und Winter ist der Jahreskreis für Familien sehr greifbar. Mit dem Rückzug in unser Inneres schaffen wir Raum für liebgewonne Rituale, die in der Wiederholung ihr hohes Potenzial entfalten. Mit dem Innen meine ich sowohl das persönliche Innen als auch den Innenraum, den die eigene Familie und der Rückzug ins Häusliche uns bietet.

Wir feiern gemeinsam die Feste im Jahreskreis von Samhain und Halloween über St. Martin und Nikolaus bis zur Wintersonnenwende, Weihnachten und dem Jahreswechsel.

Mit Kindern raus in die Natur - Wanderung zur Walderalm

Jahreskreis für Familien als Neujahrsvorsatz

Jedes Jahr nehme ich mir vor auch über die Rauhnächte und gute Neujahrsvorsätze, die wir mit den Kindern in der Silvesternacht gefasst haben, den Jahreskreis mit den Kindern zu zelebrieren.

Aber ich muss zugeben, abseits der großen Sonnwendfeste sowie Weihnachten und Ostern fällt mir das nicht immer leicht. Vor allem im Frühling und im Sommer, wenn mein Innerstes nach Außen drängt, um die Welt Jahr für Jahr neu für mich zu entdecken, vergesse ich den Jahreskreis.

Im März und April fällt es mir noch sehr leicht, den Jahreskreis mit den Kindern zu erleben. Ich gehe gerne in den Wald, um die ersten Vorboten des Frühlings aufzuspüren. Kinder erleben den Wechsel der Jahreszeiten besonders intensiv. Sehr hilfreich auf der Suche nach dem Jahreskreis für Familien ist ein Garten oder ein Park mit ein paar versteckten Beeten. Ein paar Töpfe auf dem Balkon bieten auch Platz für ein paar Saaten, aber die Freude ist viel schneller vorbei. In einem wilden Garten oder einem Park, mit naturbelassenen Ecken, bietet eine große Menge mehr Raum für Naturbeobachtungen.

Kalender- und Buchrezensionen

Seit die Kinder größer sind, bleibt viel weniger zeit für Naturerleben, was ich sehr bedauere. Daher finde ich Kalender schön, die mich imt ihnen gemeinsam an den Wandel der Jahreszeiten erinnern. Die schwedische Autorin Elsa Beskow hat Bilderbuch-Klassiker wie “Die Wichtelkinder” oder “Oles Reise zu König Winter” geschrieben. Diese und andere antroposophische Bilderbücher zu den Jahreszeiten sind beim Verlag Freies Geistesleben/Urachhaus erhältlich. In diesem Wandkalender hat der Verlag Urachhaus zwölf zu den Jahreszeiten passende Bilder aus ihren Werken mit Zitaten und viel Platz für eigene Erinnerungen vereint.

Leben im Rhythmus der Mondin

Für mich war der Mond schon immer weiblich. La luna – die Mondin. Mit ihrer Hilfe hoffe ich dieses Jahr ganzjährig im Einklang mit dem Jahreskreis zu leben.

Damit ich mich auch nach dem Frühling an den Jahreskreis erinnere, benutze ich dieses Jahr nicht nur meinen inneren Kalender. Beim Verlag Urachhaus bin ich auf einen Sternen- und Planetenkalender für 2022 gestoßen. Liesbeth Biesterbosch hat in dem großformatigen, aufklappbaren Wandkalender den Weg der Mondin entlang den Sternen des Tierkreises aufgezeichnet. Enthalten sind große Karten des Abendhimmels, dazu KArten den Sternenhimmels um Mitternacht und vor Sonnenaufgang. Sie geht auf Planeten- und Mondkonjunktionen sowie besondere Himmelsereignisse ein.

Liesbeth Bisterbosch betrachtet die Bewegungen der Mondin vor dem Hintergrund historischer sumerischer, babylonischer und griechischer Beobachtungen, die den Kalender mit zahlreichen Aspekten bereichern. Das ist auch deshalb so interessant zu beobachten, weil die Mondin in den nächsten Jahren sowohl sehr hohe Bahnen (höher als die Junisonne) als auch sehr tiefe zieht. Wenn die große Mondscheibe tiefer als die Dezembersonne steht, stelle ich mir das sehr beeindruckend und nah vor.

Der Kalender wird mir bei der bewussten Beobachtung helfen: Es sind etwa Uhrzeiten vermerkt, wann der Mond wie nah zu sehen ist. Mit der Beschäftigung mit den Mondphasen und dem Nachthimmel möchte ich den Jahreskreis für Familien auf eine ganz andere Weise als durch Wald und Kräuter für uns erfahrbar machen.

Wenn ich als Elter bewusst lebe, bekommen das auch meine Kinder mit. Denn natürlich erzähle ich ihnen über meine Leidenschaften und Hobbies. Mein Verhalten prägt ihren Alltag.

Persönliche Arbeit im Jahreskreis

Deshalb liegt mir persönliche Weiterentwicklung am Herzen. Lange Zeit bevor ich Kinder hatte, befand ich mich auf einer sehr prägenden Reise auf einer einsamen Insel Thailands. Ich war alleine gereist und in einem Hostel auf ein Buch Rudolf Steiners gestoßen. “Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?” stand da auf einem unscheinbaren Band in einem großteils englischsprachigen Buchregal einer Backpacker-Herberge. Ich nahm das Büchlein mit auf die nächste Insel. In einem kleinen, stillen Paradies übte ich die Meditationen und schaute tropischen Blüten beim Verwelken zu, um mir Vergänglichkeit vor Augen zu führen.

Meditation und persönliche Arbeit sind wichtige, spannende und bereichernde Themen, die mich seitdem nicht mehr losgelassen haben. Genau passend kommt in diesen schwierigen und nervenaufreibenden Zeiten eines neues Bändchen aus dem Verlag Freies Geistesleben (Edition falter) über die zwölf Monatstugenden nach Steiner. Über diese lohnt es sich Monat für Monat im Jahreskreis zu meditieren. Auf diese Weise können wir sie in unserem Leben berücksichtigen.

Meditationen im Jahreskreis

Früher hätte mich schon das Wort Tugend abgestoßen. Es klingt langweilig und spießig. Doch hört mal, was sich dahinter verbirgt:

Der November wandelt Geduld zu Einsicht. Im Dezember wird Gedankenkontrolle – im Sinne von “Hüte Deine Zunge” zu Wahrheitsempfinden. Januar macht Mut zu Erlöserkraft und der Februar Diskretion und Verschwiegenheit zu Meditationskraft. Der März verwandelt Großmut zu Liebe. Im April wird Ehrfurcht zu Opferkraft; inneres Gleichgewicht im Mai zu Fortschritt. Ausdauer und Durchhaltevermögen wandelt sich im Juni zu Treue. Selbstlosigkeit wird im Juli zu Katharsis und im August Mitleid zu Freiheit. Der September wandelt Höflichkeit zu Herzenstakt un der Oktober Zufriedenheit zu Gelassenheit.

Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, lest bei Rudolf Steiner nach. Für einen einfacheren Zugang bietet sich das Büchlein von Jean-Claude Lin “Die Monatstugenden – Zwölf Meditationen” an. Zwölf Autoren entwicklen und beleuchten darin nacheinander die Monatstugenden und die sich aus ihnen ergebenden höheren Fähigkeiten des Menschen. Danke für diese Impulse zur eigenen meditativen Arbeit im Jahreskreis.

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