Persönlicher Blog von Verena M. Wagner

Lust, Intimität, Sexualität, Selbstbefriedigung

Viele Menschen erleben ihren Alltag als dauerhaft fordernd. Zwischen Arbeit, Familie und mentaler Belastung bleibt wenig Raum, um innezuhalten und den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen. Entspannung wird oft auf passive Methoden reduziert. Dabei kann aktive Körperwahrnehmung ebenso regenerierend wirken. Lust spielt dabei eine Rolle, die häufig unterschätzt wird.

Dein Körper: Selbstliebe und Selbstfürsorge

Wer sich Zeit nimmt, ohne Ziel oder Erwartung mit dem eigenen Körper in Kontakt zu treten, schafft einen Moment der Ruhe. Berührungen sind heilsam! Das gilt auch für liebevolle Berührungen in der Dusche und vor dem Spiegel, sich selbst in den Arm nehmen, sich streicheln, sich ein Lächeln schenken und Selbstmassagen. Hier findest du die Anleitung für eine entspannende Gesichtsmassage und die Ganzkörpermassage: Goddess Rinse.

Aufmerksamkeit, Atmung und Berührung kommen zusammen und ermöglichen es, aus dem Gedankenstrom auszusteigen. Dieser bewusste Fokus auf den Körper kann dir helfen, Stress abzubauen und wieder mehr bei sich selbst anzukommen.

Nimm dir für deine Auszeit mit dir selbst ausreichend Zeit. So als ob du ein Date mit dir selbst hast! Gestalte deinen eigenen Raum, zünde eine Kerze an, Räucherstäbchen. Schaffe eine freundliche Atmosphäre, in der du gut entspannen kannst. Nimm ein Bad, mach dir deine Lieblingsmusik an. Achte darauf, dass dich niemand stört und schreibe deine Dates mit dir selbst am besten regelmäßig in den Kalender.

Fokus auf die Bedürfnisse deines Körpers

Gerade in stressigen Lebensphasen verliert man oft den Zugang zu den eigenen Bedürfnissen. Der Körper sendet Signale, die jedoch übergangen werden. Achtsamkeit heißt auch, auf dich und deinen Körper gut aufzupassen.

Wenn du dich etwa selbst mit einem duftenden Körperöl am ganzen Körper massierst, streichelst und einreibst, entdeckst du deine erogenen Zonen. Selbstmassage darf nicht nur verspannte Muskeln lockern, sie kann dich darüber hinaus stimulieren, erregen und dir Lust verschaffen.

Lust und Vielfalt der Vulva: Das Tor ins Leben
Foto aus dem Bildband: Das Tor ins Leben von Grit Scholz

Das ist ein schönes, befreiendes Gefühl und du darfst es dir gönnen, so oft du willst!

Selbstbefriedigung ist noch immer mit Scham oder Unsicherheit behaftet. Dabei kann sie eine Form von Selbstfürsorge sein. Lustvolle Berührung hilft dir dabei, die Verbindung zu dir selbst, deinen Gefühlen und deinem Körper, wiederherzustellen. Sie wirkt regulierend auf das Nervensystem. Nebenbei ist sie imstande, Gefühle von Sicherheit und innerer Stabilität zu fördern. Viele Menschen berichten, dass sie sich danach klarer, ruhiger und emotional ausgeglichener fühlen.

Intimität in einer längeren Beziehung und/oder für Eltern

Auch Partnerschaften verändern sich, wenn der Alltag dominiert. Besonders Elternpaare erleben häufig, dass Nähe und Sexualität in den Hintergrund rücken. Gespräche drehen sich um Organisation, Verantwortung und Termine. Intimität entsteht jedoch nicht aus Planung, sondern aus Präsenz. Kleine Momente von Nähe, bewusste Berührungen oder gemeinsames Innehalten können helfen, Verbindung wieder aufzubauen.

Sex in solchen Phasen muss nicht leistungsorientiert sein. Im Gegenteil. Wenn Erwartungen reduziert werden, entsteht oft Raum für echte Nähe.

Nutzt diese Nähe, die ihr miteinander habt! Nur du selbst bist in der Lage, über sexuelle Bedürfnisse zu sprechen. Erzähle deinem Gegenüber davon, was du brauchst, wonach du dich sehnst. Wovon träumst du? Was würdest du gerne einmal im Bett ausprobieren? Indem du intime Vorstellungen aussprichst, können sie Realität werden. Damit schaffst du nicht nur einen heiligen Raum, der nur euch gehört. Durch das Reden über Sex gibst du Intimität und Lust ihre Chance wieder Einzug zu halten. Ebenso hilfreich sind sinnliche Berührungen, erotische Bilder und Bücher. So kommt frischer Wind in eine schal gewordene, vom Alltag abgenutzte Paarbeziehung.

Lust darf langsam sein, leise und ohne Druck.

Sexualität und Lust sind dann weniger ein Ereignis und mehr ein Prozess. Für viele Paare bietet diese Erkenntnis eine neue, entlastende Perspektive auf Intimität.

Ein offener Umgang mit Sexualität schließt auch Neugier ein. Bedürfnisse verändern sich im Laufe des Lebens, ebenso wie das eigene Körpergefühl. Manche Menschen nutzen Hilfsmittel, um ihre Wahrnehmung zu vertiefen oder neue Impulse zu setzen. In diesem Zusammenhang taucht gelegentlich der Name Amorelie auf, eingebettet in Gespräche über moderne Sexualkultur und einen selbstbestimmten Zugang zu Lust. Wichtig ist dabei nicht die Quelle, sondern die bewusste Entscheidung für das eigene Wohlbefinden.

Körperkontakt gibt dir Erdung. In Momenten intensiver Körperwahrnehmung bist du absolut präsent. Du bist nur im Hier und Jetzt. Nimmst den Augenblick wahr. Das ist die beste Voraussetzungen zum Glücklichsein. Gedanken an Verpflichtungen, To Dos, Alltagskram treten in den Hintergrund. Diese Präsenz wirkt ähnlich wie die bei Sport, Yoga oder in meditativen Praktiken. Sie kann Burnouts vorbeugen und dir helfen, Stress und innere Unruhe zu reduzieren. Der Körper wird zum Anker im Hier und Jetzt.

Lust und Vielfalt der Vulva: Das Tor ins Leben
Foto aus dem Bildband: Das Tor ins Leben von Grit Scholz

Tools für mehr Lust und Leidenschaft

Der Begriff Sexspielzeug wird zunehmend enttabuisiert. Tools für mehr Lust und Leidenschaft sind OK und kein Grund sich zu schämen! Intime Hilfsmittel sind nicht als Ersatz für Nähe gedacht. Sie sind eine Einladung und wunderbare Möglichkeit, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Für immer mehr Menschen gehört dies zu einem reflektierten Umgangs mit Sexualität, frei von Leistungsanspruch oder Vergleich. Entscheidend ist immer, was sich stimmig für dich oder für euch anfühlt.

Denn Sexspielzeug kannst du für dich alleine verwenden, genauso gut aber zu zweit. Ebenso wie ihr euch eure intimsten Fantasien erzählen könnt, ist es vielleicht spannend etwas Neues und Erregendes zusammen auszuprobieren.

Bewusste Körpererfahrungen – alleie oder mit anderen – wirken defintiv erholsam und entschleunigend. Lust, achtsam erlebt, setzt Energie frei und hilft dir zu entspannen. Sie ist kein Luxus, sondern ein natürlicher Teil menschlicher Selbstfürsorge. Rekreation bedeutet nicht immer Rückzug oder Stillstand. Stille und Alleinsein, Zeit mit sich selbst hat ebenso seine Berechtigung, braucht einen angemessenen Raum wie Spiel, Freude und die Neugier auf anregende, lustvolle Erfahrungen.

Lust und Vielfalt der Vulva: Das Tor ins Leben
Foto aus dem Bildband: Das Tor ins Leben von Grit Scholz

Am Ende geht es darum, dem eigenen Körper wieder zuzuhören. Lust darf Raum haben, ohne bewertet zu werden. Sie kann unterstützen, stabilisieren und verbinden, mit sich selbst und mit anderen.

Fotos: Grit Scholz für LebensGut Verlag, Charles Deluvio, Jan Kopriva, Malvestida / Unsplash

Von Verena

Häuptling Spitze Feder – Yogini – Andersreisende – Journalistin – auch bekannt als die Römerin, daher Allesfresser und bekennende Slow Foodista, die die vegane Küche zu schätzen weiß! Gegen den Strom schwimmende hipster Mom von drei Glückskeksen, stolze Zwillingsmami, Wahltirolerin, Landei mit voller Absicht und dennoch: Subkultur, Party und "Urlaub im Büro" müssen sein!