FoodCoop – was ist das? Nachhaltig leben lernen.

Jeder hat seine Kiste: Wenn ich in die Speisekammer komme, ist das Gemüse meist schon von der Hauptorganisatorin Michi in Kisten aufgeteilt.
Meine Kiste steht schon zur Abholung bereit.

Nachhaltig leben: bewusst, klimaneutral, fair, regional, saisonal, plastikfrei zu leben … das wären so die Ansprüche die ich an mich selbst und an meine Familie habe. Aber das zu leben ist gar nicht so einfach wie es vielleicht klingt. Ich versuche es schon seit vielen Jahren und scheitere immer wieder an der Vereinbarkeit von der Befriedigung der Bedürfnissen, die ständig in mir von der Konsumgesellschaft geweckt werden, und dem bewussten Verzicht, der mit einem nachhaltigen Lebensstil einher geht.

Aber ich finde auch immer wieder neue Wege und Möglichkeiten, meinen ökologischen Fußabdruck zumindest etwas zu reduzieren. Deshalb bin ich nun seit ein paar Monaten Mitglied beim FoodCoop „Speisekammer Schwaz„.

Mitten im Zentrum von Schwaz findet sich das Vereinslokal der Speisekammer. Ich reise mit dem Auto an, weil der Weg zu weit ist. Aber manche kommen auch mit dem Rad.

Ein FoodCoop, was ist das? Ein FoodCoop ist ein Zusammenschluss von Menschen, die nachhaltig leben und bewusst eine Alternative zur Lebensmittelproduktion und dem damit verbunden Handel schaffen wollen. Lebensmittel werden direkt von Bauern oder Privatpersonen aus der Region bezogen, Konsumenten und Produzenten begegnen sich auf Augenhöhe und stehen in direktem Austausch.

Organisiert sind wir in einem Verein. Einkaufen können deshalb nur Mitglieder der „Speisekammer Schwaz“. Als Mitglieder können wir direkt mitentscheiden, welche Produzenten nach welchen Kriterien für uns liefern können. Es gibt regelmäßige Austauschtreffen von Mitgliedern und Produzenten sowie Besuche zu den „Produktionsstätten“ für alle Interessierten nachhaltig leben zu lernen. In erster Linie natürlich Bauernhöfe.

 

Wie funktioniert die Speisekammer?

Die Lieferanten bringen die Lebensmittel gesammelt. Im Vereinslokal werden diese dann gewogen und nach Bestellung verteilt. Es gibt auch eine Getreidemühle vor Ort.

Grundsätzlich läuft es so, dass wir die Waren immer von Freitag bis Dienstag über einen Online-Shop nur für Mitglieder bestellen können. Am Freitag ist dann immer Ausgabetag und wir können die Waren direkt in Schwaz in den Räumlichkeiten des Vereins abholen. Bezahlt wird im Nachhinein. Für die Bauern hat es den Vorteil, dass sie immer im Vorhinein genau wissen, wie viel sie produzieren müssen. Das bedeutet sie können genau kalkulieren. Für uns Konsumenten hat es den Vorteil, dass wir nicht die Katze im Sack kaufen, sondern mitbestimmen können nach welchen Kriterien wir einkaufen wollen. So hat zum Beispiel ein Lieferant bereits unseren Wünschen entsprochen und füllt sein Joghurt in Gläsern ab. Plastikbecher adé.

Nachhaltig leben: Wertschöpfung bleibt im Land

Aber nicht nur Lebensmittel stehen auf der Liste der Waren. Auch Waschmittel und Hygieneartikel aus biologischer Herstellung oder andere zweckdienliche Haushaltswaren wie Biomüllsäcke made in Schwaz kann man beziehen. Der Großteil der Waren kommt aus der direkten Umgebung oder zumindest aus Tirol. Nur besondere Schmankerln wie Parmesan aus Italien oder Olivenöl aus Griechenland wird von Vereinsmitgliedern in Großlieferung von Heimaturlauben mitgebracht. Aber auch da wird darauf geachtet, dass die Waren von Bauern aus der Direktvermarktung stammen, die Wertschöpfung vor Ort bleibt und die Umwelt so wenig wie möglich belastet wird. Sprich: Parmesan gibt es nur dann, wenn Chiara ihren Papa besuchen fährt. Und da kann man dann vorbestellen.

 

 

Was werfe ich weg: Lebensmittel oder den eigenen Idealismus?

Wie lange kann ich wohl noch Bohnen bestellen?

Bei dem Treffen letzte Woche diskutierten wir darüber, was nun sinnvoller ist, um die Gemüseversorgung über die Wintermonate sicher zu stellen. Denn unsere Lieferanten werden langsam aber sicher nicht mehr in der Fülle liefern können, wie wir es nun gewohnt waren. Zur Auswahl steht aber das sogenannte „Karaktergemüse“, welches die Supermärkte nicht nehmen und von den großen Händlern stammt. Wir hätten die Möglichkeit, dieses zu beziehen.  Oder nehmen wird doch lieber nur das Lagergemüse von den kleinen bekannten Zulieferern, mit dem Risiko, dass ab Februar unter Umständen nichts mehr geliefert werden kann? Was ist moralisch wertvoller? Gemüse zu konsumieren, das aus konventionellen Anbau stammt, und weggeworfen wird, wenn es niemand haben will? Geliefert von den größten Gemüsebauern des Landes, von denen öffentlich bekannt ist, dass sie rumänische Saisonarbeiter ausbeuten? Dafür aber mehr Auswahl an Gemüse während der Wintermonate. Oder nur die eingelagerten Vorräte an Kartoffeln, Karotten, Kraut, Rohnen (Rote Bete) und anderem Wintergemüse, das wenig Abwechslung verspricht und früher oder später sicher zu wenig für alle wird, aber immerhin einen geringen moralischen und ökologischen Klimaabdruck hat? Die Diskussion ist spannend und zwiegespalten. Lebensmittel wegwerfen versus einer Grundhaltung der Mitbestimmung und Ernährungssouveränität treu bleiben – da treffen Pragmatiker auf Idealisten.

Süßkartoffeln aus Tirol

Da freut sich mein kulinarisches Herz: Süßkartoffeln aus Tirol! Was für ein tolles Angebot. Findet man in keinem Supermarkt!

Für mich zeigt diese Diskussion, wie schwierig es manchmal sein kann, nachhaltig leben zu lernen. Ein ständiges Abwägen der Wertigkeiten. Für mich persönlich ist es immer wieder ein Kompromiss. Ich versuche so gut wie möglich für mich und meine Familie einen guten Weg zum nachhaltig leben zu finden, kaufe aber trotzdem auch aus pragmatischen Gründen im Supermarkt ein.

Denn ganz auf alles verzichten kann und will ich nicht. Aber immerhin entdeckt man über die Speisekammer Lebensmittel, von denen ich nie gedacht hätte, dass diese in Tirol angebaut werden. Denn seit kurzen gibt es nun auch Süßkartoffeln im Sortiment. Wer hätte das gedacht – nachhaltig leben im Tiroler Unterland wird einfacher!

Über die Versuche Plastik zu sparen, auch ein wichtiger Ansatz um nachhaltig leben zu können, gibt es folgende Artikel: besser leben ohne Plastik – ein Selbstversuch nachhaltig leben zu lernen.

Nachdenken über Plastik

Ideen zum selber machen statt kaufen (Blogparade)

nachhaltige Stoffwindeln

nachhaltiger Familienurlaub

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