Rückkehr des weiblichen Prinzips: Zusammenleben neu gedacht

Schöne Momente im April - rückkehr des weiblichen Prinzips

Buchrezension Die Rückkehr des weiblichen Prinzips

Der Roman „Die Rückkehr des weiblichen Prinzips – Die stille Sehnsucht der Menschheit“ ist im August 2020 im Lebensgut Verlag erschienen. Es handelt sich bereits um die vierte Auflage des Werkes der Autorin Inaqiawa, einer deutschen Heilerin und Schamanin. Sie hat ihr Buch über die Notwendigkeit der Rückkehr des weiblichen Prinzips erstmals vor zehn Jahren veröffentlicht. Angesichts des Interesses, aber auch der immer bedrohlicher werdenden Ausmaße der Klimakatastrophe hat sie es für die neue Ausgabe überarbeitet und mit einem neuen Schluss versehen.

Seit vielen Abenden lese ich an diesem bemerkenswerten Buch. Ein Roman ist es für mich nicht. Dafür fehlen die grundsätzlichsten Regeln wie “Show, don’t tell”. Das muss ich als Literaturwissenschaftlerin einfach feststellen. In der Geschichte passiert sehr wenig auf der Handlungsebene. Aber trotzdem ist das Buch so spannend, dass man es nicht mehr aus der Handlegen will. Die Protagonistin Merlina beschäftigt sich mit unserer Welt, die für sie 50 Jahre in der Vergangenheit liegt. Anhand von Gesprächen und Filmen erfährt der Leser aus der Perspektive einer schönen, neuen Welt, die auf der zyklischen Weisheit des weiblichen Prinzips beruht, von den Missständen und Problemen unserer jetzigen Welt.

Die Perspektive von Menschen einzunehmen, deren Bewusstsein erweitert ist und die unsere Welt voller Kriege, Gewalt, Hungersnöte, Umweltzerstörung, patriarchaler Machstrukturen und linearem Fortschrittsdenken nur mit Unverständnis und Fassungslosigkeit betrachten können, ist erhellend.

Auch wenn den meisten LeserInnen bestimmt viele Fakten zu Umweltzerstörung, Ausbeutung der 3. Welt und Ungerechtigkeiten in Genderfragen bekannt sind und sie die momentanen Zustände ebenso ablehnen, gelingt der Autorin etwas Beeindruckendes.

Sie macht Mut und verbreitet Zuversicht. Ja, es lohnt sich weiter zu kämpfen. Ja, es kommt auf jede Einzelne und jeden Einzelnen an! Nur gemeinsam können wir die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern, die Ernährungswende vorantreiben und die Entscheider in der Politik beeinflussen.

Warum es ohne die Rückkehr des weiblichen Prinzips nicht funktioniert

Inaqiawa geht aber viel weiter: Sie hält es nicht für möglich, sinnvolle Änderungen INNERHALB unserer Gesellschaft zu erreichen. Ihr fehlt das weibliche Prinzip. Das lineare Wirtschaftsgebaren hin zu immer noch mehr Fortschritt, maximalem Gewinnstreben und Steigerung, Wettbewerbsdenken und Machtgebaren, Egoismus und die daraus entstehende vollständige und irreversible Zerstörung unserer Umwelt, der Natur und des Planeten, die sich immer weiter öffnende Schere zwischen ganz wenigen Erfolgreichen und Mächtigen auf der einen und einer zunehmenden Zahl an unmündigen Verlierern der Globalisierung sind die Schattenseiten des patriarchalen Denkens.

Seit Jahrtausenden gibt es keine Balance mehr zwischen dem weiblichen und den männlichen Prinzip. Die Autorin wünscht keine Abschaffung von letzterem, sondern möchte das Gleichgewicht wieder herstellen. Im Buch gelingt das durch einen radikalen Umbruch, indem die Frauen sich zusammen schließen und gemeinsam aus dem bestehenden System aussteigen. (Sehr aktuelles Thema angesichts der hohen Quote von Frauen in systemrelevanten Berufen, wie uns die Corona-Krise gezeigt hat, nicht?)

Schnell schließen sich auch viele gleichgesinnte Männer den Aussteigerinnen an. Dann hilft die Natur selbst nach, indem die neuralgischen Kipppunkte, vor denen Klimaforscher und Wissenschaftler seit Jahrzehnten warnen, plötzlich gleichzeitig und mit voller Wucht über die Menschheit hereinbrechen. Dies geschieht weltweit in Form von verheerenden Überschwemmungen ganzer Städte und Landstriche.

All diese dramatischen Umwälzungen werden nur in Rückblenden erzählt. Genau hier wäre das Drehbuch für einen spannenden Film anzusetzen.

Regenwetter in den Bergen

Heilsame Botschaften

Die spärliche Handlung ist aber ganz offensichtlich bewusst gewählt und dient als bloßer Rahmen für die Botschaften der Schamanin Inaquiawa. Doch diese haben es in sich! Was sie zu sagen hat, war und ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes HEILSAM.

Es tut so gut, zu lesen, wie unsere Welt und unser Zusammenleben auf unserem wunderbaren Planeten sein KÖNNTE! Es hilft mir wirklich sehr, dass einfach einmal jemand aufgeschrieben hat, wie alles zusammenhängt und wie alles sein könnte, würden wir in einer Gemeinschaft leben, die nach dem weiblichen Prinzip funktioniert.

Die hier projizierte Gemeinschaft von Frauen und Männern sorgt gut für ihre Alten und Kinder, für Tiere und Pflanzen.

Zeit für Dich allein: Warum Dir eine Schwitzhütte helfen kann

 

Viele neue Ansätze und Konzepte, die es heute bereits gibt, sind feste Bestandteile dieser Zukunftsvision: Gemeinwohlökonomie, Zusammenleben in Mehrgenerationenhäusern, Selbstversorger und ein respektvoller Umgang mit der Natur, neue Formen von Schuleund Zugänge zu Bildung sowie lebenslanges Lernen, Cradle to Cradle-Prinzip oder Bewusstseinserweiterung, Achtsamkeit und Meditation.

Dieses Buch lohnt sich für alle Menschen, die angesichts der Ungerechtigkeiten und des Stillstandes unserer Gesellschaft verzweifeln. Das betrifft unzählige, miteinander verknüpfte Bereichen wie Umweltschutz, Klimakrise, Armutsbekänpfung, Welternährung, Gleichberechtigung und Genderfragen, Grundeinkommen und Ernährungswende, fairer Handel, artgerechte Tierhaltung und biologischer Landwirtschaft, um nur einige zu nennen.

Nicht aufgeben! Weitermachen!

Verlinkt in der Lieblingsstücke-Kollektion

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