Alte Gemüsesorten und Heilkräuter – Biodiversität in der Klimakrise

Alte Gemüsesorten und Heilkräuter

Willst Du alte Gemüsesorten und Heilkräuter in deinem Garten oder auf dem Balkon anpflanzen? Hier erfährst du mehr über alte Gemüsesorten und Heilkräuter, wie und wann Du sie selbst ansäen kannst und warum Biodiversität und Sortenvielfalt so unglaublich wichtig ist.

Werbekooperation

Der Verein Arche Noah setzt sich seit über 30 Jahren für alte Gemüsesorten und Heilkräuter sowie Pflanzen, die zunehmend in Vergessenheit geraten, ein. Gegründet wurde der österreichische Verein auf Initiative von GärtnerInnen, BäuerInnen und JournalistInnen, die das Saatgut als Grundlage unserer Ernährung wieder in eigene Hände nehmen wollten. In den letzten 120 Jahren ist die Vielfalt unserer Kulturpflanzen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft weltweit um 75% (!) zurückgegangen (Details zum Verlust der Vielfalt)! Heute gefährden Gentechnik, Saatgut-Monopole, der Klimawandel, aber auch andauernde Kriege die Artenvielfalt.

Schnittknoblauch mit essbaren Sternblüten & Portulak

Arche Noah kooperiert mit SPAR wie früher. Dort gibt es daher Saatgut für zahlreiche alte Gemüsesorten und Heilkräuter, die prima im eigenen Garten, im Hochbeet oder in Kübeln auf der Terrasse gedeihen. Das samenfeste Bio-Saatgut stammt von ReinSaat. Für die Samentütchen arbeitet das Unternehmen mit Bio-Raritätensatgut-Produzentinnen zusammen, wie der Bäuerin Gabriele Schreiber aus Niederösterreich. Alle neu entdeckten und revitalisierten Sorten sind in Bio-Qualität. Hier oben im Foto seht ihr Schnittknoblauch, der wundervolle sternförmige Blüten hervorbringt.

Ganz oft kommt es vor, das Gemüse, wie zum Beispiele Lauchgewächse, wunderschön dekorativ sind. Wozu brauche ich Ziergewächse, wenn ich mit Nutzpflanzen eine ebenso schöne Zierde und Augenweide anpflanzen kann? Knoblauch und zwiebelgewächse sind übrigens auch noch gut für das Erdreich und alle anderen Gartenbewohner. Sie sorgen für einen guten humosen Boden und halten Schädlinge fern. Gute Partner im Beet sind zum Beispiel Erdbeeren.

Der Schnittknoblauch (Alium tuberosum) ist eine mehrjährige Pflanze, die ähnlich wie Schnittlauch wächst, aber mild nach Knoblauch schmeckt, etwa auf einem Butterbrot. Auch die Blüten sind essbar. Direkt ins Freiland gesät werden kann von März bis Juni. Geerntet werden kann laufend. Alle drei bis vier Jahre sollten die Stöcke geteilt und versetzt werden.

Sehr gespannt bin ich auf diesen Portulak aus Spanien. Während ich den Knoblauch wohl erst nächsten März oder evtl. im Herbst noch aussäen werde, habe ich hier Samen für eine zweite Ansaat, wenn meine Beete abgeerntet sind. Die Direktsaat ist möglich von Mitte Mai bis August. Die aufrecht wachsende Gartenform des Sommerportulak (Portulaca oleracea ssp. sativa) hat besonders große und dickfleischige Blätter. Diese haben einen saftigen, fein säuerlichen Geschmack. Geeignet sind sie als Salatbeigabe oder gehackt für kreative Aufstriche. Das anspruchslose Gemüse kann bereits nach ca. einem Monat laufend geerntet werden.

Alte Karotten und Kohlrabisorten – für mehr Biodiversität

Die orange Karotte mit dem lustigen Namen “Lange Loiser” ist lang und bis vier Zentimeter dick! Die süßlich aromatischen Rüben sind sehr fest und gut lagerfähig. Sie schmecken pur, gekocht und eignen sich gut für Salate und Säfte. Gepflanzt wird Anfang März bis Anfang Juni und geerntet ab Juli. Bis so dicke Karotten herangewachsen sind, dauert es seine Zeit. Das solltet ihr bei der Belegung der Hochbeete unbedingt mit einplanen. von März bis Juli sind es ganze vier Monate!

Mein Tipp: So früh wie möglich anpflanzen, denn im März und April gibt es noch keine Raupen und Schnecken oder sie sind so miniklein, dass sie nicht stören. Wenn es noch mal friert im Frühjahr, ist das Karotten und Salaten egal. Sie wachsen dan nur etwas langsamer.

Während der dreiwöchigen Keimzeit immer schön feuchthalten. Die Erde darf auf keinen Fall austrocknen. Wichtig ist auch, dass ihr die Karotten mit Abstand sät. Sie sollten sieben Zentimeter Abstand zur nächsten Pflanze bekommen, damit sie schön dick wachsen können.

Dieser wunderbare Kohlrabi mit dem Namen “Blauer Speck” kommt bei mir wohl eher ins Gewächshaus, denn er ist sehr wärmebedürftig und brauch Regenschutz. Der wunderbar blaulila leuchtende Kohlrabi eignet sich sowohl für die Frühjahrs- als auch für eine Herbsternte. Die in Österreich heimische Sorte produziert große, plattrunde und zartfleischige Knollen.

Die Samen müssen wenige Tage nach der Keimung in Einzeltöpfe umgepflanzt werden. Fünf Wochen nach der Aussaat kann auf etwas Kompost gepflanzt werden. Die anspruchsvolle Pflanze mag Mulch und lockeren Boden. 100 Tage nach der Aussaat ist die Ernte bis in den November möglich.

Alte Gemüsesorten und Heilkräuterim Stauden- und Bauerngarten

Für mich neu entdeckt habe ich das Pizzakraut oder Oswegokraut (Monarda fistulosa ssp. menth.). Die Stauden sind wunderschön in jedem Bauerngarten und eignen sich – wie so viele Heil- und Küchenkräuter – perfekt als Bienenweide. Die jungen Blätter schmecken aromatisch als Gewürz in Eintöpfen, Bohnen und für Pizza. Gepflanzt wird im April und Mai an einen sonnigen Standort. Im Frühjahr können die Stauden durch Teilung vermehrt werden. Die passen prima zu meinem Projekt bienenfreundlicher Staudengarten.

Warum brauchen wir alte Gemüsesorten und Heilkräuter?

Warum sind Biodiversität sowie der Erhalt der verbliebenen Sorten so unglaulich wichtig? Artenvielfalt ist unser großer Reichtum und eine Geheimwaffe im Kamp gegen die Klimakatastrophe. Biodiversität stellt sicher, “dass unsere Landwirtschaft sich an veränderte Umweltbedingungen – Stichworte Klimawandel, neue Krankheiten oder Schädlinge – anpassen kann. Und dass auch für entlegende Gegenden und extreme Bedingungen geeignete Kulturpflanzen zu Verfügung stehen – eben überall dort, wo Menschen leben und sich ernähren wollen”, so formulieren es die Experten von Arche Noah.

Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob wir auf 2.000 oder 20 Apfelsorten zurückgreifen können. Nicht jeder Apfelbaum wächst gut bei Trockenheit oder im Bergland. Jede*r Gärtner*In, der*die alte Gemüsesorten und Heilkräuter, die verdrängt und vergessen wurden, wieder anpflanzt, trägt zur Biodiversität bei.

Auch die Ringelblume (Calendula officinalis) ist eine wunderbare Heilpflanze, die Menschen und Insekten gut tut. Sie wird traditionell zur Salben- und Tinkturherstellung genützt, schmeckt aber auch auf Süßspeisen und in Salaten. Die altbekannte Arznei- und zierpflanze ist einjährig, sät sich aber von Jahr zu Jahr selbst aus. Ihr könnt auch einige der Samen im Herbst aufheben und dort wieder ansäen, wo ihr sie haben wollt.

Heilsame Küchenkräuter und Kräutertee aus dem Klostergarten

Wenn ihr keinen Garten habt ode rwenig Zeit, findet ihr die Kräutertees und Kräutermischungen zum Kochen vom Europakloster Gut Aich. Hergestellt werden die Tees und Küchenkräuter für die Seele nach den alten Rezepten von Pater Dr. Johannes Pausch vom Gut Aich in St. Gilgen. Diese stehen in der Tradition von 1500 Kahren Kräuterkultur der Benediktiner-Mönche. Schon so lange kultiviert man auf Klöstern Kräuter, verarbeitet sie und bewahrt das Wissen über alte Gemüsesorten und Heilkräuter.

Die Mischung “Kinderlachen” enthält Ringelblume, Rose, Thymian, Lavendel, 10 % Gänseblümchen, Lindenblüten, Kapuzinerkresse, Melisse, Schlüsselblume, Stiefmütterchen, Schafgarbe, Eibisch, Nachtkerze und Vanille.

Der Kräutermix “Weg mit dem Stress” enthält 15 % Johanniskraut, Majoran, Melisse, Bohnenkraut, Beifuß, Ringelblume, Ingwer, Kümmel, Rosmarin, Kardamom, Muskatnuss, Lorbeer, Dill, Kreuzkmmel, Piment, Anis, Pfeffer, Koriander, Nelken, Chilli, Vanille und Zimt.

Von SPAR wie früher gibt es zudem auch den österreichischen Bio-Knoblauch Edition Stekovics aus Frauenkirchen im Burgenland. Um die Knollen nicht zu verletzen, heben ihn die Erntehelfer behutsam als Ganzes aus der Erde. Dann wird er einige Tage dem Wind auf den Feldern preisgegeben, damit sich die Erde von selbst löst. Dadurch wird er länger haltbar und sein Geschmack intensiver. Dann trocknet er, zu Büscheln gebunden, wochenlang an der Luft. Anschließend erhält er eine weitere Ruhepause. Damit er auch zuhause lange hält: Niemals in den Kühlschrank geben und am besten in seinem luftigen Papiersack lassen. Die Herstellung dieses Lebensmittels zeigt gut, was mit “wie früher” gemeint ist.

Nehmt Euch auf jedenfall genügend Zeit zum Anbauen, Ernten, Kochen und zum Genießen, liebe Leser*Innen.

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