Nachhaltige Babymode: Gründerin im Interview

Heute stelle ich Euch im Interview die Gründerin eines Labels für nachhaltige Babymode vor: Mit Chill n Feel hat Martina mit ihrem Mann vegane, nachhaltige Babymode sowie ebensolche biologischen Kuscheltiere im Programm. Gefertigt wird die nachhaltige Babymode fairtrade in Peru.

Bei diesem Beitrag handelt es sich um keine Anzeige für nachhaltige Babymode. Das Interview gehört in meine Reihe zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Hier geht es um Selbständigkeit als Mutter, Homeoffice als bevorzugter Normalzustand – jetzt natürlich verschärft durch die Coronakrise, in der auch bei Martina die Kinder rund um die Uhr zuhause sind – Unternehmertum und die Gründung eines fairen Modelabels für Babys. Die zweisprachige Familie Sturainer de Cueto hat bayerische und peruanische Wurzeln und hat in der Gründung von Chill n Feel, dem familieneigenen Label für nachhaltige Babymode und Kuscheltiere genau die passende Nische gefunden, um die Qualitäten der Standorte Bayern und Peru zu verbinden.

Ich wünsche Eurem Label für nachhaltige Babymode auch weiterhin viel Erfolg! Es ist toll, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Und: schade, dass meine Kids schon zu groß sind für diese wundervollen peruanischen Kuscheltiere und Puppen! Sie hat auch eine Spendenaktion für das durch die Armut von Covid19 Corona kritisch betroffene südamerikanische Land Peru gestartet: Wer eine Fingerpuppe (6,90 Euro) kauft, spendet ein Essen und hilft bedürftige Familien in Peru mit Essenspakten zu versorgen.

 

Wer bist Du und woher kommst du?

Mein Name ist Martina Sturainer de Cueto, ich bin 36 Jahre alt, glückliche Jungsmama (2, 6) und Ehefrau sowie Gründerin des Faultier Labels Chill n Feel. Wie mein Name bereits verrät, habe ich deutsche Wurzeln und einen spanischsprechenden Mann. Geboren wurde ich in Rosenheim, auf halber Strecke zwischen München und Salzburg. Geheiratet habe ich 2012 in Peru. Nach ein paar Jahren Leben zwischen Peru und Deutschland, sind wir in meiner bayerischen Geburtsstadt sesshaft geworden.

Was willst Du über Deine Familie sagen?

Meine Familie ist großartig, unglaublich herzlich und zeitweise richtig anstrengend. Seit der Geburt unseres ersten Sohnes war es mit der bayerischen Gemütlichkeit vorbei. Unser Miguel war ein sehr schlechter Schläfer und hatte Energie wie ein Duracell-Hase. Sein kleiner Bruder Lisandro, der beinahe 4 Jahre später das Licht der Welt erblickte, machte es uns nur ein klein wenig einfacher; zumindest was den Schlaf anging. Die Babyjahre waren kein Leichtes für mich und doch möchte ich keine Sekunde missen. Denn jeder Tag, jedes Lachen, jede Umarmung, ist ein Geschenk für mich und ich bin unendlich dankbar, so eine liebe Familie zu haben.

Warum und was arbeitest Du?

Kurz nach unserer Hochzeit im Jahr 2012, haben mein Mann Gustavo und ich Chill n Feel gegründet. Ich erinnere mich noch gut an eines dieser stundenlangen Gespräche, in denen sich alles um die Frage drehte, wo wir künftig leben wollten, wie und wovon. Gustavo sah seine Zukunft in Peru, ich in Deutschland und doch war jeder auch irgendwie bereit, seine Heimat für eine gemeinsame Zukunft ein stückweit aufzugeben. Die Vernunft entschied. Wir wünschten uns ein Baby und Deutschland macht es Familien einfach um ein Vielfaches leichter.

Es blieb die Frage, wie wir von Deutschland aus eine Brücke nach Peru schlagen könnten. Und da war sie plötzlich, unsere Geschäftsidee. Wir würden ein Label für nachhaltige Babymode gründen mit Produktionsland Peru.

Chill n Feel (damals noch Mama Ocllo) war geboren. Aus der weltbesten Baumwolle – peruanische Pima Baumwolle – entstand unsere erste Kollektion veganer Bio Babykleidung. Es folgten Bio Kuscheltiere, wie sie noch heute in den Bergen Perus unter fairen Bedingungen gestrickt werden. 2019 kamen hochwertige Stoffpuppen hinzu, die in einer erfahrenen Manufaktur in Lima entstehen; ebenfalls unter fairen Bedingungen.

Seit nunmehr 8 Jahren also führen wir unser eigenes Online-Business, das nicht nur unglaublich viel Freude bereitet, sondern das mir zugleich erlaubt, im Home Office zu arbeiten.

Dein beruflicher Werdegang – bishin zur Gründung Eures fairen Bio-Labels für nachhaltige Babymode!

Ich bin die klassische Quereinsteigerin. Im Anschluss an meine Ausbildung zur Bankkauffrau, holte ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach, ging zur Uni und studierte Romanistik (in Deutschland und Peru). Den Magister in der Tasche absolvierte ich ein Traineeship bei einer Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Lateinamerika.

Über eine Unternehmerreise nach Nicaragua kam ich erstmals in direkten Kontakt mit Bio-Bauern. Damit begann meine Reise in die Welt des fairen, nachhaltigen Handels. Ich arbeitete für Amnesty International in Lima und war einige Monate für Perus größten Exporteur von andinem Bio-Getreide tätig.

Wenige Zeit später saßen wir bei einer deutschen Notarin und unterschrieben unseren Gesellschaftervertrag.

 

Was fällt Dir schwer beim Wechsel zwischen den Welten als Gründerin für nachhaltige Babymode und Mama?

  • Abschalten: es ist manchmal verdammt schwer, das Handy auf offline zu stellen und die offene To Do Liste auf später zu schieben.
  • Akzeptanz: nicht jeder Tag läuft gleich und Pläne lassen sich manchmal einfach nicht so umsetzten wie gewünscht (mal fehlt es an Konzentration, mal kommt ein krankes Kind dazwischen). Dies zu akzeptieren ist nicht immer einfach.
  • Prioritäten setzen: manchmal ist es nicht einfach, die richtigen Prioritäten zu setze. Lese ich meinem Kind eine Gute-Nacht-Geschichte mehr vor oder ist es allerhöchste Zeit, um eine Kundenanfrage zu beantworten.

Interview mit Martina, Gründerin faires Label für  nachhaltige Babymode

3 Dinge, warum Du die Selbständigkeit nicht tauschen wollen würdest!

  • Home Office: ich habe mir immer gewünscht, von Zuhause aus und in unmittelbarer Nähe meiner Kinder arbeiten zu können.
  • Gutes tun: ich hatte schon früh die Vision, etwas Positives zu bewegen auf unserem Planeten. Diese Vision lebe ich seit 8 Jahren, denn ich schaffe Arbeitsplätze in Peru und vertreibe Produkte, die Babys und kleinen Kindern guttun.
  • Lernprozess: ein Unternehmen zu führen ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Es gibt keinen Tag, an dem ich nichts Neues hinzulerne. Dieses Gefühl, nie stehenzubleiben, ist einfach unbezahlbar.

Was liegt Dir besonders am Herzen? Von fairem Handel, nachhaltige Babymode und Herzensland Peru

Neben meiner Familie liegen mir in erster Linie die Menschen in Peru am Herzen. Ich habe dieses Land während meines ersten Auslandssemesters im Jahr 2007 schätzen und lieben gelernt. Ich habe ein unglaublich reiches Land kennengelernt, in dem so viel Armut herrscht. Mein Herz blutete, wenn ich bettelnde Mamas mit ihren weinenden Babys am Straßenrand sitzen sah und erlebte, wie Straßenkinder darauf hofften, dass Restaurantbesucher ein wenig Essen auf ihren Tellern ließen. Während die Reichen in teuren Clubs ihre Wochenenden verbringen, kämpfen die Menschen vor dem Club um ihr Überleben.

Die Corona-Krise macht die Situation in Peru nicht leichter. Besonders hart trifft es die Menschen in den Armenvierteln rund um Lima. Sie dürfen das Haus kaum verlassen. Deshalb können sie nicht arbeiten. Ohne Arbeit haben sie kein Geld. Ohne Geld können sie kein Essen kaufen. Ein Pfarrer aus Lima beliefert diese Familien tagtäglich mit Essen, denn auf den Staat können diese Familien nicht zählen.

Wir unterstützen diese Initiative über den Verkauf unserer Fingerpuppen. Schon 60 Familien konnten wir mit Essen versorgen und es folgen hoffentlich noch ganz viele. Um jede noch so kleine Mithilfe sind wir dankbar. Hier erzähle ich mehr über unsere kleine Hilfsaktion: COVID-19 Nothilfe in Peru

 

Was fällt Dir am schwersten an der Ausgangs- und Kontaktsperre?

Bisher schränkt mich die Ausgangssperre nicht großartig ein. Hier in Deutschland sind die Regelungen schließlich vergleichbar harmlos. Wir haben einen großen Garten, der Frühling zeigt sich von seiner schönsten Seite und an meinem Arbeitsalltag ändert sich nur eines: ich arbeite vorwiegend abends/nachts statt vormittags, weil die Kinder zuhause sind.

Die Kontaktsperre berührt mich da schon mehr. Wir sind nach 4 Wochen Peru genau an dem Tag in Deutschland gelandet, als die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen in Kraft traten. Die vielen Menschen, auf die ich mich nach unserer Heimreise so sehr gefreut hatte, habe ich bis dato nicht gesehen.

Da ist meine kleine 4 Monate alte Nichte. Meine Oma und auch meine Mama durfte ich nur einmal sehen. Das ist nicht schön, denn ich vermisse meine Familie und Freunde. Auch unsere Kinder fragen beinahe täglich nach ihren Kindergartenfreunden.

Aber gut, es ist alles eine Frage der Zeit und das Wichtigste ist, dass wir uns als Kernfamilie haben und aktuell nicht um unsere Existenz bangen müssen.

Gibt es auch positive Aspekte für dich?

Ja, die gibt es. Zum ersten Mal seit Unternehmensgründung habe ich nicht das Gefühl 180% leisten zu müssen. Kaum jemand arbeitet gerade wie vor der Krise. Keiner erwartet dieselbe Leistung wie zuvor. Wieso also sollte ich diese hohe Erwartung an mich haben?!

Außerdem bin ich der Überzeugung, dass der Virus viele Menschen zum Nachdenken anregen wird. Unsere Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren immer rücksichtsloser und hektischer geworden. Dieses Verhalten schadet Mensch und Natur. COVID-19 zwingt uns einen Zeit lang in den Stillstand. Plötzlich eilt nichts mehr, man fängt an Briefe zu schreiben, zu malen, Upcycling Projekte zu starten. Viele überdenken ihr Konsumverhalten und setzen künftig hoffentlich andere Prioritäten, die dann letztlich unserem Planeten zu Gute kommen.

 

Hast Du Tipps für andere Mütter?

Für viele Mütter ist Home Office eine ganz neue Erfahrung. Und es ist wahrlich nicht einfach, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Erstellt einen festen Zeitplan, in dem ihr Zeitfenster für die Arbeit, für die Kinder und den Haushalt einplant. Kreative Projekte und Spiele sorgen dafür, dass die Kinder auch einmal eine Weile ohne Mama beschäftigt sind.

Ich überlege mir für jeden Tag ein kleines Projekt. Mal backen wir gemeinsam, dann wieder basteln wir eine Waschanlage aus Klopapierrollen oder wir stellen Zaubersand her. Meist sind es Aktivitäten, bei denen ich mit ihnen gemeinsam die Rahmenbedingungen schaffe, eine Weile ins Spiel begleite und mich dann unbemerkt an meinen PC zurückziehe. Denn meist brauchen kleine Kinder einfach einen gemeinsamen Startpunkt. Wenn sie dann erstmal ins Spiel eingetaucht sind, ist Mama schnell vergessen; zumindest für eine Weile.

 

Schon mitgemacht haben… – und du? Willst du mit dabei sein?

Auch wenn Du etwas anderes zu sagen hast, melde dich gerne! Ich freue mich über neue Interviewpartner – auch und gerade jetzt in der verschärften Homeoffice Situation in Corona-Zeiten, die für viele neu ist.

Hier findet Ihr Infos und Fragen, wenn ihr mitmachen wollt.

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